IPHOFEN/LANDKREIS KT

Ein Prosit auf den Preisträger

Staatsehrenpreisträger Johannes Barth erhält Besuch von der Deutschen Weinkönigin.
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Hoch die Gläser auf den Frankenwein: Gastgeber Johannes Barth prostet seinen illustren Gästen zu: Laura Lahm (Deutsche Weinprinzessin), Silena Werner (Fränkische Weinkönigin) und Katharina Staab (Deutsche Weinkönigin). Großmutter Maria Barth und Hans Ruck, Weinbauvorsitzender in Iphofen, nehmen auch einen Schluck vom hauseigenen blanc de noir. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Katharina Staab ist begeistert von Franken. Die Deutsche Weinkönigin aus dem Weinbaugebiet Nahe (Rheinland-Pfalz), die mit ihren Weinprinzessinnen Charlotte Freiberger (Hessische Bergstraße) und Laura Lahm (Rheinhessen) zwei Tage lang das Anbaugebiet bereiste, zeigte sich besonders von der Verknüpfung der Themen Weinbau und Tourismus beeindruckt. (Siehe Interview auf Seite 12) Die Entourage stoppte gestern Vormittag in Iphofen bei Familie Barth – dem mit Abstand kleinsten Betrieb auf ihrer Besichtigungsreise.

2,6 Hektar bewirtschaften Johannes und Sabine Barth. Im Nebenerwerb. Drei Tage die Woche arbeitet der 54-jährige Winzermeister für das Juliusspital. Die anderen vier Tage ist er für das eigene Weingut im Einsatz. Vier Tage ist keinesfalls übertrieben. Selbst Samstag und Sonntag sind bei den Barths keine freien Tage. Zu tun gibt es immer etwas. Wie schön, dass sich der Einsatz über all die Jahre ausgezeichnet hat.

Einmal im Jahr vergibt der Landwirtschaftsminister den Bayerischen Staatsehrenpreis. In vier Betriebsgrößen werden die besten Weingüter des Freistaates mit einer Urkunde ausgezeichnet. In diesem Jahr ging der Preis bei den Weinbaubetrieben bis fünf Hektar Betriebsgröße nach Iphofen. „Natürlich war das der absolute Höhepunkt unseres bisherigen Schaffens“, sagt Johannes Barth und die Freude ist ihm anzusehen.

1992 hat er den elterlichen Betrieb übernommen. Mit der Landwirtschaft und den Weinbergen hatten die Eltern die sechsköpfige Familie ernährt. Die drei Geschwister zeigten jedoch kein Interesse an einer Übernahme, der Jüngste sollte es richten. Kein Problem. „Draußen arbeiten, in und mit der Natur. Das war und ist genau mein Ding“, erzählt er. Die Landwirtschaft hat er verpachtet, die damals 1,8 Hektar Weinbaufläche acht Jahre später auf 2,6 Hektar ausgebaut. Als gelernter Winzer, Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft und später noch als Winzermeister verfügt er über eine „sehr solide Ausbildung“. An innovativen Ideen sollte es auch nicht mangeln.

Müller-Thurgau, Silvaner, Bacchus: Auf den Barth-Weinbergen wurden die typisch fränkischen Rebsorten angebaut. Bis Johannes Barth im Jahr 2000 die zusätzlichen Pachtflächen erwarb und etwas Neues ausprobierte. Bei seinem eineinhalbjährigen Praktikum in Ortenau im Anbaugebiet Baden hatte er die Vorzüge des Spätburgunders kennengelernt. Seine Skepsis gegenüber Rotweinanbau im Frankenland hatte er deswegen aber nicht abgelegt. Zu viele Gerbstoffe, zu wenig traubentypischer Geschmack. Ein Dilemma? Nicht für Johannes Barth.

„Ich habe Spätburgunder angebaut, um ihn als Weißherbst auszubauen“, erzählt er. Will heißen: Die roten Trauben werden wie ein Weißwein gelesen und ausgebaut. Ein paar Jahre später setzte er noch einen drauf: Aus den Spätburgunder-Trauben machte er außerdem einen „blanc de noir“ – frei übersetzt: einen Weißwein aus roten Trauben. Die Kunst dabei: Barth lässt die Beeren nach der Ernte lediglich abtropfen. Die Farbe bleibt in der Schale, der helle Saft tropft heraus. Den Rest des Lesegutes presst er und produziert damit Weißherbst. „Aus einer Traube stellen wir sozusagen zwei Weine her“, sagt Sabine Barth und lacht. Die Qualität steht dabei immer an oberster Stelle – wie nicht zuletzt der Bayerische Staatsehrenpreis beweist.

Die Ertragsrebfläche, die erzeugte Menge, die Erfolge bei Prämierungen: Diese drei Komponenten werden in Relation zueinander gebracht. Sie bilden die Grundlage für die jeweiligen Siegerbetriebe. Johannes Barth legt Wert auf gesundes und reifes Lesegut. Dafür setzt er beispielsweise auf einen sanften Rebschnitt.„Der ist zwar zeitaufwändiger, dafür bleiben die Stöcke länger vital“, ist er überzeugt. Fruchtig und frisch sollen seine Weine schmecken – Rebsortentypisch. „Der Geschmack der Traube soll sich im Glas wiederfinden“, formuliert er seine Zielsetzung.

Fast alle Trauben werden von Hand gelesen – die ganze Familie hilft mit, selbst seine 83-jährige Mutter Maria ist bei der Lese noch fleißig mit dabei. Die Kunden wissen den Einsatz und die Philosophie zu schätzen. Aus dem Großraum Nürnberg kommen die meisten, auch in München oder Hamburg hat er treue Käufer. „Aktiv vermarkten müssen wir eigentlich gar nicht“, sagt Sabine Barth. Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert.

Dank des Staatsehrenpreises dürften die Anfragen in den nächsten Wochen und Monaten weiter zunehmen, der Besuch der Deutschen Weinkönigin wird den Bekanntheitsgrad zusätzlich steigern. „Klein, aber sehr fein“, meinte Katharina Staab und machte sich auf zum letzten Stopp ihrer Reise – dem Juliusspital in Würzburg, Arbeitgeber von Johannes Barth.

Reisestationen: Katharina Staab und ihre Weinprinzessinnen haben bei ihrem Besuch in Franken alle vier Siegebetriebe des diesjährigen Staatsehrenpreis-Wettbewerbs besucht: Weingut Clemens Fröhlich in Escherndorf, Weingut Horst Sauer in Escherndorf, Weingut Barth in Iphofen und das Juliusspital in Würzburg.

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