WÜRZBURG

Faire Mode aus der "Wohltatsfabrik"

Ein junges Start-up will Schulen, Behörden, Vereinen und Firmen helfen, grüner zu werden
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Shoppen mit gutem Gewissen: Sebastian Becker stellt sein Start-up „Deetory“ vor. Foto: Foto: BECKER
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WÜRZBURG/ MARKTBREIT Sebastian Becker und Julian Herrhammer entwerfen seit Anfang 2017 in Würzburg nachhaltige und faire Mode unter dem Label „Deetory“. Damit unterstützen sie eine Näherei in Kenia und ein ökologisches Anbaugebiet in Tansania. Ihre Kunden können nach dem Einkauf außerdem selbst entscheiden, an welche Wohltätigkeitsorganisation sie einen Teil des Kaufpreises spenden möchten. Wie das geht, erklärt Sebastian Becker am morgigen Samstag beim „We for future“-Festival in Marktbreit – und vorab schon mal im Interview.

Wer steckt hinter Deetory?

Sebastian Becker: Hinter Deetory stecken zwei Gründer: Julian Herrhammer, der die ganze kreative und technische Seite abdeckt, und ich selbst, Sebastian Becker, der Geschäftsführer und quasi „Macher“. Natürlich möchte ich nicht unsere Freunde und Familien vergessen, ohne die all das nicht möglich wäre. Sie unterstützen uns, wo es nur geht.

Was bedeutet der Name?

„Deetory“ steht für „Deed“, die Wohltat, und „tory“ für „Factory“, Fabrik. Wörtlich übersetzt heißt das dann so viel wie: die „Wohltatsfabrik“. Unser Logo besteht aus zwei maslowschen Bedürfnispyramiden, die sich mit den Spitzen in der Mitte treffen. Das soll dafür stehen, dass die Welt so langsam aus dem Gleichgewicht gerät. Alle wollen immer nur das Schönste, Beste, Tollste. Deswegen zieht sich bei unserem Logo ein Strich durch die Mitte, das sind wir, Deetory. Wir wollen dieser Entwicklung einen Strich durch die Rechnung machen und der Welt etwas zurückgeben.

Wie viele Produkte bieten Sie an?

Selbst erstellte Produkte – T-Shirts, Hoodies, Sweatshirts, Accessoires – bieten wir derzeit in acht Motiven an. Im Onlineshop zeigen wir jedes Produkt. Aber das ist nicht das Einzige, was wir tun. Wir helfen Schulen, Behörden und Unternehmen, grüner zu werden. Da wir die Möglichkeit haben, eigene Schnitte zu produzieren, können wir fast jeden Kundenwunsch erfüllen und das schon bei sehr geringen Abnahmemengen: ab 20 Stück.

Woher kommen die Rohstoffe?

Wir verwenden fair bezahlte Biobaumwolle aus Tansania, die kurze Wege zum Produzenten hat, um auch die CO2-Bilanz klein zu halten. Als Basis für unsere Kleidung dienen ausschließlich fair hergestellte und gehandelte Rohstoffe. Besonderes Augenmerk legen wir auf zertifizierte Vertragspartner und verwenden ausschließlich Bio-Farben.

Wer fertigt die Kleidungsstücke an?

Unsere Designs werden von fair bezahlten Afrikanern produziert. Diese arbeiten zu westlichen Standards und besitzen sogar eine Krankenversicherung. Das ist wirklich etwas Besonderes. Auch die biologische Baumwolle für unsere Kleidung wird von Bauern produziert, die ohne chemischen Dünger und Schadstoffe auskommen. Zusätzlich werden die Baumwollfelder nicht künstlich bewässert – das findet man kaum.

Wie entstand der Kontakt zu den Lieferanten?

Durch Zufall auf einer Messe durch eine Freundin. Sie hat von uns erzählt und danach hat der Geschäftsführer eines anderen Mode-Start-Ups aus Stuttgart uns angeschrieben. Ich habe etwas nachgehakt und er hat uns dann gefragt, ob wir zusammen produzieren wollen.

Wer stellt sicher, dass die Rohstoffe/ Kleidung ausschließlich fair hergestellt wurden?

Sichergestellt wird das dadurch, dass ständig jemand von anderen Start-ups in der Produktion vorbeischaut. Es gibt ein Netzwerk, das Teile füreinander mitnimmt oder auch mal Muster.

