ZIEGENBACH

Fische sind spurlos verschwunden

Ein Ziegenbacher erlebt beim Ablassen seines Teiches eine böse Überraschung: Unbekannte haben seine Aischgründer Karpfen gestohlen. Jetzt ermittelt die Polizei.
Artikel drucken Artikel einbetten
Können Fische Beine bekommen? In Ziegenbach schon. Da haben Diebe einen ganzen Weiher leer gefischt. Fotos: Diana Fuchs Foto: Diana Fuchs
+3 Bilder

Armin Eisen traute seinen Augen nicht: Über zwei Stunden lang hatte er gebraucht, um seinen Karpfenteich abzulassen. Auf 80 bis 100 Karpfen hatte er sich gefreut, sie schon einem Gastwirt zur Verwertung versprochen. Dann das böse Erwachen: Gerade mal zwei Karpfen befanden sich noch im Teich. Der Rest: von Unbekannten geklaut.

Der Boden ist dunkel, weich, matschig. Stöckelschuhe sollte man hier nicht anziehen. Und selbst mit normalen Alltagsschuhen tut man sich schwer am Rande des Teichs, wenige hundert Meter von Ziegenbach entfert. Direkt an der Landkreisgrenze zu Kitzingen gelegen gehört die kleine Gemeinde zum Aischgrund – einer Region mit einer kulinarischen Besonderheit. Den Aischgründer Karpfen gibt es hier, einen Fisch, dessen Herkunft seit mehreren Jahren von der EU geschützt ist. Eine ganze Reihe von Herstellern nutzt die g.g.A., die „geschützte geografische Angabe“ als Zeichen besonderer Qualität und hat sich dafür in das Kontrollsystem aufnehmen lassen. Im Aischgrund bewirtschaften rund 1200 Teichwirte etwas mehr als 7000 Teiche mit einer Fläche von etwa 3000 Hektar. Meist handelt es sich um kleine Teiche.

Auch die Familie Eisen aus Ziegenbach hat einen solchen Teich und steht auf der Herstellerliste der „Aischgründer Karpfen g.g.A.“. Seit mehreren Generationen bewirtschaftet sie das Gewässer am Rande der Gemeinde an der Grenze zum Landkreis Kitzingen. „Mein Uropa hat damit angefangen. Wir machen das schon ewig und drei Tage“, sagt Armin Eisen, mit 37 Jahren einer der wenigen jüngeren Teichbewirtschafter in der Region. Sein Haupterwerb sind die Karpfen nicht, dazu ist die Anlage viel zu klein. „Ich mach' das hobbymäßig.“

Viel Zeit und Geld investiert

Es ist eine Freizeitbeschäftigung, in die er viel Zeit steckt. Jeden Tag mindestens eine Viertel- bis eine halbe Stunde, um nach dem Rechten zu schauen. Fressen die Fische? Passt alles mit dem Zulauf? Mit dem Wasser? Alle 14 Tage mäht er das Gras rund um den Teich. „Ich mähe mit dem Rasenmäher und teilweise mit der Sense, anders komme ich nicht hin“, erzählt der Ziegenbacher. Im Frühjahr kauft Armin Eisen Setzlinge in Obervolkach, 20 bis 30 Zentimeter groß, 200 bis 300 Gramm schwer, und setzt sie im Teich ein. Das Futter holt er in Dettelbach und fährt dafür mit dem Traktor die lange Strecke quer durch den Landkreis Kitzingen. „Gutes Futter zu finden ist nicht einfach“, berichtet er. Denn einem echten Aischgründer Karpfen darf nicht einfach irgendetwas gefüttert werden. Die Bedingungen für die Erzeugung sind genau festgelegt, um die Qualität zu sichern.

Nur Getreide und Hülsenfrüchte sind bei der Fütterung erlaubt, der Besatz ist auf eine bestimmte Zahl beschränkt, damit die Karpfen genug Platz im Teich haben. Der Aischgründer Karpfen darf zudem einen vorgegebenen Fettanteil nicht überschreiten.

Armin Eisens Fische leben in einem Teich, der rein mit Quellwasser gespeist wird. Das Wasser ist kalt im Gegensatz zu den Himmelsweihern, die ihr Wasser aus den Niederschlägen beziehen und keinen Zulauf haben. Er stellt per Solarpumpe den richtigen Sauerstoffgehalt im Wasser sicher. Er desinfiziert den Teich regelmäßig, damit die Fische nicht krank werden. Er hat also eigentlich alles richtig gemacht. Trotzdem kann er seine Fische jetzt nicht verkaufen – weil sie verschwunden sind.

