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DREI-FRANKEN-ECK

Folget dem Stern!

Aus der Oberpfalz kommt ein Zaubertrank. Ist "Zoigl", das Kommunbier, auch etwas für uns Franken?
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Zoiglstern
Reinhard Fütterer hängt den Zoigl-Stern raus – das ist das Zeichen für alle Kommunbier-Freunde. Foto: Foto: PETER VON FELBERT
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Schon als Bub hat Helmuth Bodenstein die Nase gern ins Sudhaus gesteckt. Auf seinem Weg zur Schule kam der gebürtige Burghaslacher, Jahrgang 1947, an einer Brauerei vorbei. „Ich bin öfter zu spät zum Unterricht gekommen, weil ich den Braumeister besucht habe und immer ein Holzscheit ins Feuer der Sudpfanne legen durfte.“ Kein Wunder, dass Bodenstein später selbst eine Leidenschaft fürs Bierbrauen entwickelte. Er wurde zum Ideengeber fürs DFB, das Drei-Franken-Bier. Nun hat er fürs Frankenland wieder eine Bier-Botschaft. Und die kommt ausgerechnet aus der Oberpfalz, dem Reich des Kabarettisten und Musikers Norbert Neugirg, der mit seiner „Altneihauser Feierwehrkapell?n“ ja auch gern mal zum Sturm auf Franken bläst.

Die Oberpfalz soll uns Franken etwas voraus haben? Kann doch nicht sein!

Helmuth Bodenstein: Doch, tatsächlich! Die Kultur rund um den Zoigl – auch Kommunbier genannt – haben die Oberpfälzer uns voraus! Die Stimmung in der Zoigl-Stube, die deftige Brotzeit und die Tatsache, dass Arzt und Arbeiter, Reich und Nicht-so-Reich nebeneinandersitzen und über Gott und die Welt reden – das haben wir Franken in der Form leider nicht.

Aber wir haben Hecken- oder Häckerwirtschaften, Biergärten und -keller!

Bodenstein: Das ist nicht Dasselbe! Da sagen die Menschen nicht automatisch „Du“ zueinander, sie quetschen sich auch nicht einfach gut gelaunt nebeneinander – zumindest nicht, solange noch ein weiterer Tisch frei ist.

Was ist Zoigl genau?

Bodenstein: Zoigl ist ein untergäriges, unfiltriertes und nicht behandeltes Bier, das in Oberpfälzer Kommunbrauhäusern nach althergebrachten Methoden gebraut wird. Über einem Holz- oder Kohlefeuer wird die Würze – das Gemisch aus Wasser und Gerstenmalz – in der Sudpfanne gekocht und dabei gehopft. Die Würze ruht danach genau eine Nacht im offenen Kühlschiff unterm Dach, wo sie erkaltet. Am nächsten Tag wird sie zum Anwesen des jeweiligen Kommunbrauers gebracht. Der setzt dann Hefe zu. Nach etwa zehn Tagen Gärzeit wird das Bier in Tanks oder Fässer abgefüllt, wo es mehrere Wochen reift.

Und wie schmeckt es dann?

Bodenstein: Da jeder Brauer und jeder Ort sein eigenes Rezept hat, schmeckt jeder Zoigl ein bisschen anders. Jeder ist unverwechselbar und authentisch. Das macht den Reiz aus! Ich mag zum Beispiel besonders den süffigen Zoigl aus dem Schafferhof von Reinhard und Gabi Fütterer in Neuhaus. Dort durfte ich vor kurzem sogar mitbrauen. Das war ein wunderbares Erlebnis!

Aber nicht jeder darf Zoigl brauen, oder?

Bodenstein: Brau- und Schankrechte liegen seit Generationen auf bestimmten Häusern. Aber das soll Norbert Neugirg erklären. Der Norbert ist nicht nur Chef der „Altneihauser Feierwehrkapell?n“, die bei Fastnacht in Franken ihr Unwesen treibt, sondern auch Botschafter des „Echten Zoigl vom Kommunbrauer“. Diese Schutzgemeinschaft will die traditionsreiche Oberpflälzer Zoiglkultur erhalten.

Herr Neugirg, wie kommen Sie zu so einem bierernsten Job?

