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KITZINGEN

Ein wegweisendes Bauwerk

Der Verkehr auf der Konrad-Adenauer-Brücke in Kitzingen rollt seit 80 Jahren. Ihr Bau setzte einen Schlusspunkt unter das gefährliche Chaos auf der Alten Mainbrücke:
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Eines der ersten Autos auf der Konrad-Adenauer-Brücke – das Foto wurde während der Bauphase gemacht. 80 Jahre ist es her, dass die „Neue Mainbrücke“ für den Verkehr freigegeben wurde. Foto: Fotos: Sammlung Wolfarth
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Einsam steht ein Auto auf der Brücke. Daneben ein Mann, der mit hinter dem Rücken verschränkten Armen das Bauwerk begutachtet. Er wird es für gut befunden haben damals, im Jahr 1938, als das Foto entstand. Wenig später wurde die „Neue Mainbrücke“ für den Verkehr freigegeben. 80 Jahre ist das jetzt her.

Fünf Brücken queren heute in Kitzingen den Main, drei davon sind für den Autoverkehr freigegeben. Als Teil der Hauptverkehrsader B8 ist die Konrad-Adenauer-Brücke, wie die „Neue Mainbrücke“ eigentlich heißt, am meisten frequentiert. Zwischen 12 000 und 17 000 Fahrzeuge passieren sie einer Verkehrszählung von 2010 zufolge Tag für Tag.

Bis Ende der 1930er Jahre war die Alte Mainbrücke die einzige Möglichkeit, um mit dem Auto oder zu Fuß von Kitzingen hinüber zu kommen auf die Etwashäuser Seite. Schon damals herrschte Chaos auf der Brücke: Sie war zu eng für den Begegnungsverkehr, große Fahrzeuge konnten einander nicht ausweichen. Häufig kam es wegen Rangierarbeiten zu Staus, immer wieder ereigneten sich schlimme Unfälle.

Zunächst hatte man über eine Verbreiterung der Fahrbahn nachgedacht. Der nördliche Bürgersteig sollte der Fahrbahn zugeschlagen und der südliche dafür etwas verbreitert werden. Letztendlich aber fiel die Entscheidung für eine zweite Brücke. Um den zunehmenden Durchgangs- und Fernverkehr gut und gefahrlos durch die Stadt zu leiten, hat Bürgermeister Siegfried Wilke bereits kurz nach seinem Amtsantritt 1932 Pläne für einen neuen Brückenbau verfolgt, weiß Stadtarchivarin Doris Badel aus alten Unterlagen. Dass der Bau einer Brücke, die der Verkehrsentwicklung gerecht wurde, nicht mehr aufzuschieben war, zeigt ein tragischer Unfall am 9. November 1936, berichtet die Stadtarchivarin: Ein Lastkraftwagen überholte eine Fahrradfahrerin, diese kam mit ihrem Pedal zu nah an den Gehsteig, blieb hängen, verlor das Gleichgewicht und stürzte, dabei wurde sie vom Hinterrad des Lkws überfahren. Die Verunglückte war sofort tot.

1937 begannen die Bauarbeiten. Eine gewaltige Maßnahme, die von Beginn an von den Kitzingern mit großem Interesse verfolgt wurde. So zeigen einige der Fotos, die Jürgen Wolfarth vom Brückenbau hat, wie Menschen am Straßenrand den Bauarbeitern zuschauen.

