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„Die Wahrnehmung verändert sich“

Mainfränkische Unternehmen reagieren auf den Coronavirus – und in Apotheken fragen immer mehr Kunden nach einem Mundschutz. Große Sorgen sind aber nicht angebracht.
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THAILAND-CHINA-HEALTH-VIRUS
Gefragte Ware: Mundschutz-Artikel werden weltweit nachgefragt, mittlerweile auch in Apotheken im Landkreis Kitzingen. In dieser Firma in Bangkok werden rund zehn Millionen Masken pro Monat hergestellt. Tendenz steigend. Foto: Foto: Jonathan Klein/AFP

Die Zahl der Erkrankten steigt an, mittlerweile ist das Coronavirus in rund 20 Ländern nachgewiesen. Panik ist hierzulande dennoch unangebracht. Die Behörden und Kliniken sind auf mögliche Fälle vorbereitet.

Das Coronavirus beherrscht in diesen Tagen die Schlagzeilen. Mehr als 7700 Menschen sind in China mittlerweile infiziert. Die Zahl der Todesfälle stieg auf 170. Besonders betroffen: die Region Hubei mit der Metropole Wuhan. Etliche Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen nach China unterbrochen, in Italien wurden 7000 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes nicht an Land gelassen. Der Grund: Verdacht auf den Erreger an Bord.

In Deutschland gibt es bis dato vier bestätigte Fälle, allesamt in Bayern. Betroffen sind Beschäftigte des Autozulieferers Webasto, der in der chinesischen Region Hubei eine Produktionsstätte hat. Die deutsche Zentrale in Stockdorf ist aus Vorsichtsmaßnahmen bis Sonntag geschlossen worden.

Und in Mainfranken? Seit 2016 ist China einer der drei wichtigsten Handelspartner für mainfränkische Unternehmen. Beinahe alle größeren mittelständischen Unternehmen aus der Region hätten enge geschäftliche Beziehungen mit China oder würden vor Ort produzieren, berichtet Dominik Klein vom Referat International der IHK. Der Pressesprecher der IHK Mainfranken, Radu Ferendino, kann beruhigen: „Wir haben bislang noch keine Kenntnis, dass Mitarbeiter aus Mainfranken betroffen sein könnten.“

Dominik Klein hat seine Meinung bezüglich der Ausbreitung des Virus im Laufe dieser Woche geändert. Anfang der Woche habe es überhaupt keine Fragen oder Meldungen seitens der hiesigen Unternehmen gegeben. Mittlerweile hat ein mainfränkischer Maschinenbauer einen kompletten Reisestopp für seine Mitarbeiter nach China verhängt und ein anderes Unternehmen hat eine geplante Konferenz in Mainfranken kurzfristig abgesagt. Ein Referent sollte aus China anreisen. „Die Wahrnehmung verändert sich“, stellt Klein fest. „Es entsteht eine gewisse Unsicherheit.“

Die Firma Knauf will jegliche Unsicherheit in der Belegschaft zerstreuen. Vor zwei Tagen hat sie die Mitarbeiter aufgefordert sicherzustellen, dass bis auf Weiteres keine Reisen in die Region Wuhan unternommen werden. Ein Problem sollte das nicht sein, liegen die Produktionsstätten von Knauf doch in ganz anderen Regionen des Landes. „Generell sollten Reisen nach China nur dann stattfinden, wenn sie unbedingt nötig sind“, betont Unternehmenssprecher Jörg Schanow, der eine gewisse Unsicherheit bei den Mitarbeitern nicht leugnen kann. Einige Kollegen, die in Asien eingesetzt sind, wollen in diesen Zeiten am liebsten gar nicht reisen.

„Wir haben zum Schutz unserer Belegschaft eine konzernweite Reisebeschränkung in Kraft gesetzt“, berichtet Sven Schmidt, Pressesprecher von Leoni, auf Nachfrage. Alle Mitarbeiter sollen Dienstreisen von und nach China unterlassen.

Das Robert Koch Institut warnt derweil, dass mit einem weiteren Import einzelner Fälle nach Deutschland gerechnet werden muss. Auch einzelne Übertragungen in Deutschland seien möglich. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland bleibe aber weiterhin gering. Eine Einschätzung, die sich allerdings kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern könne, wie das Institut einschränkt.

Das Gesundheitsamt in Kitzingen sieht sich derzeit als Multiplikator, leitet die neuesten Informationen des Robert-Koch-Institutes an die Ärzte, Kinderärzte und die Klinik Kitzinger Land weiter. Dort ist Florian Neumann Hygienebeauftragter. Auf die mögliche Aufnahme von Patienten mit einem Coronavirus sei die Klinik bestens vorbereitet. Die Vorgehensweise sei besprochen und erprobt. Aufgrund der aktuellen Gefährdung habe er die Kolleginnen in der zentralen Aufnahme noch einmal gebeten, Patienten gezielt zu fragen, ob sie in der jüngsten Vergangenheit in China waren oder Kontakt mit chinesischen Bürgern hatten.

Neumann rät Menschen, die den Verdacht haben, sich angesteckt zu haben, dringend davon ab, sofort in die Klinik oder zum Hausarzt zu fahren. „Das Virus ist hoch ansteckend.“ Besser sei es, erst einmal beim Hausarzt anzurufen, um die Symptome zu beschreiben.

Eine gewisse Unsicherheit macht auch Bernward Unger, Sprecher der Apotheker im Kreis Kitzingen, bei den Kunden aus. Bereits am Dienstag sei eine Frau gekommen, die nach einem Mundschutz gefragt hat. Weitere Anfragen folgten. Als Schutz für die eigene Gesundheit mache ein Mundschutz wenig Sinn, betont der Dettelbacher Apotheker. Er könne allenfalls helfen, Mitbürger nicht anzustecken.

Wie Florian Neumann und die Experten vom Robert Koch-Institut betont auch Bernward Unger, dass die Influenza in Deutschland derzeit das drängendere Thema sei. „Rund 25.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland an der Grippe“, sagt Unger. „Das scheint niemanden wirklich zu interessieren.“

Die Ausbreitung des Coronvirus sollte man mit dem nötigen Ernst beobachten – aber auch mit einer gewissen Gelassenheit. Ob Influenza oder Coronavirus: jeder Mensch könne einer Ausbreitung dieser Krankheiten vorbeugen. Bernward Unger rät zu einer „vernünftigen Desinfektion der Hände“.

Hotline: Unter der Telefonnummer 09131/6808-5101 haben die Behörden in Bayern eine Info-Hotline für Bürger freigeschaltet.

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