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DETTELBACH

Ein Blick hinter die Kulissen

Im Wahlfach Verbraucherschutz schulen die Dettelbacher Realschüler ihre Alltagskompetenzen – und organisieren einen großen Test.
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Bei der Vorbereitung auf den großen Eistee-Test konnten sich die Schüler Informationen bei Nathan Schliermann vom örtlichen Edeka-Markt holen.Fotos: Roman Kruse Foto: Roman Kruse
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Schule ist viel mehr als Jahreszahlen auswendig lernen, Formeln und Vokabeln zu büffeln. An der Realschule in Dettelbach gibt es seit vier Jahren ein Wahlfach „Verbraucherschutz.“ Roman Kruse leitet es und freut sich über die Einrichtung: „Alltagskompetenzen werden bei uns schon lange als Bildungsziel besonders gefördert.“

Schüler von der 7. bis zur 10. Klasse nehmen freiwillig an dem Wahlfach teil. In diesem Jahr sind es elf Jungen und Mädchen, die sich kritisch mit ganz unterschiedlichen Themen auseinandersetzen: Welche Fallstricke gibt es beim bargeldlosen Bezahlen? Wie schaut eine gesunde Ernährung aus? „Wir wollen unsere Schüler auf das Leben außerhalb der Schule bestmöglich vorbereiten“, erklärt Roman Kruse. Verschiedene Kooperationspartner helfen dabei. Vertreter des Verbraucherservices Bayern halten Vorträge für alle Schüler. Beispielsweise zur Frage, ab wann man in die Altersvorsorge investieren sollte – und wie. Exkursionen finden beispielsweise zu Geldinstituten in der Region oder Medienhäusern statt. Im letzten Jahr machten die Schüler eine Führung im Fast-Food-Restaurant mit. „Wir wollen hinter die Kulissen blicken“, erklärt Kruse die Motivation.

Sensorischer Test

In diesem Sinne findet alljährlich auch ein großer Verbrauchertest in der Schule statt. Im Zuge des Wettbewerbs „Jugend testet“ der Stiftung Warentest widmen sich die Schülerinnen und Schüler des Wahlfachs Verbraucherschutz unterschiedlichen Produkten. Wurde im letzten Schuljahr Milchschokolade unter die Lupe genommen, waren es in diesem Jahr verschiedene Eistees. Wie viel Zucker ist in den verschiedenen Sorten enthalten? Gibt es Bio-Eistee und wie schaut es mit dem Fairtrade-Gedanken aus? Ein Bestandteil der Untersuchung – sicherlich der spektakulärste – war der sensorische Test, an dem 230 Schülerinnen und Schüler der Realschule teilnahmen – mehr als die Hälfte. „So eine Veranstaltung ist natürlich mit jeder Menge Arbeit für das Team verbunden“, betont Roman Kruse.

Im Vorfeld des Tests hatten die Schüler des Wahlfaches Kontakt zum nahe gelegenen EDEKA-Markt in Dettelbach aufgenommen. Dessen Leiter, Nathan Schliermann, gab den Schülern bereitwillig Auskunft über die beliebtesten Sorten und die Absatzmengen. Auf Grundlage dieser Informationen und eines Vortests wählten die Schüler die fünf Prüfobjekte aus. Anschließend setzten sie verschiedene Kriterien für den sensorischen Test fest und konzipierten aussagekräftige Fragebögen.

Erst Geruch, dann Geschmack

Am „großen Tag“ selbst wurde der Kunstraum der Schule zum Testraum umgebaut. Die Schüler füllten den Eistee in neutrale Karaffen um, breiteten Tischdecken aus und stellten Mehrweg-Becher auf. Und dann konnte es losgehen!

Nach einer kurzen Einweisung durch die „Verbraucherschützer“ wie getestet werden soll – erst Geruch, dann Geschmack –, nahmen die mehr als 230 Schülerinnen und Schüler an der Blindverkostung teil. Am nächsten Schultag gab es dann die Auflösung, welche Marke sich hinter dem jeweiligen Testobjekt verborgen hatte. „Zusammen mit vielen anderen Kriterien fließen die Ergebnisse des sensorischen Tests in den fertigen Wettbewerbsbeitrag mit ein“, erklärt Roman Kruse.

You-tube-Video gedreht

Bis Mitte Februar müssen die Dettelbacher ihren Beitrag bei „Jugend testet“ abgeliefert haben. Der umfasst nicht nur eine schriftliche Auswertung, sondern auch ein rund fünfminütiges you-tube-Video, das die Schüler selbst gedreht haben. Die Jury der Stiftung Warentest wird die Einsendungen aus ganz Deutschland bis Anfang Juni bewertet haben. Die besten Schulen werden zur Abschlussveranstaltung und Präsentation nach Berlin eingeladen. „Im letzten Jahr waren wir unter den Top 50“, freut sich Kruse.

Egal, auf welchem Platz die Dettelbacher in diesem Jahr landen werden. Die Partnerschule Verbraucherschutz hat sich nach seiner Überzeugung auf jeden Fall bewährt. „Ab dem kommenden Schuljahr will das Kultusministerium die Alltagskompetenz der Schüler durch verpflichtende Projektwochen stärken“, erinnert Kruse. In Dettelbach – und an anderen Schulen im Landkreis – ist diese Alltagskompetenz dank des Wahlfaches Verbraucherschutz schon seit Jahren gestärkt worden - völlig freiwillig.

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