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KITZINGEN

Die Kunst lässt sie nicht los

Mal schillernde Schönheit, mal Schatten im Baum: Die Mainstockheimer Malerin Claire Huang zeigt im Stadtteilzentrum Siedlung in Kitzingen Vogel-Bilder in Acryl.
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Claire Huang neben ihrem Lieblingsbild: Ein Pfau schlägt ein Rad. Die schillernden Blau- und Grüntöne der Federn faszinieren die Malerin und so hat sie das Tier gleich mehrfach auf Leinwand gebannt. Foto: Fotos: Daniela Röllinger
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Stolz und edel sieht er aus. Zum großen Rad ausgebreitet präsentiert der Pfau die schillernde Schönheit seiner Federn. „Wie ein König“, sagt Claire Huang bewundern. Sie hat das Tier auf Leinwand gebannt, mehrfach, in verschiedenen Positionen. Drei der Bilder gehören zu den Ausstellungsobjekten, die die Mainstockheimerin derzeit im Stadtteilzentrum in der Siedlung präsentiert.

Der Tag von Claire Huang muss mehr als 24 Stunden haben. Anders lässt es sich nicht erklären, wie sie all das schafft, was sie schafft – und das sind nicht nur ihre Bilder. Sie spielt leidenschaftlich Klavier und Querflöte, singt im Mainstockheimer Kirchenchor und seit kurzem in der Kitzinger Kantorei, ist Mitorganisatorin von Konzerten für Chor und Orchester. Zweifache Mutter ist die studierte Betriebswirtschafterin außerdem.

„Musikerin und Malerin“ steht auf ihrem Lebenslauf unter ihrem Namen. Die Kunst, sie war und ist ihr Lebenstraum, und dass sie ihn sich erfüllen kann, macht sie glücklich. Claire Huang wurde in Kaohsiung City in Taiwan geboren. Schon als Kind zeichnete sie gern. Von ihrem Großvater inspiriert, griff sie zunächst zu Bleistift und Kohle. Im Kunstunterricht fiel sie mit ihren Werken auf, ihre Eltern ermöglichten ihr, Kunstkurse zu besuchen. Von der Kunst als Beruf dagegen hielten sie nicht viel. Wenig einträglich sei das, ein unsicheres Leben. „Sie sagten, ich würde verhungern.“

Also wählte die junge Frau einen anderen Lebensweg. Sie kam nach Deutschland, studierte und erwarb einen Internationalen Master of Business Administration, heiratete und bekam zwei Kinder. Doch die Faszination Kunst ließ sie nicht los. „Wir leben und wir sterben“, sagt Claire Huang. „Was von uns bleibt, ist unsere Kunst.“

Nach dem Studium begann sie wieder mit der Malerei, besuchte Kurse, vertiefte ihre Kenntnisse im Selbststudium weiter. In der Acrylmalerei fand sie die für sich ideale Technik. Brillante Farben, hochpigmentiert, gut geeignet, einen räumlichen Eindruck auf die Leinwand zu bannen. „Und die Farben trocknen schnell“, sagt die 38-Jährige lachend. „Wenn die Kinder aus der Schule und dem Kindergarten kommen, ist das Bild schon trocken.“ Ihre Schaffenskraft ist groß, sie arbeitet immer an mehreren Bildern gleichzeitig, häufig bis tief in der Nacht. Derzeit stellt sie ihre Werke im Gasthaus „Zum Benediktiner“ in Schwarzach aus, hat die Bilder dort schon mehrfach ausgetauscht. Seit dieser Woche läuft die Ausstellung im Stadtteilzentrum Siedlung, ab Mai werden ihre Bilder in der Kitzinger Sparkasse zu sehen sein. Gleichzeitig arbeitet sie an vielen Aufträgen aus ihrer Heimat Taiwan.

Ihre Motive sind vielfältig, mal abstrakt, mal fotorealistisch. Sie malt Tiere und Menschen, Landschaften, Eindrücke und Details, häufig steht die taiwanesische Kultur im Mittelpunkt. Bei den Ausstellungen beschränkt sie sich auf ein Thema. In der Siedlung sind es Vögel, in der Sparkasse werden es Schmetterlinge sein.

Die Bilder regen zum Nachdenken an. „Vier Freunde“ steht unter einem Bild, das Vögel auf einem Baum zeigt, die sich einander zuwenden. Orange der eine, rot der zweite, die anderen leuchtend gelb und von kräftigem Blau. Auf dem Bild daneben sind vier schwarze Vögel vor einem dreidimensionalen rot-orange-gehaltenem Hintergrund zu sehen. „Ich hätte das hier 'Vier Freunde' genannt“, sagt ihr Mann Dietmar Seipel. „Aber die schauen sich doch gar nicht an“, gibt Claire Huang zu bedenken. Schauen Freunde einander an? Oder blicken sie gemeinsam in die gleiche Richtung? Schon dieser kleine Dialog zeigt, dass jeder in den Bildern etwas anderes sieht, sie anders interpretiert, dass jedem beim Betrachten andere Gedanken kommen.

So wie bei der Eule. Das Federkleid in schwarz-weiß mit wenigen Brauntönen gehalten, starrt sie den Betrachter mit eindrucksvollen gelben Augen an. Nicht der schwarz-weiße Kontrast war der Künstlerin beim Malen des Tieres wichtig, auch stand die realistische Darstellung nicht im Vordergrund. „Ich wollte zeigen, dass die Eule ein ganz besonderer Vogel ist.“ Und tatsächlich zieht der stechende Blick den Betrachter sofort in seinen Bann. „Seht her“, scheint er zu sagen, „um mich kommst du hier nicht herum“. Der Blick von Claire Huang ist stets darauf gerichtet, wie sich etwas bildlich darstellen lässt. Besucht sie andere Menschen, Büros, öffentliche Einrichtungen, gilt ihr Augenmerk automatisch den Bildern an den Wänden. „Sogar wenn ich einen Film schaue, achte ich darauf, was in den Häusern an der Wand hängt.“

Dass sie in der Siedlung ausstellen darf, freut die Mainstockheimer Malerin. Initiatorin Bianca Tröge wiederum freut sich, dass sie erneut die Werke eines einheimischen Künstlers vorstellen kann. „Wir bieten hier eine Plattform, kostenlos auszustellen. Und gleichzeitig führen wir die Besucher des Stadtteilzentrums an die Kunst heran“, erklärt sie den Hintergrund der von ihr ins Leben gerufenen Ausstellungsreihe im Bürgercafé. Ölbilder waren dort schon zu sehen, Aquarelle, Porträtzeichnungen, Unterwasserfotografien, Karikaturen, Cartoons und einiges mehr. Viermal jährlich wechselt der Künstler. Seit wenigen Tagen zieren die Werke, die Claire Huang in ihrem Mainstockheimer Atelier gefertigt hat, die Wände und entführen in eine bunte, detailreiche Vogelwelt.

Die Werke von Claire Huang sind bis zum 31. März im Bürgercafé im Stadtteilzentrum Siedlung in Kitzingen zu sehen. Die Ausstellung ist dienstags und donnerstags am Vormittag sowie nach Absprache geöffnet. Email: meine-siedlung@kitzingen.info

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