KITZINGEN

Er will die Welt retten

An Selbstvertrauen mangelt es ihm nicht. An Ideen und dem festen Willen, etwas zu verändern auch nicht. Stephan Landsiedel hat sich ein hehres Ziel gesetzt.
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Stephan Landsiedel: „Die Zeit ist reif, etwas zu verändern.“ Foto: Foto: Ralf Dieter

Kitzingen Er hat ein durchaus ambitioniertes Ziel. Stephan Landsiedel will die Welt retten. Der Kitzinger Unternehmer hat eine genaue Vorstellung davon, wie das funktionieren kann. Und er hat schon mit der Arbeit angefangen.

Sie haben vor ein paar Monaten die Mission Weltrettung begonnen. Warum?

Landsiedel: Weil ich nicht länger zusehen kann, wie die Zeit davon rennt und längst reif für Veränderungen ist.

Das denken viele.

Landsiedel: Zurecht. Die Frage ist nur, ob sie einzeln viel erreichen können.

Sie wollen die Menschen vernetzen?

Landsiedel: Es gibt sehr viele Organisationen, die es gut meinen. Die beispielsweise etwas gegen den Klimawandel und für den Artenschutz tun. Und noch mehr Menschen, die etwas tun wollen, aber nicht wissen, wie. Jeder kämpft für sich. Stellen Sie sich vor, wir könnten die Kräfte bündeln.

Wie soll das gehen?

Landsiedel: Indem wir eine funktionierende Struktur aufbauen. Wir befinden uns gerade in der ersten Phase, in der wir Mitstreiter finden, Multiplikatoren. Dafür kann ich mein Netzwerk als Unternehmer nutzen. Ab November startet die zweite Phase. Dann werden wir eine fest angestellte Mitarbeiterin haben. Sozusagen die Weltretter-Präsidentin.

Die was macht?

Landsiedel: Die Organisation bekannter. Sie vernetzt die einzelnen Mitstreiter, findet neue Helfer, entwickelt Konzepte und Projekte.

Wie sind Sie auf den ambitionierten Namen Weltretter gekommen?

Landsiedel: Der war tatsächlich hart umkämpft. Viele Unternehmerkollegen, mit denen ich am Anfang des Projektes gesprochen habe, fanden ihn naiv oder romantisch. Aber wir brauchen einen Namen, der auf einen Blick erklärt, worum es geht. Und der polarisiert.

Das funktioniert. Wie wollen Sie Mitstreiter finden?

Landsiedel: Durch ausgebildete Multiplikatoren, die unsere Überzeugung und unsere Ideen weitertragen. Wir wollen in den nächsten ein bis zwei Jahren in jeder größeren Stadt in Deutschland eine regionale Weltretter-Anlaufstelle haben.

Ehrenamtliche Helfer?

Landsiedel: Das richtige Geschäftsmodell zu finden, ist tatsächlich eine der größten Herausforderungen. Ich dachte zuerst an eine gemeinnützige Organisation, aber ich will nicht abhängig von Spendengeldern sein. Wir wollen einen Weg finden, um Geld für unsere Aktionen zu generieren. Das kann beispielsweise über Beratungen für Firmen passieren, die nachhaltiger produzieren wollen.

Wer übernimmt diese Beratungen?

Landsiedel: Unsere ausgebildeten Weltretter.

Klingt komisch.

Landsiedel: Ich weiß. Aber stellen Sie sich vor, dass wir Unternehmen im In- und Ausland durch eine faire Beratung dazu bringen, sauberer und nachhaltiger zu wirtschaftlichen. Da würde sich ein Wandel in Gang setzen, der tatsächlich etwas verändert. Nachhaltig und langfristig.

Wirtschaftsunternehmen schauen vor allem auf ihren Profit.

Landsiedel: Und der muss nicht zwangsläufig sinken, nur weil ich die so genannte Gemeinwohlökonomie im Blick habe.

Sie wollen also über Beratungen für Firmen die Welt retten?

Landsiedel: Das soll nur eine Stoßrichtung sein.

Die andere?

Landsiedel: Passiert gerade vor Ort. Es ist unglaublich, wie viele regionale Gruppen es gibt, die sich schon jetzt engagieren. Menschen, die Müll sammeln, Bäume pflanzen oder regional erzeugte Produkte anbieten. Diese Ideen wollen wir jeweils in ein Konzept überführen, das wir allen Städten und Gemeinden anbieten. Quasi einen fertigen Bausatz, damit das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muss.

Eine Anleitung für die Rettung der Welt im Kleinen.

Landsiedel: Jeder meint es auf seine Weise gut. Aber es fehlt letztendlich die Kraft, um etwas auf die Beine zu stellen, das tatsächlich die Welt bewegen

Die Friday for Future Bewegung hat enorm viel Kraft entwickelt.

Landsiedel: Sie trifft den Nerv der Zeit. Und das ist gut so. Aber ich bin skeptisch, dass Demonstrationen alleine die Welt retten werden.

Wieso?

Landsiedel: Die Zeit, die diese Menschen auf der Straße verbringen, wäre viel besser durch gezielte Aktionen genutzt. Stellen Sie sich vor, die tausenden, vor allem jungen Menschen, würden in dieser Zeit an sinnvollen Konzepten mitarbeiten oder ganz aktiv etwas gegen die Zerstörung unserer Ressourcen tun. Damit wäre viel mehr gewonnen.

Potenzielle Mitstreiter gibt es genug?

Landsiedel: Das Bewusstsein, dass wir etwas verändern müssen, wird größer. Aber in der breiten Masse ist es immer noch nicht angekommen. Wir müssen also noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

Wer überzeugt ist, verändert nicht automatisch sein Verhalten.

Landsiedel: Das ist so. Nehmen Sie den Fleischkonsum als Beispiel. Wir wissen alle, dass es gesünder ist, auf Fleisch zu verzichten. Und wir wissen, dass wir 16 Mal mehr Nahrung auf diesem Planeten hätten, wenn wir das ganze Soja und den Mais nicht an die Tiere verfüttern würden. Obwohl dieser Kreislauf total ungesund ist, wird er auch noch subventioniert. Diesbezüglich sind wir Menschen völlig verrückt.

Essen Sie Fleisch?

Landsiedel: Nicht mehr. Als mir die ökologischen Folgen klar geworden sind, habe ich umgestellt und ernähre mich jetzt vegan.

So eine Umstellung fällt vielen schwer.

Landsiedel: Klar. Wir denken noch viel zu sehr an uns. Zuerst müssen wir unser Bewusstsein ändern, nach dem Motto: Es ist für mich wichtig, dass es anderen gut geht.

Was hilft mir die schönste Bewusstseinsänderung, wenn die Politik nicht die entsprechenden Weichen stellt?

Landsiedel: Natürlich muss auch die Politik mitziehen, aber wir Wähler müssen dafür klare Signale senden.

Sonst wird es nichts mit der Rettung der Welt.

Landsiedel: Sonst geht es so weiter. Und die Zeit läuft.

Weitere Informationen zu dem Projekt unter www.welt-retter.org

Zur Person Stephan Landsiedel ist in Wiesentheid aufgewachsen. Er ist Gründer von Landsiedel NLP Training, einem Institut für Neuro-Linguistisches Programmieren mit über 25 Standorten. Der Diplom-Psychologe ist Autor von zahlreichen Büchern und Hörbüchern. Seit über 15 Jahren ist er NLP-Ausbilder. Er gehört mit über 2500 durchgeführten Seminartagen zu den erfahrensten NLP-Trainern weltweit. Firmensitz ist in der Friedrich-Ebert-Straße 4 in Kitzingen.

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