SEINSHEIM

Ein Prosit auf Gott und das Bier

Franziskanerbruder Tobias Matheis bietet ganz besondere Kurse an und sagt: "Für mich ist das gemeinsame Brauen auch eine Form von Kirche."
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Die Kursteilnehmer sollen Geschmack am Bier und an Gott finden. Das wünschen sich Frank Engelhardt und Bruder Tobias Matheis. Foto: Foto: Ralf Dieter

Der Treffpunkt ist gut gewählt. Freitagnachmittag, 16 Uhr. Bruder Tobias Matheis kommt pünktlich und grinst. „Kein Bier vor Vier“, meint er und wir stoßen an. Ein Gespräch über Gerstensaft und Gottesglauben.

Seit zwei Jahren bieten Sie unter der Überschrift „Bier und Spiritualität“ verschiedene Tage der Begegnung an. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Bruder Tobias: Zu meiner feierlichen Profess habe ich von meinen Mitbrüdern einen Braukurs geschenkt bekommen. Seither braue ich mit Leidenschaft, habe mittlerweile einen kleinen Braukeller im Kloster Schwarzenberg eingerichtet. Meine Erfahrung ist, dass sich die Menschen in einer gemütlichen Runde viel eher öffnen und ins Diskutieren kommen.

Frank Engelhardt (Betreiber der Seinsheimer Brauerei und Kooperationspartner von Bruder Tobias): Die Kombination aus Wandern mit spirituellen Impulsen oder Bierbrauen und Philosophieren spricht die Menschen an. Viele Kursteilnehmer erzählen uns, dass sie wenig mit der Kirche anfangen können. Aber sie bezeichnen sich trotzdem als sehr spirituell.

Bruder Tobias: Unser Ziel ist es, dass die Menschen wieder Geschmack an Gott finden. Und Gott ist bekanntlich überall. Wenn wir bewusst genießen, dann ist das ganz im Sinne Gottes. Ich darf mich im Alltag freuen. Ich soll es sogar.

Frank Engelhardt: Damit das nicht falsch rüberkommt. Wir veranstalten hier kein Saufseminar. Bruder Tobias wandert mit den Teilnehmern vom Kloster Schwarzenberg bis nach Seinsheim. Das sind 25 Kilometer. Unterwegs werden immer wieder Pausen für spirituelle Impulse eingelegt.

Bruder Tobias: Ich stelle dann beispielsweise Fragen zu einem typischen Bierthema, das sich aufs Leben übertragen lässt. Nehmen wir den Hopfen: Was macht mein Leben bitter? Wie schmeckt mein Leben? Was gibt meinem Leben Aroma?

Frank Engelhardt: Ich freue mich über die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer und habe so das Gefühl, dass unsere Angebote nachwirken. Das Faszinierende am Bier ist, dass es Menschen irgendwie zusammenführt und sie sich in einer zwanglosen Atmosphäre über „Gott und die Welt“ austauschen.

Ein Kurs findet in der Brauerei statt. Der richtige Ort, um Gott zu begegnen?

Bruder Tobias: Für mich ist das gemeinsame Brauen auch eine Form von Kirche. Wir kommunizieren, tauschen uns aus, kommen ins Philosophieren. Das ist allemal besser, als daheim zu hocken und zu vereinsamen.

Mal provokant gefragt: Sind Sie nur beim Bier selig, Herr Engelhardt?

Frank Engelhardt (lacht): Nein, überhaupt nicht. Ich bin „gut katholisch“ aufgewachsen, habe in Jugendverbänden mitgearbeitet, Musik in Gottesdiensten gespielt. Mit der Zeit habe ich mich von der Kirche entfernt, bin durch Bruder Tobias wieder angestupst worden. Er lebt etwas vor, was ich als sehr geerdet und befreiend empfinde.

Sie investieren viel Zeit in die Kurse. Warum?

Frank Engelhardt: Weil mir die Begegnungen selbst etwas bringen. Die Gesprächsthemen sind nicht gesteuert. Wir tauschen uns über Lebenskonzepte aus, sind nah dran an den Lebensthemen, an der Frage, was im Leben wichtig ist.

Das ginge doch auch ohne Bier.

Frank Engelhardt: Schon, aber das Bier ist der Kitt, der die Leute zusammenbringt.

Und gemeinsam wird dann nach einem neuen Zugang zu Gott gesucht?

Bruder Tobias: So neu ist der Zugang ja nicht, Bier begleitet die Kirche seit Jahrtausenden. Aber klar: Die Menschen sind wieder auf der Suche nach dem Glauben. Sie wollen in Kontakt mit ihrer spirituellen Seite treten und finden in der Amtskirche keine Antworten.

Warum nicht?

Bruder Tobias: Die Enge und Strenge dort ist für viele Menschen nicht mehr zeitgemäß. Es heißt nicht umsonst, dass Gott dich am Ende deines Weges fragen wird, ob du dich gefreut hast an den kleinen Dingen, dem Alltäglichen. Und das kann auch ein Glas Bier sein.

Oder ein Glas Wein.

Bruder Tobias: Klar, Jesus hat auch Wein getrunken und auf einer Hochzeit 600 Liter Wasser in Wein verwandelt. Aber für unsere Zwecke ist Bier geeigneter. Wein macht die Menschen beschwingt, Bier erdet sie und gibt Kraft. Für unsere Gespräche ist das besser.

Kursangebote des Klosters Schwarzenberg im Rahmen von „Bier und Spiritualität“:

10. bis 12. Mai: Bibel, Bier, Begegnung. Ein himmlischer Dreiklang. Geführte Wanderung im südlichen Steigerwald mit spirituellen Impulsen und einer Brotzeit in der kleinsten Brauerei Unterfrankens.

Samstag. 7. September: Tageswanderung mit Informationen zu Klosterbier und Kellerbier.

8. bis 10. November: Braukurs in Seinsheim mit spirituellen Impulsen und Gedanken, einschließlich Andacht an einem besonderen Ort.

Anmeldung unter: Bildungshaus Kloster Schwarzenberg, Klosterdorf 1, 91443 Scheinfeld, Tel. 09162/928890, Email: info@kloster-schwarzenberg.de, Internet: www.kloster-schwarzenberg.de

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