BUCHBRUNN/DETTELBACH

Die Macht der Fantasie

Es ist ein ganz eigenes Universum. Und Jürgen Pusch ist heilfroh, dass er ab morgen wieder darin eintauchen kann. Der Buchbrunner ist „Star-Wars-Fan“. Mit Leib und Seele.
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„Star Wars“ vereint: Familie Pusch aus Buchbrunn freut sich auf die achte Folge, die um Mitternacht Premiere hat. Birgit und Jürgen Pusch werden mit ihren Kindern Fabian und Jannik am Donnerstagnachmittag die neuesten Jedi-Abenteuer begutachten. Foto: Foto: Ralf Dieter

Es ist ein ganz eigenes Universum. Und Jürgen Pusch ist heilfroh, dass er ab morgen wieder darin eintauchen kann. Der Buchbrunner ist „Star-Wars-Fan“. Mit Leib und Seele.

„Die letzten Jedi“. Der mittlerweile achte Star-Wars-Film kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos. Millionen Fans warten weltweit gespannt auf die neueste Episode. Auf die Frage, ob endlich Frieden in der Galaxis einkehren wird – und welche Rolle Luke Skywalker dabei spielt.

Die Kinobetreiber können jubeln. Mit „Star Wars“ haben sie im Dezember regelmäßig volle Säle. Rund 35 000 Besucher sind zum Vorgängerfilm „Das Erwachen der Macht“ ins Cineworld im Mainfrankenpark geströmt. Zur Mitternachtspremiere vom heutigen Mittwoch auf Donnerstag werden rund 1500 Besucher erwartet. Sechs Säle sind geöffnet. Notfalls können weitere bespielt werden.

„Das ist doch wie im Märchen. Man sinkt da vollends drin ein.“
Jürgen Pusch Star-Wars-Fan

Wer wissen will, wo diese Begeisterung herkommt, der muss nur einmal in die Augen von Jürgen Pusch schauen – und in sein Dachgeschosszimmer. 39 Jahre alt ist der Buchbrunner. Die Faszination für den Star-Wars-Kosmos hat ihn nie verlassen. Sein Bruder Günter, 17 Jahre älter, hat die Begeisterung einst geweckt. „Es gab damals ja kein Internet, keine Foren“, erinnert Jürgen Pusch. Als Zehnjähriger hat er den „Krieg der Sterne“ auf Vhs-Kassetten gesehen. Immer und immer wieder. Mit seinen Freunden in Fröhstockheim hat er die Abenteuer nachgespielt, der Ort wurde zur Wolkenstadt auf Bespin, der Schwanberg zum Planeten Dagobah.

Die Fantasie ist es, die Jürgen Pusch begeistert, die technischen Effekte, aber auch die Handlungsstränge. Kleinigkeiten, die „normale Kinogänger“ gar nicht mitbekommen. Die für Jürgen Pusch ein Teil des faszinierenden Universums sind. „Ich gehe deshalb in jede Folge mindestens drei Mal“, erzählt er. Beim ersten Mal zieht er sein Chewbacca-Kostüm an und geht völlig in der Handlung auf. „Da bin ich richtig überwältigt“, sagt er. Jubel und Herzschmerz inbegriffen. Wer an diesem Tag neben ihm sitzt, der muss sich auf emotionale Ausbrüche einstellen. Die anderen zwei Mal nimmt er seine Neffen und Nichten mit und geht das Ganze etwas analytischer an. „Dann schaue ich mir einzelne Szenen ganz bewusst an, achte auch auf diejenigen Figuren, die eher selten auftauchen.“

In den 90er Jahren kam die erste Trilogie noch mal ins Kino. Nachgearbeitet. Für den Buchbrunner, der als Hygienefachkraft in der Rotkreuzklinik in Würzburg arbeitet, ein absolutes Aha-Erlebnis. Die kolossalen Raumschiffe, der Todesstern, die fantasievollen Gestalten auf riesiger Leinwand, unterlegt mit einem epochalen Sound. All das war – und ist – für ihn über die Maßen faszinierend. „Ich habe mir damals Laserschwerter gekauft, in Internetforen gechattet, mich mit Gleichgesinnten ausgetauscht“, erzählt er. Jürgen Pusch kaufte sich Utensilien von Film-Plakaten über Bücher bis hin zum zotteligen Chewbacca-Kostüm. Er tauchte komplett in die Welt von Obi-Wan, R2D2 und Luke Skywalker ein und richtete sich sein eigenes Star-Wars-Universum im Dachgeschoss ein.

Seine Kinder und seine Frau hat er längst mit dem Star-Wars-Virus infiziert. Birgit schaut sich auch jede neue Folge im Kino an, Jannik und Fabian dürfen mit ihrem Papa immerhin die Filme anschauen, die ab sechs Jahren freigegeben sind. „Der Yoda“, sagt Jürgen Pusch und seine Augen funkeln dabei verdächtig. „Der ist ja irgendwie auch ein erziehungstechnisches Vorbild.“ Klein und hässlich ist er zwar, der Meister-Jedi. „Aber er hat's voll drauf.“

Ein echter Fan wie Jürgen Pusch sieht in den Star-Wars-Trilogien viel mehr als Kinofilme. „Das ist doch wie im Märchen“, meint er. „Man sinkt da vollends drin ein.“ Wie bei einer klassischen Heldenreise gehe es bei „Star Wars“ zu. Wie bei König Artus oder bei den griechischen Tragödien. Auch da gehe es um Themen wie Versuchung, Verbannung, Liebe und Hass. „Ein Ultraböser wird letztendlich zum Helden“, sagt Pusch. „Geschwister werden nach der Geburt getrennt und lernen sich auf einer Odyssee kennen.“

Mythologische Anspielungen, Han Solo als klassischer Westernheld und dazu viele starke Frauen: Ein Fan wie Jürgen Pusch sieht in den Folgen viel mehr als die bloße Handlung. Mit seinen Freunden organisiert er immer wieder mal ganze Wochenenden, baut eine große Leinwand im Garten auf. 16 Stunden „Star Wars“, dazwischen grillen, fachsimpeln, schwärmen. Für den 39-Jährigen gehört das zu den schönsten Momenten im Leben.

Jetzt geht es aber erst einmal ins Kino. Folge 8. Die Erwartungen sind groß. „Mit Ryan Johnson führt wieder ein guter Geschichtenerzähler Regie“, freut sich der Buchbrunner. Entsprechend erwartet er neben spannenden Effekten auch eine stringente Handlung und so manche Überraschung. Wie auch immer „Die letzten Jedi“ ausfällt: Jürgen Pusch wird dem Star-Wars-Universum auf jeden Fall verbunden bleiben.

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