Am vergangenen Wochenende hat Armin Eisen den Teich abgelassen, wie er es im Herbst immer macht. Die Karpfen der Kategorie „K3“ sollten an eine Gaststätte verkauft werden. 80 bis 100 Fische sollten es heuer sein. Jahr für Jahr fischt er die dreijährigen Tiere ab, wässert sie noch acht bis zehn Tage und dann gehen sie an den Wirt. Die jüngeren Fische kommen wieder zurück in den neu gefluteten Teich. „Wer mehrere Teiche hat, gibt sie in einen zweiten“, erklärt Eisen.

Es dauert mehrere Stunden, bis das Wasser mit einem Rohr abgelassen ist. Da die Karpfen sich immer an der tiefsten Stelle sammeln, merkte Eisen erst nach einer Weile, dass von seinen Karpfen gerade mal zwei übrig geblieben waren. „Es ist ja nicht so wie bei einem Landwirt, der seine Kühe auf der Wiese oder im Stall zählen kann. Die Fische sind ja im Wasser.“ Der 37-Jährige war entsetzt, als er nur noch zwei Fische fand. „Ich bin um den ganzen Teich gelaufen, habe alles kontrolliert. Aber es waren einfach nicht mehr da.“

3,20 bis 3,50 Euro gibt es laut seinen Angaben für ein Kilo Aischgründer Karpfen. Bei einem Gewicht von etwa 1,5 Kilogramm ergibt sich damit ein Schaden von um die 400 Euro. Die Kosten für Futter und Sprit nicht eingerechnet – und auch nicht die vielen Arbeitsstunden. „Das war alles umsonst.“

Eisen hat Strafanzeige bei der Polizei erstattet, die in ihrem Pressebericht auf den Diebstahl hinwies und Zeugen bittet, sich zu melden. Dass sich Kormorane oder Fischreiher an seinen Tieren gütlich getan haben können, schließt er aus. „Damit haben wir hier kaum Probleme.“ Außerdem hat er eine Wildkamera an seinem Teich aufgestellt und bei der Kontrolle der Aufzeichnungen Mitte Oktober ein Fahrzeug gesehen. „Da denkt man sich ja erst mal nichts“, sagt er. Es könnte jemand gewesesen sein, der für eine Pinkelpause angehalten hat oder spazieren ging. Schließlich läuft der Verkehr wegen der Sperrung der B8 bei Enzlar im Moment etwas anders als sonst. Da sind schon mal Leute unterwegs, die sonst nicht auf der Strecke fahren. Jetzt aber, nach dem Diebstahl, kommt Eisen ins Grübeln, ob das vielleicht derjenige gewesen sein könnte, der seine Fische mitgenommen hat. „Aber man konnte das Kennzeichen nicht lesen.“

Nicht der erste Vorfall

Es ist nicht das erste Mal, dass Armin Eisen Probleme an seinem Teich hat. 2017 fand er eines Tages etwa 60 kaputte Fische, einige hatten blutige Wunden, andere waren grünspanig. Er hat das Wasser untersuchen lassen, zumal der Weiher einen Überlauf in den Bach hat. Eine Vergiftung konnte nicht nachgewiesen werden. In diesem Sommer hat jemand die Solarpumpe beschädigt, die für die Sauerstoffzugabe im Quellwasserteich sorgt. Auch hier stellte er nach dem Schaden bei einer Kontrolle seiner Kamera fest, dass da nachts jemand an seinem Teich gewesen ist.

Warum jemand die Pumpe zerstört hat, weiß Eisen nicht, und auch nicht, wo seine Karpfen geblieben sind. Aber er kann sich vorstellen, warum jemand die Fische geklaut haben könnte: „Der hat sie bestimmt verkauft. Viele Wirte sind froh, wenn sie Fische kriegen. Und meine hatten ja genau die richtige Größe.“

Zeugen gesucht: Wer kann Angaben zum Diebstahl von 80 bis 100 Karpfen der Klassifizierung „K3“ aus dem Teich bei Ziegenbach machen? Die Ermittler der Polizei Neustadt hoffen auf Zeugen und bitten um Hinweise, die unter der Rufnummer 0162/92710 bei der Polizeiwache Scheinfeld oder unter 09161/ 8853-0 bei der Inspektion entgegen genommen werden. Wer seit Mitte Oktober, insbesondere im Bereich der Weiher am nördlichen und östlichen Orts-rand, Personen oder gar Fahrzeuge gesehen hat, soll sich bei den Ordnungshütern melden.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren