RÜDENHAUSEN

Die Rolle seines Lebens

Udo Eder spielt gerne den Nikolaus – und die meisten Kinder freuen sich, wenn er kommt.
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Die Kinder haben zwar auch großen Respekt vor dem Nikolaus, aber die Freude überwiegt eindeutig. Sie haben sogar für ihn gebastelt. Fotos: Julia Volkamer Foto: Julia Volkamer
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Diese Rolle ist ihm auf den Leib geschrieben. Udo Eder sieht auch ohne das leuchtend rote Kostüm schon aus wie der Nikolaus. Gütige Augen hinter einer Brille, die tief auf der kräftigen Nase sitzt. Ein bisschen Bauch hat er auch, und genug Kraft, um Säcke voller Geschenke zu den Kindern zu bringen. Gut, die weißen Haare und der Bart fehlen ihm im echten Leben. Beide gehören natürlich zu seinem Outfit dazu. Und wenn er dann sein Glöckchen läuten lässt und kräftig an die Tür klopft, besteht kein Zweifel: Hier steht ein echter Nikolaus vor der Tür.

2007 schlüpfte er zum ersten Mal in das Kostüm. „Ein Bekannter hatte das seit vielen Jahren gemacht. Als er verstarb, übernahm ich kurzfristig seine Rolle. Und blieb dabei.“ Viele Kinder hat er seitdem beschenkt, und immer ganz unterschiedliche Reaktionen erlebt. „Ein Junge, noch gar nicht so alt, vielleicht fünf Jahre, hat mir mal damit gedroht, mich zu treten“, erzählt Udo Eder und grinst dabei. „Ich hatte ihn geschimpft, hatte aus dem Goldenen Buch vorgelesen, dass er nicht wirklich ein braver Junge gewesen sei und ich deswegen auch kein Geschenk für ihn im Sack dabei hätte.“ Daraufhin sei der Kleine ausgeflippt und meinte: „Dann trete ich dem Nikolaus halt ans Schienbein.“

Das sei dem 68-Jährigen in den letzten Jahren schon aufgefallen: Dass die Kinder nicht mehr den Respekt haben wie früher. „Nicht alle“, schränkt er gleich ein. Denn es kam auch schon vor, dass ein Kind, das er beschenkt hat, auch für ihn ein kleines Geschenk gebastelt hatte. Ein Mädchen vergoss sogar Tränen, weil er doch glatt seinen Papiernikolaus liegen gelassen hatte. Erst als die Mutter versprach, dass sie ihm das Geschenk noch schicken werde, ließ sich die Kleine trösten.

Das sind die Geschichten, die den gelernten Industrieanlagenmechaniker weitermachen lassen. Glänzende Kinderaugen, ein Gedicht, das mit großer Aufregung aufgesagt oder ein Lied, das mit zitternder Stimme vorgesungen wird. Und natürlich die Freude, die den meisten Kindern ins Gesicht geschrieben steht.

Wobei Udo Eder auch schon festgestellt hat, dass es mit Kleinigkeiten im Sack heute nicht mehr getan ist. „Früher gab es kleine Tütchen mit Nüssen, Mandarinen und ein bisschen Schokolade. Damit holt man heute kein Kind mehr hinterm Ofen vor.“ Ein kleiner Gastgeber erklärte ihm einmal, dass es ihm ganz egal sei, was er jetzt aus dem Sack hole, weil er sich eigentlich eh nur die Playstation wünsche. Das macht den zweifachen Vater dann schon ein bisschen nachdenklich. „Man fragt sich, ob die Nikolausaktion heute überhaupt noch Sinn macht“.

Schließlich seien viele Kinder heute im Schulalter schon so aufgeklärt, dass sie ohnehin nicht mehr an den Nikolaus glaubten. „Gerade die Schulanfänger halten sich ja für die Größten.“ Sie sticheln dann die Jüngeren an, das gebe immer wieder Unruhe.

Ob da vielleicht mal einer die Rute zu spüren bekommen müsste? „Dem ein oder anderen würde es vielleicht nicht schaden“, lacht Udo Eder. „Aber das ist heute natürlich absolut nicht mehr zeitgemäß.“ Bisher habe er davon abgesehen, den aufmüpfigen Kindern anzudrohen, sie in den Sack zu stecken. Und einen Knecht Ruprecht, oder den Grampus, wie in seiner eigenen Kindheit, habe er auch noch nicht angeworben. „Wer weiß, wie die Kinder darauf reagieren würden. So manches hätte wahrscheinlich einen Schock fürs Leben.“

Udo Eder beschränkt sich als Nikolaus also darauf, den Gütigen zu spielen. Und wie lange noch? „Naja, ich werde ja irgendwann auch mal Opa werden“, sagt er in Richtung seines Sohnes, der allerdings im Moment noch studiert. Und seine Tochter lebt in Bangkok. „Wenn sich da mal was andeutet, sieht die Welt ein bisschen anders aus.“

Bis die Familie Eder Zuwachs bekommt, möchte er aber auf jeden Fall weitermachen – auch wenn der Nikolaus-Tag ganz schön stressig ist für ihn. Erst die Mitglieder des VdK beschenken, danach die bekannten Familien besuchen, am Nikolaus-Treffen von Graf Karl von Rüdenhausen-Castell teilnehmen und dann noch seine Stammtischbrüder überraschen. Das ist das Programm, das bis tief in die Nacht dauern dürfte. Aber er macht es gerne. Die Rolle ist ihm einfach auf den Leib geschrieben.

Nikolaustreffen

Jedes Jahr am 6. Dezember lädt Graf Karl zu Castell-Rüdenhausen ab 19 Uhr zum Nikolaus-Treffen in den Weinkeller am Schloss ein. Nikoläuse können sich dann beim Dämmerschoppen entspannen und sogar einen Preis für das beste Kostüm gewinnen. Willkommen sind aber auch alle anderen Gäste – denn die Nikoläuse haben sicher noch das ein oder andere Präsent im Sack übrig.

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