RANDERSACKER

Fischer und Schiffer pilgern gemeinsam zum Käppele

An ihre Verbundenheit erinnerten Fischer und Schiffer mit einer Wallfahrt zum Käppele, zu der Fischerzunft und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt eingeladen hatten.
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Fischer- und Schifferwallfahrt zum Käppele: Die Teilnehmer fahren auf dem Main mit Schelchen, begleitet von Schiffen des Wasser- und Schifffahrtsamtes und der Wasserschutzpolizei, nach Würzburg. Foto: Foto: JohAnnes KIEFER
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Gleiche Brüder seien Fischer und Schiffer einst gewesen, sagt Hubert Holl, der Obermeister der Randersackerer Fischerzunft. Dass sich die Verhältnisse verschoben haben, wird überdeutlich, als sich ein riesiges Frachtschiff den schmalen Schelchen nähert, mit denen die Randersackerer Fischer auf dem Main nach Würzburg pilgern. Mit einer Fischer- und Schifferwallfahrt zum Käppele wollen die Fischerzunft und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) an die Verbundenheit erinnern.

135 Wallfahrer machen sich an diesem frühen Morgen in Randersacker zur Wallfahrt auf – die einen in Schelchen, die anderen auf einem großen Ponton, den das WSA samt Schubschiff zur Verfügung gestellt hat. Neben der Handvoll Zunftmitgliedern, die das Handwerk noch regelmäßig betreiben, sind vor allem Angehörige und Freunde der Zunft dabei sowie Mitarbeiter das WSA samt ihrem Behördenleiter Heinrich Schoppmann. Pfarrer Frederic Fungula begleitet die Gläubigen. Mit Wallfahrtschorälen stimmt die Musikapelle Randersacker unter Leitung von Heiner Huttner auf den Tag ein. Aber auch das Frankenlied ertönt. „Wallfahrer ziehen durch das Tal . . .“ heißt es darin.

Erstes Ziel der Wallfahrer ist der kleine Hafen an der Löwenbrücke, an dem auch die Würzburger Fischerzunft ihre Boote liegen hat. Fischer Andreas Gugel empfängt die Kollegen aus Randersacker. Es ist Zeit für eine erste Stärkung, bevor sich die jüngeren unter den Wallfahrern zu Fuß auf Weg zum Käppele machen. Für die älteren unter ihnen und die Musikanten steht ein Bus bereit.

Pieta im Main treibend gefunden

Das Kirchlein auf dem Nikolausberg haben die Fischer mit Bedacht gewählt, nicht nur, weil das Käppele eines der bekanntesten Wallfahrtsziele Frankens ist, sondern auch, weil ihr Bau auf einen Fischer zurückgeht. Im Jahr 1640 hatte dieser der Überlieferung nach eine hölzerne Pieta im Main treibend gefunden. In seinem Weinberg auf dem Nikolausberg errichtete er einen Bildstock, in dem er das Bildnis der um ihren toten Sohn trauernden Gottesmutter aufstellte.

Noch während des 30-Jährigen Krieges zog das Gnadenbild Gläubige an, die sich in ihrer Not die Fürsprache Mariens erhofften. Wenige Jahre später entstand die erste hölzerne Kapelle. 1748 schließlich wurde nach den Plänen von Balthasar Neumann die heutige Barockkirche errichtet und das angrenzende Hospiz, in dem bis vor wenigen Jahren noch Kapuzinermönche wirkten. In der Seitenkapelle des Kirchleins steht das Gnadenbild heute. Die Randersackerer Fischer- und Schifferzunft existierte zu diesem Zeitpunkt bereits knapp vier Jahrzehnte. 1712 war sie gegründet worden.

Pfarrer Josef Treutlein, der heute die Wallfahrer an Stelle der Ordensleute betreut, erinnert im Gottesdienst an die enge Verbindung zu den Mainfischern. „Richtig gefreut habe ich mich deshalb auf euch“, meint er.

Aus dem Evangelium hat er jene Stelle ausgesucht, in der Jesus unter den Fischern am See Genezareth seine ersten Jünger um sich schart, darunter Petrus, den die Fischer bis heute als ihren Schutzheiligen verehren. Wie Petrus zum Menschenfischer für den Glauben zu werden, ist die Aufforderung, die Pfarrer Treutlein in seiner Predigt an die Gläubigen richtete.

Bei Wallfahrten gehören beten und feiern zusammen. Den Rahmen für letzteres bietet der Schützenhof, wo die Randersackerer Musikanten für die Wallfahrer aufspielen. Obermeister Hubert Holl, der die Wallfahrt bereits zum dritten Mal organisiert hat, ist am Ende rundherum zufrieden und dankbar für die Unterstützung, die ihm von seinen Zunftmitgliedern und dem Wassersstraßen- und Schifffahrtsamt zuteil wurde.

Dessen Leiter Heinrich Schoppmann sieht in der Fischer- und Schifferwallfahrt eine willkommene Gelegenheit, das gemeinsame Interesse für den Main zum Ausdruck zu bringen und damit alte Traditionen am Leben zu erhalten. Gerade weil die Schifffahrt gelegentlich im Konflikt zu den Interessen der Fischerei steht, sei ein offenes und vertrauensvolles Verhältnis zur Fischerzunft wichtig.

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