18 Fotos vom Brückenbau

„Die Brücke wurde gebaut, als du geboren wurdest.“ Diesen Satz hat der Kitzinger als Kind oft gehört. 1937 kam Jürgen Wolfarth auf die Welt, mitten während des Baus also, und genau in dem Jahr, in dem sein Großvater Rudolf seine Leidenschaft, das Fotografieren, zum Beruf machte. Er wandelte sein Geschäft für Fahrräder, Näh- und Schreibmaschinen in ein Fotogeschäft um. Jürgen Wolfarth wuchs mit Fotos auf – und vor allem mit Bildern von Kitzingen. Er kennt die Entwicklung der Stadt, vom Anschauen, aber auch vom Zuhören, Erzählen und Lesen. „Ich bin neugierig“, sagt der 81-Jährige lachend. Sein Wissen gibt er gerne weiter und stellt viele Fotos, die sein Großvater, seine Mutter und er im Laufe der Jahre gemacht haben, der Öffentlichkeit gerne zur Verfügung. So wie er jetzt das Album über den Bau der „Neuen Mainbrücke“ öffnet. Mit seinen Bildern gibt er einen Einblick in die Entstehung der noch heute wichtigsten Querung der Stadt. Eine alte Postkarte im Album zeigt, dass nahe des heutigen Diakonie-Gebäudes einst ein Turm stand. Ein Maler soll darin gewohnt haben. Für den Brückenbau musste das Gebäude weichen. Auch die parkähnlichen Ringanlagen wurden für den Bau der Brücke und den zugleich durchgeführten Ausbau der Ortsdurchfahrt deutlich verkleinert. Außerdem musste der Bach verlegt werden, der sich in Höhe des Eisenbahnviaduktes aus dem Eherieder Mühlbach und dem Repperndorfer Mühlbach vereint und durch den Stadtgraben bis zum heutigen Brückenstandort fließt.

18 Fotos hat Jürgen Wolfarth vom Bau der „Neuen Mainbrücke“. Sein Großvater hat sie gemacht, wahrscheinlich mit der Plattenkamera aus der Zeit um 1900, die sich heute noch im Besitz des Kitzingers befindet. Stück für Stück sieht man auf diesen Fotos die Brücke wachsen. Die aufgeschütteten Auffahrtsbereiche, das viele Holz, das für den Bau verwendet wurde, die Konstruktionen, auf denen die Männer arbeiteten. Man sieht Gleise mit Wagen, in denen sie die Materialien an Ort und Stelle brachten und wie zunächst die kleinen Bögen an den Uferbereichen entstanden und schließlich der große Bogen über den Main geschlagen wurde. Die Stein- und Betonarbeiten lassen sich nachvollziehen und das Anbringen der Natursteine der Außenmauern. Mal liegt Schnee, mal arbeiten die Männer mit freiem Oberkörper. Im Jahr der Fertigstellung, 1938, ruhte die Arbeit nicht mal in der Nacht – auch wenn es davon keine Fotos gibt.

320 Meter lang

Die Eckdaten über die Brücke kennt Stadtarchivarin Doris Badel. 320 Meter ist sie lang und 13,6 Meter breit, eine massive Brücke aus Beton mit einer Natursteinverkleidung. Geplant hat sie Oberregierungsrat Berndt im bayerischen Staatsministerium des Innern, so Doris Badel. Sieben Pfeiler gibt es insgesamt, wobei der Hauptbogen den Main frei überquert – 70 Meter beträgt die Spannweite, der Scheitel des Bogens liegt 11,5 Meter über dem Mainpegel. Der Kostenvoranschlag für den Brückenbau lag bei 2,2 Millionen Reichsmark, wovon die Stadt nur 100 000 Reichsmark tragen musste. Den größten Teil der Kosten übernahm der Staat. 17 Firmen hatten sich für den Bau beworben. Den Zuschlag bekam die Arbeitsgemeinschaft Philipp Holzmann A.G. aus Frankfurt und Bernhard Rudolph, Bauunternehmer in Kitzingen.

Jürgen Wolfarths Fotos zeigen auch, wie sich das Stadtbild seit dem Bau verändert hat. Das Etwashäuser Mainufer war damals fast frei von jeder Bebauung, auf der Stadtseite dagegen sind Gebäude zu sehen, die längst abgerissen wurden. Der Turm der Pfirschinger Mineralwerke direkt neben der Brücke zum Beispiel, oder die Mainländebahn, die lange bis kurz vor die Alte Mainbrücke reichte.

Offiziell für die Besichtigung freigegeben wurde die Brücke am 12. Oktober 1938. Kostenlos war das nicht: Fünf Reichpfennige Brückenzoll musste jede Person zahlen, die dabei sein wollte. Wenig später aber durfte die Brücke dann tatsächlich auch genutzt werden. So wie es bis heute tagtäglich tausende von Verkehrsteilnehmer tun.

 

 

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