KITZINGEN

Die Gotteself sucht Spielpartner

Der Nürnberger Ex-Profi Hansi Heidenreich trainiert ein Spezial-Team. Über 100.000 Euro hat es für Notleidende eingespielt. Und die Spieler feilen weiter an ihrer Taktik.
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Mannschaftsfoto Bad Bocklet mit Laura und Johannes
Mannschaftsfoto mit Frau: Bei den Klerikern sind auch weibliche Kicker willkommen.Rechts im Bild (im weißen Hemd) ist Johannes Messerer zu sehen, früherer Geistlicher in Dettelbach und Spielführer der Gotteself. Foto: Foto: HELMUT KORMANN
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Die richtige Taktik ist wichtig. Für Bundesligaprofis, aber auch für Hobbykicker. Erstere haben vielleicht mehr Kondition als Spaßspieler, aber vielleicht nicht so göttliche Tricks.

Hans-Jürgen (Hansi) Heidenreich ist Fußball-Franken ein Begriff. Der frühere U21-Nationalspieler und Profi beim 1. FC Nürnberg trainiert seit über zehn Jahren eine ganz spezielle Mannschaft: die „Bayerische Klerus-Auswahl“, quasi das Nationalteam aus Pfarrern, Diakonen und anderen Mitarbeitern der sieben katholischen Diözesen des Freistaates. Auch aus dem Raum Kitzingen gibt's Mitspieler.

„Ich erinnere mich gut an eines meiner ersten Spiele mit dem Team. Das war in Dettelbach, es ging gegen örtliche Promis. Ich habe den Jungs gesagt: ?Heute spielen wir Viererkette.?“ Ein paar Spieler hätten ihn fragend angeguckt. Da habe er es so einfach wie möglich erklärt: „Wir stehen konsequent auf einer Höhe.“

Und es klappte. „Die Gegner sind immerzu ins Abseits gelaufen.“ Heidenreichs Elf siegte – und wandte die „Super-Abseitsfalle“ in den nächsten Spielen gleich wieder an. „Wir standen manchmal fast an der Mittellinie“, berichtet Heidenreich lachend. Anders als bei manchen Profis, sei sofort ein Teamgeist da gewesen, auch wenn man sich anfangs noch gar nicht richtig kannte. „Und die Pfarrer haben von Anfang an gespurt.“

Bei allen Spielen der bayerischen „Gotteself“ geht es um einen guten Zweck – die Erlöse werden stets für soziale Projekte verwendet. Mittlerweile sind über 100.000 Euro zusammengekommen. Hansi Heidenreich betont: „Der soziale und der gemeinschaftliche Aspekt sind wichtig, aber meine Mannschaft hat schon auch immer den Ehrgeiz zu gewinnen!“

Als es freilich gegen die allesamt jungen Muskelmänner der Schweizer Garde des Vatikans ging, befiel die im Durchschnitt je einige Jahrzehnte älteren Kleriker doch leichter Bammel. Heidenreich merkte das. Er pushte sein Team, das sich am Ende den Gardisten in Rom nur ganz knapp mit 2:3 beugen musste.

Beim Rückspiel daheim in Bayern schöpfte die Mannschaft dann alle taktischen Mittel aus. Sie lud die jungen Römer am Vorabend zu einer feucht-fröhlichen Fete ein. Am nächsten Tag gewannen die Pfarrer 4:2 gegen übermüdete Gardisten – und hatten nun ihrerseits Spaß am Feiern. Pfarrer Johannes Messerer, der eines der Tore schoss, weiß noch genau: „Das war ein tolles Erlebnis! Wir haben gesungen: ?Wir sind die Weltmeister der Kleriker!?“

