KITZINGEN

Ein paar Stunden zum Durchschnaufen

Das Café Zeitlos schenkt Angehörigen von Menschen, die gepflegt werden müssen, etwas sehr Wertvolles.
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Jung und Alt basteln gemeinsam im Café Zeitlos in der Kitzinger Siedlung. Zusammen mit der Stadtjugendpflege „jungStil“ haben die Senioren beispielsweise Pinguine und Insekten ausgeschnitten, um ein Zeichen für Naturschutzprojekte zu setzen. Foto: Brigitte Schulze
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Der Tisch ist liebevoll gedeckt, rund ein Dutzend Senioren sitzen an der Tafel und unterhalten sich. Helfer bringen Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Weihnachtsfeier im Café Zeitlos. Brigitte Schulze blickt zufrieden um sich. Alle Senioren sind gut versorgt. Der Leiterin des Cafés ist das ganz wichtig. Schulze hat als Altenpflegerin gearbeitet und war viele Jahre ehrenamtlich im Haus St. Elisabeth tätig. Als sie in Rente ging, wollte sie was Gutes tun. Die Idee vom Café Zeitlos kam ihre gerade Recht.

Pflegende Angehörige können ihre Eltern beziehungsweise Ehepartner einmal in der Woche im Stadtteilzentrum in der Kitzinger Siedlung abgeben. Brigitte Schulze und ihre Helferinnen Margarethe Roth, Renate Seubert, Michaela Woy-Fabian und Petra Grönert nehmen die Senioren entgegen – und beschäftigen sich drei Stunden mit ihnen. „Die Angehörigen sollen wenigstens mal für ein paar Stunden durchschnaufen können“, nennt Schulze das Ziel. Die meisten haben das bitter nötig.

Etwa die Hälfte der Betroffenen ist an Demenz erkrankt, die anderen sind körperlich eingeschränkt. Alle haben sie einen Pflegegrad, alle wohnen sie noch zu Hause und werden von ihren Partnern oder Kindern betreut.

„Die Angehörigen sollen wenigstens mal für ein paar Stunden durchschnaufen können.“
Brigitte Schulze, Leiterin Café Zeitlos

Im Café Zeitlos können die Angehörigen ihre Verpflichtungen für ein paar Stunden ruhen lassen. Hier kümmern sich die Ehrenamtlichen um die Betroffenen. „Wir basteln und malen zusammen, wir hören Musik und machen auch mal Ausflüge zusammen“, erklärt Schulze. Einmal im Jahr steht eine Schifffahrt an. Dann geht es von Volkach aus auf den Main. Ansonsten geht es um den Austausch und die Beschäftigung. Gedächtnistraining steht auf dem Programm, die Teilnehmer spielen Bingo. Den Kuchen steuern die Ehrenamtlichen bei. „Ich mache das furchtbar gerne“, sagt Brigitte Schulze, die jeden Donnerstag von Giebelstadt nach Kitzingen fährt, um ihrem Ehrenamt nachzugehen.

Das Stadtteilzentrum hat sich als Ort für das Café Zeitlos bewährt. Nicht nur wegen der gemütlichen und funktionalen Räumlichkeiten. Im Erdgeschoss befindet sich „jungStil“, die Jugendarbeit der Stadt Kitzingen. Die Synergieeffekte werden genutzt. „Unsere Senioren haben mit der Kindergruppe schon gemeinsam Pinguine gebastelt oder Leuchtbilder hergestellt“, erzählt Schulze. Das Schöne an der Zusammenarbeit: Die Kinder gehen ohne Vorbehalte auf die Senioren zu. Und die genießen den Kontakt mit der jüngeren Generation.

Das Café Zeitlos in Kitzingen soll auf jeden Fall weiterbetrieben werden. Dafür sorgen schon Brigitte Schulze und ihr Team. Ähnliche Angebote gibt es in Schwarzach und in Volkach. Dennoch kommen auch Gäste von außerhalb der Stadtgrenzen. „Wir haben schon jetzt Besucher aus Seinsheim oder Mainstockheim“, berichtet Schulze und betont, dass es sich um ein offenes Angebot handelt: Wer vorbeikommen und seine pflegebedürftigen Angehörigen für ein paar Stunden in gute Hände abgeben will, der kann das tun. Ohne Anmeldung, ohne Verpflichtung – aber mit einem guten Gefühl.

Wann und wo? Die Treffen finden jeden Donnerstag im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung von 14 bis 17 Uhr statt.

Kontakt: Caritasverband im Landkreis Kitzingen. Tel.: 09321/267297-10. Mo. & Do. von 10 bis 12 Uhr.

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