SICKERSHAUSEN

Erinnerungsarbeit, die schmeckt

Plätzchenbacken erinnert die Bewohner des Seniorenheims daran, wie sie einst mit ihrer Mutter in der Küche standen.
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Zucker, Mehl, Eier.... Die Bewohner des Wohnbereichs 4 im Haus der Pflege in Sickershausen haben mit Claudia Schorni leckere Plätzchen gebacken – und verkosten sie natürlich auch. Alle sind sich mit Johann Reisenbüchler (rechts) einig: „Die Plätzchen schmecken hundertprozentig!“ Foto: FOTO Daniela Röllinger

„Sie sind hundertprozentig.“ Johann Reisenbüchler ist zufrieden mit dem Eierlikör-Spritzgebäck. Die Reporterin muss probieren, findet er – und sie kann bestätigen: Die Bewohner des Wohnbereichs 4 im Haus der Pflege Kitzinger Land haben sehr gute Arbeit geleistet. Die leckeren Plätzchen werden sicherlich schnell aufgegessen sein.

Naht die Vorweihnachtszeit, warten viele Bewohner im Seniorenheim schon sehnsüchtig auf die Plätzchen. Nicht nur, weil sie alle gerne Süßes essen, sondern vor allem, weil sie mithelfen können. „Das Plätzchenbacken begeistert die Senioren“, sagt Ursula Vogel, Teamleiterin des Bereichs Beschäftigung im Haus der Pflege Kitzinger Land in Sickershausen. „Sie werden dabei an ihre Kindheit erinnert.“ An die Zeit also, in der sie selbst mit ihrer Mutter oder Oma in der Küche standen, aufgeregt den Teig kneteten und ausrollten, Sterne, Herzen und andere Formen ausstachen und die Plätzchen liebevoll mit bunten Streuseln verzierten.

„Butterpätzchen sind die Hauptsorte“, sagt Bewohnerin Elisabeth lächelnd und zeigt auf die Plätzchenschale auf dem Tisch. „Spritzgebackenes und Kokosflocken haben wir daheim auch gebacken.“ Welches ihre Lieblingssorte war? „Alle schmecken gut“, sagt sie. „Ulmer gehört auch dazu“, fällt ihr dabei ein. Die anderen in der Runde am Tisch nicken. Lecker war es früher, und lecker ist es heute, das Weihnachtsgebäck. Bei allen steigen Erinnerungen hoch, die dann auch erzählt werden. „Buttergebackenes“, sagt Wilhelm Riedmüller, „das haben wir früher daheim gebacken. Mit der Schwester.“

Plätzchenbacken ist Erinnerungsarbeit, kurbelt das Denken an. „Jeder erzählt, was ihm so einfällt“, sagt Ursula Vogel. „Die Mutter hat die Plätzchen versteckt“, berichtet Elisabeth und wieder nicken alle. So mancher grinst. „Wir haben sie trotzdem erwischt.“ Neben der Erinnerung ist das Plätzchenbacken für Senioren, die in irgendeiner Form von Demenz betroffen sind, auch ein sensorisches Erlebnis. Sie sehen und fühlen die Zutaten, kneten den Teig, naschen zwischendurch auch mal davon. Sie schnuppern die Gewürze, genießen den Duft, der beim Backen durch den Raum zieht.

Claudia Schorni hat mit den Senioren der Gruppe 4 gebacken. „Wir haben auch gemeinsam gesungen: In der Weihnachtsbäckerei....“ Wieder nicken alle, einer fängt an, die Melodie zu summen. Das hat ihnen Spaß gemacht. Und deshalb freuen sie sich, dass Claudia Schorni eine zweite Backaktion ankündigt. „Morgen machen wir Erdnussbutterplätzchen“, verrät sie. Da müssen die Senioren erst nochmal nachhaken: „Was für Plätzchen?“ will der eine wissen, andere heben fragend den Blick. Schorni erklärt, was Erdnussbutter ist und wo man sie kaufen kann. Alle sind gespannt auf die Aktion und natürlich darauf, wie die Plätzchen schmecken werden. Bestimmt werden auch sie wieder hundertprozentig. Davon ist Johann Reisenbüchler überzeugt.

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