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KITZINGEN

Kitzinger Geschäftswelt: Es soll weiter gehen

Der Stadtmarketingverein in Kitzingen will die Gewerbetreibende in der Innenstadt auch in Zeiten von Corona unterstützen und startet eine Aktion im Netz.
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Will den Einzelhandel in Kitzingen auch in Zeiten von Corona unterstützen: Frank Gimperlein vom Stadtmarketingverein. Foto: Ralf Dieter
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Die Plakate hängen in den Schaufenstern. Und an Türen, die geschlossen sind. Für zwei Wochen. So lautet der Beschluss der Staatsregierung. „Hoffentlich nicht länger“, sagt Frank Gimperlein. Der Leiter des Stadtmarketingvereins in Kitzingen schwankt zwischen Hoffnung und Verständnis. Er appelliert an die Verbraucher, die Kitzinger Geschäftswelt nicht zu vergessen.

Als Ministerpräsident Markus Söder am Montag den Katastrophenfall ausrief und die Schließung von Geschäften, die nicht der Grundversorgung dienen, für zwei Wochen ankündigte, machte sich Frank Gimperlein auf den Weg. Etwa 30 Gewerbetreibende besuchte er, holte deren Stimmungslage ein. Im Gespräch mit dieser Zeitung zeigt er sich positiv überrascht. „Der Tenor war zu hundert Prozent gleich“, sagt er. „Alle verstehen die Maßnahme.“ Auch wenn sie für viele einschneidende Folgen haben wird.

Genau diese Folgen will Gimperlein mit seinem Team abfedern. Durch Informationen und durch Appelle. „Kitzingen geht weiter, wenn Sie nur das Nötigste online kaufen und nicht unvernünftig horten“, steht beispielsweise auf dem Plakat unter dem Hashtag „Kitzingengehtweiter“. Waren des täglichen Bedarfs könnten in diesen Zeiten natürlich online bestellt werden, meint Gimperlein. Wer neue Schuhe braucht, Kleidung, Schmuck oder Sportsachen, der sollte noch ein paar Tage warten, bis die Schließung der Geschäfte wieder aufgehoben wird. Um dann in der Innenstadt einzukaufen. „So tut man den örtlichen Gewerbetreibenden etwas Gutes“, betont Gimperlein, der bei seinen Rundgängen durch die Kitzinger City in diesen Tagen zwiespältige Gefühle hat. Einerseits erschrecken ihn die geschlossenen Türen der Einzelhändler. Andererseits könne die leere Innenstadt auf manchen Passanten lehrreich wirken. „Jeder sieht doch jetzt, wie uninteressant eine Innenstadt ist, wenn die Geschäfte geschlossen sind.“

Während Optiker und Akustiker weiter geöffnet haben, bieten Händler wie Schreibwaren Högner oder die Bücherei Schöningh bereits Lieferdienste an. „Wir müssen jetzt kreativ sein“, fordert Gimperlein. Und soziale Verantwortung übernehmen. Der 30-Jährige tüftelt gerade an einer unbürokratischen Lösung für die Kunden der Kitzinger Tafel. Die hat ihre sofortige Schließung angekündigt, zu viele Mitarbeiter gehören der Risikogruppe der älteren Mitbürger an. Aus Gesprächen mit Leitern von Lebensmittel-Läden weiß Gimperlein, dass es genug Waren zum Verteilen gäbe. „Und es gibt junge Menschen, die ihre Hilfe angeboten haben“, weiß er. „Das muss man doch irgendwie zusammenbekommen.“ Bezüglich der eigenen Veranstaltungen will Gimperlein ebenfalls kreativ sein. Der Kitzinger Frühling ist zunächst auf den 26. April verschoben worden. Wann der Stadtschoppen oder das Stadtfest über die Bühne gehen, sei derzeit überhaupt nicht absehbar. „Wir schauen von Woche zu Woche“, sagt der STMV-Vorsitzende und betont: Veranstaltungen werden nur durchgeführt, wenn eine hundertprozentige Sicherheit für die Besucher gegeben ist.

Auf der Homepage des Stadtmarketingvereins und auf Facebook unter „kitzingengehtweiter“ werden die Öffnungszeiten und Lieferdienste der Gastronomiebetriebe in Kitzingen fortlaufend aktualisiert. Es soll auch eine Übersicht erstellt werden, welche Einzelhändler einen Lieferservice anbieten. Derzeit bieten die meisten Gastronomen Essen „to go“ an, einige haben – entsprechend der Vorgaben aus dem Ministerium – auch noch von 9 bis 15 geöffnet. Einen Lieferservice bieten aktuell das Brückeneck, Casa Konrad, das Weinbistro am Turm und auf Nachfrage das Quattro Mori. Gimperlein hofft, dass es bei der zweiwöchigen Schließung der Geschäfte bleiben wird. Einige hätten bereits Kurzarbeit angemeldet, andere prüfen gerade, ob sie Ausfallversicherungen abgeschlossen haben. „Gegen Seuchen gibt es tatsächlich so was“, erklärt Gimperlein. Bezüglich der in Aussicht gestellten Kredite, müssten die Hausbanken noch Informationen einholen. Die versprochene Soforthilfe bezeichnet Gimperlein als gut gemeintes Zeichen, das in der Realität aber nicht mehr als ein Tropen auf dem heißen Stein sein könne.

Immerhin: Es gibt auch gute Nachrichten. Manche Vermieter hätten gegenüber den Gewerbetreibenden bereits signalisiert, dass sie die Mieten stunden würden oder eine Mietminderung in Betracht zögen. „Wir müssen jetzt zusammenhalten“, fordert der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins. Die erzwungene Auszeit biete auch die Möglichkeit, über sein tägliches Kaufverhalten nachzudenken. „Immer höher, schneller und weiter kann nicht der Weg sein“, meint Gimperlein. „Wir müssen auch wieder den regionalen Handel stärken.“ Am besten direkt nach dem Ende der Corona–Krise.