Norbert Neugirg: Wer aus der Zoiglhochkultur der Oberpfalz auf das fränkische Niveau in Veitshöchheim hinabsteigt und unter die vom Wein gezeichneten Franken gerät, dem fallen zwangsläufig Sprüche ein, wie:

„Trink? Bier aus dem Kommunbrauhaus,

dann schaust Du viel gesünder aus

und kriegst auch keinen solchen Zinken,

wie die, die Wein aus Franken trinken!

Mein Vierzeiler hat das weltweite Interesse am Zoigl ansteigen lassen. Eigenartigerweise auch das am Frankenwein.

Recht so! Und was hat es nun mit dem

Zoigl-Braurecht auf sich?

Neugirg: Zoigl kommt aus dem Kommunbrauhaus und wird am Ort des Entstehens getrunken, alles andere ist Fake! Deshalb:

Hütet Euch vor Flaschenbieren,

die den Namen Zoigl führen.

Zoiglbier muss man erleben,

das können Flaschen Euch nicht geben.

Zoiglbier ist Handarbeit,

ein off'ner Trank seit alter Zeit,

man kann den Geist nicht konservieren,

gleich wie viel? Flaschen es probieren.

In der Oberpfalz gibt es noch fünf intakte, alte Kommunbrauhäuser, in denen bis heute handwerklich Zoigl gebraut wird. Das Recht, Bier zu brauen, wurde den Orten vor Jahrhunderten verliehen: Neuhaus 1415, Windischeschenbach 1455, Falkenberg 1467, Mitterteich 1516 und Eslarn 1522. Die brauberechtigten Bürger sind eine verschworene Gemeinschaft. Es gibt die „Hausbrauer“, die ihren Zoigl selber trinken und nichts hergeben, es gibt „ruhende Braurechte“, deren Inhaber zwar laut Grundbuch brauen könnten, es aber nicht tun, weil es weniger schweißtreibend ist, in die Zoiglstube, also zur dritten Gruppierung, den „Schenkern“, zu gehen und sich dort für 2 bis 2,20 Euro pro Halbe den Zoigl schmecken zu lassen.

Woher weiß man, wo und wann es Zoigl gibt?

Bodenstein: Es gibt einen Kalender, in dem steht, welches Wirtshaus wann sein Kommunbier ausschenkt. Außerdem: Das Wort Zoigl kommt von „zeigen“. Wenn der sechseckige Zoigl-Stern vor einem Wirtshaus hängt, zeigt er an: Hier gibt?s frischen Zoigl.

Gehören die Kommunbrauereien den Brauern als Gemeinschaftsbesitz?

Neugirg: In Neuhaus und Windischeschenbach gehören die Kommunbrauhäuser den Brauberechtigten. In Eslarn und Falkenberg jeweils der Marktgemeinde und in Mitterteich der Stadt. In den beiden erstgenannten Orten finanzieren und erhalten die brauenden Bürger ihre Brauhäuser eigenverantwortlich. Die anderen Brauhäuser trägt die Kommune. Allen gemeinsam ist, dass beim Brauen ein Kesselgeld fällig wird, womit die Einrichtung funktionstüchtig gehalten wird.

Der Zoigl gehört zum von der UNESCO geschützten „immateriellen Kulturerbe Bayerns“. Das ist natürlich auch eine Verpflichtung für die Zukunft…

Neugirg: Die Schutzgemeinschaft „Echter Zoigl vom Kommunbrauer“ freut sich, dass die „Oberpfälzer Zoiglkultur“ 2018 innerhalb von kurzer Zeit in das bayerische und das bundesweite Verzeichnis für immaterielles Kulturerbe der deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen wurde. Ob der Zoigl UNESCO-Weltkulturerbe wird, steht in den Sternen. Vorsorglich errichten wir derzeit eine Skulpturenreihe in den fünf Zoigl-Orten. Es ist die „Zementierung“ des Ursprungs unserer echten Zoiglbier-Kultur.

Bodenstein: In der Zoigl-Stube wird es weiterhin keine Standesunterschiede geben, man wird per Du sein und zusammenrücken, damit jeder Platz und Spaß hat. Ich wünsche jedem, dass er das mal erlebt. Ganz nach dem Motto, das mir mal spontan eingefallen ist und jetzt eine Speisekarte im Schafferhof ziert: „Die Franken und die Oberpfalz, die gehören zusammen wie Hopfen und Malz.“

Nähere Infos: www.zoiglbier.de

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