Welche Idee steckt hinter der Kooperation mit den Hilfsorganisationen wie der Lepra- und Tuberkulosehilfe und dem Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ ?

Unsere Unternehmensphilosophie basiert auf der Idee, die Welt Stück für Stück zu verbessern. Da dies alleine nicht so einfach zu realisieren ist, bieten wir die Gelegenheit, Teil eines großen Projektes zu werden. Einfach mal googeln: #bepartofit. Unser Motto lautet: „Mit eurem Support und unserer Leidenschaft übernehmen wir gemeinsam soziale Verantwortung.“

Was hat es mit der Währung namens „Dees“ auf sich?

Durch unsere Kooperation mit Hilfsorganisationen hat jeder Kunde die Möglichkeit, nach jedem Einkauf zu entscheiden, an wen wir einen Teil unseres Gewinnes spenden. Um diese Spenden übersichtlicher zu gestalten, haben wir eine eigene Währung mit dem Namen „Dees“ eingeführt. Diese erhält man beim Einkauf unserer Produkte kostenlos dazu und kann sie dann beliebig aufteilen. Jeder entscheidet also, wer von uns gefördert werden soll, ohne dass es auf seine Kosten geht.

Wie teuer sind Ihre Produkte im Vergleich zu nicht-fairen Marken?

Unsere Produkte sind im mittleren Preissegment, damit jeder sie sich leisten kann. Wenn man die Geschichte hinter Deetory kennt, ist jeder bereit, die moderaten Preise zu bezahlen. Und zugleich unterstützt man noch die gute Sache. Das überzeugt jeden.

Können Sie von Ihrem Unternehmen Deetory leben?

Leider können wir noch nicht davon leben. Das wird auch noch etwas dauern. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg und hoffen natürlich, dass es irgendwann mal dazu kommt.

Nähere Infos: www.Deetory.com

„We for future“: Festival und Sommernachtskino

Ort: Alter Kranen und Lagerhaus Marktbreit (bei Regen)

Titel: Für eine Welt mit Zukunft

Verpflegung: Stände mit Essen und Trinken, das nachhaltig erzeugt wurde.

Freitag, 26. Juli: Ab 19.30 Uhr Sommernachts-Openair-Kino-Abend. 21.30 Uhr: Filmstart von „Der Junge muss an die frische Luft“.

Samstag, 27. Juli:

• Bühnen-Talk. 12.30 Uhr: Werner Müller (Markt Einersheim) stellt sein Waisenhaus-Projekt vor. 13 Uhr: Juliane Amend präsentiert ihre „Gemüse-Ackerdemie: Ackern schafft Wissen“. 13.30 Uhr: Bruder Julian (Kloster Münsterschwarzach) und Dr. Christian Loos sprechen über „Mobilitäts-Alternativen in der Region“. 14 Uhr: Jonas Gampe stellt artenreiche Kreislaufgärten vor. 16 Uhr: Lothar Pfeuffer und seine private Gruppe „E-Auto Kitzingen“ haben E-Mobilität im Alltag getestet. 17 Uhr: Klimaschutz-Talk „Einfach jetzt machen“ mit dem Bergwaldprojekt Würzburg. 18 Uhr: Nadine Schubert referiert über „Besser leben ohne Plastik“. 19.30 Uhr: Sebastian Becker von der Firma Deetory spricht über „fair fashion“.

20 Uhr: Achim Knöchel („We for future“) steckt erreichbare Zukunftsziele ab.

• Mitmach-Programm: Von 13 bis 19 Uhr Workshops: Permakultur im Hausgarten, Insektenhotel, Speisepilzzucht, Seedbombs, Solar-Copter, Klimaquiz.

• Zauberei: 15 Uhr: Umweltzauberei für Kinder: „ZaPPaloTT – und die Mülltonne“.

• Live-Musik: 19.30 Uhr bis 21 Uhr: Die Marktbreiter Kultband „Monday Socks“ spielt Rock- und Popsongs.

• Sommernachtskino: 21 Uhr: Vorprogramm, 21.30 Uhr: „Zeit für Utopien – wir machen es anders“.

Tickets: Tourist-Info Marktbreit, Hotline: 09332/ 591595, Casablanca-Kino Ochsenfurt oder direkt vor Ort

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