KITZINGEN

Drei Reliefs von Klaus Rother sind gerettet

Landratsamt, Stadt und Stadtheimatpfleger finden eine Lösung für die Kunstwerke an der ehemaligen Realschule.
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Genau hingeschaut: Stadtheimatpfleger Dr. Harald Knobling gibt den Facharbeitern vor Ort Tipps, wie die Reliefwangen von Klaus Rother am besten bearbeitet werden. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Die Hälfte der Sommerferien ist längst vorbei. Und Kunstlehrer Dr. Harald Knobling verbringt einen Großteil seiner Freizeit immer noch am AKG. Der Grund: In seiner ehrenamtlichen Funktion als Stadtheimatpfleger hat er noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen.

Vor vier Wochen haben Dr. Knobling und Professor Klaus Arnold einen Aufruf gestartet. Der einstige Übergang zwischen AKG-Pausenhof und der alten Realschule sollte erhalten bleiben – zumindest in Fragmenten. Die Reliefs der Brücke hatte Anfang der 70er Jahre der bedeutende Kitzinger Künstler Klaus Rother geschaffen. Beim Abriss des Gebäudes wären die Kunstwerke beinahe als Teil der Trümmermasse entsorgt worden. Knobling hat sich an Stadt und Landratsamt gewandt – und schwärmt Wochen später von den offenen Ohren und der Zusammenarbeit.

Ein Lob, das Kreisbaumeister Joachim Gattenlöhner gerne hört. Er hat sich mit den ausführenden Firmen in Verbindung gesetzt und vor Ort recherchiert, wie zumindest Teile der Reliefwangen erhalten werden können, ohne dass der Aufwand zu groß und die Kosten zu hoch werden. Schnell war klar, dass Knoblings ursprüngliches Ziel unrealistisch war. Der Stadtheimatpfleger hatte sich vorgestellt, einen Teil des Treppenaufgangs mitsamt Relief an Ort und Stelle zu erhalten. „Das wäre schon aus statischen Gründen nicht gegangen“, erklärt Gattenlöhner. Der Kompromiss: Drei großflächige Reliefs, die bis vor kurzem die Außenseite der Treppe geschmückt haben, sind von den Facharbeitern nach den Wünschen Knoblings vorsichtig zerlegt und „portioniert“ worden. „Die Gestaltungsidee Rothers sollte erhalten bleiben“, erklärt er. „Die einzelnen Motive sollen ja auch von späteren Betrachtern verstanden werden.“

Wohin die drei Fragmente nach ihrer fachgerechten Bearbeitung kommen? Harald Knobling hat die Antwort längst parat. Ein Fragment soll nach seinen Wünschen an Ort und Stelle errichtet werden. „Als Reminiszenz an den Künstler und sein Werk.“ Die beiden anderen erhaltenen Fragmente – jeweils mehr als zwei Tonnen schwer – sollen nach seinem Dafürhalten an anderen prägnanten Stellen in der Stadt aufgestellt werden. Knobling kann sich beispielsweise als einen Standort das ehemalige Gartenschaugelände auf Etwashäuser Mainseite vorstellen. Eventuell wird bei anderen Schulsanierungen im Stadtgebiet ein passender Raum für das dritte Objekt gefunden. Vorerst werden diese zwei Fragmente jedoch im Bauhof der Stadt Kitzingen eingelagert.

Für Harald Knobling kann der erholsame Teil des Urlaubs damit endlich auch beginnen. Die Arbeiter vor Ort werden bis Schulstart weiter beschäftigt sein. „Der Keller der alten Realschule ist noch da und muss verfüllt werden“, erklärt Kreisbaumeister Gattenlöhner. Der Schutt muss weggeräumt und der Fußweg zu den beruflichen Oberschulen freigeräumt werden. Zunächst wird die Fläche geschottert und soll in ein paar Jahren als Quartier für Schulcontainer dienen, die mit der Generalsanierung der Beruflichen Oberschule als Ausweichquartiere benötigt werden.

Wie das Gelände später einmal genutzt wird, steht derzeit noch in den Sternen. Für Gattenlöhner ist der jetzt entstandene Platzcharakter durchaus attraktiv. Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten fällt der Blick nicht auf aufragenden Beton, sondern auf Bäume und eine größere Fläche.

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