Wie kommen Pfarrer aus ganz Bayern überhaupt dazu, ein „Nationalteam“ zu bilden? Bei dieser Frage deuten alle Spieler auf eine Person: ihren Manager Helmut Kormann. „Er war und ist die treibende Kraft!“, stellt Heidenreich klar. „Er ist Gründer und Kopf der Mannschaft“, ergänzt Messerer. Helmut Kormann ist Mitarbeiter im Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg. Auf seinem Schreibtisch landete eine Einladung zur Fußballmeisterschaft bayerischer Klerus-Mannschaften. „Sechs der sieben Diözesen in Bayern hatten bereits eine Mannschaft, nur das Bistum Bamberg fehlte. Um mitspielen zu können, gründeten wir 2001 ein Team aus Diakonen, Ordensleuten und Priestern“, berichtet Kormann. „Alle hatten Spaß bei der Meisterschaft. So entstand die Idee, ein gesamtbayerisches Auswahl-Team zu gründen – mit dem Zweck, soziale Projekte zu fördern.“

Himmelstoß-Trainingslager

Diese Klerus-Auswahl absolvierte 2006 ihr Premieren-Spiel gegen den „FC Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks. „Als wir einige Zeit später gegen eine Traditionself von 1860 München 4:14 verloren, wussten wir: Ein Spielführer muss her!“ Da erinnerte sich Kormann daran, dass er einst als Religionslehrer an der Realschule Ebrach einen sehr fußballbegabten Schüler unterrichtet hatte: Hansi Heidenreich. „Ich habe ihn angerufen – und er hat zugesagt!“

Mittlerweile hat die „Gotteself“ 47 Spiele absolviert – gegen verschiedenste (Promi-)Mannschaften. Der erste Spielführer des Teams war Pfarrer Johannes Messerer. Jahrgang 1954. Er, der zunächst Kaplan in der Bamberger Pfarrei St. Heinrich war, dann Pfarrer in Dettelbach und jetzt in Poppenhausen, ist „immer mit viel Freude zu den Spielen gefahren“. Ein „Trainingslager“ 2011 in Dettelbach ist ihm besonders lebhaft in Erinnerung. Die „Gotteself“ hatte bei einer Weinprobe im Weingut Himmelstoß - welch passender Name – einen himmlischen Abend.

„Auch bei den Spielen war die Atmosphäre immer freundschaftlich. Man ist füreinander gelaufen.“ Dabei habe es „tolle Fußballmomente“ gegeben, etwa den 2:1-Sieg gegen eine Bundestagself. „Am stolzesten bin ich aber auf ein Spiel in dem kleinen Ort Kronungen bei Schweinfurt, bei dem allein 9.000 Euro für den guten Zweck zusammengekamen.“

Messerers „Nachfolgerin“ im Team ist Gemeindeassistentin Laura Heinrich. Die 24-jährige Kürnacherin erzählt begeistert vom „unkomplizierten Miteinander“ in der Mannschaft. „Ich bin ganz offen empfangen worden. Glaube und Sport – beides harmoniert und verbindet super.“

„Man trifft sich und freut sich, dass das so ist“, fasst Trainer Hans-Jürgen Heidenreich die Stimmung im Team zusammen. Ob Gott manchmal höchstselbst einen Finger – oder Fuß – im Spiel habe? Heidenreich erzählt dazu eine Geschichte. Pfarrer Michael Kubatko, Enkel eines polnischen Ex-Nationalspielers, hielt am Sonntag, wenige Stunden vor einem Spiel, Gottesdienst. „In der Predigt sagte er: ?Heute schieße ich das Siegtor.?“ Heidenreich macht eine Spannungspause. Dann fährt er fort: „Zwei Minuten vor Schluss hat er den Führungstreffer erzielt.“ Taktik oder göttlicher Trick? „Hauptsache Tor!“

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder unter www.inFranken.de
 

Die Gotteself

Benefizspiele: Schon mit ihrem allerersten Spiel im Herbst 2006 hat die Bayerische Klerus-Fußballauswahl ein soziales Projekt unterstützt: ein Waisenprojekt. Ab 2010 flossen die Einnahmen aus Benefizspielen und Meisterschaften in den Senegal. Seit 2018 spielen die Kleriker für zwei Projekte in Südafrika: eine Suppenküche für Aidswaisen und ein Flüchtlingsprojekt der Sternsinger.

Wer spielt? Mitspieler sind Priester, Ordensgeistliche und Diakone der katholischen Kirche Bayerns. Mit Gemeindeassistentin Laura Heinrich hat auch schon eine Frau mitgespielt.

Hintergrund: Ziel ist es, drei bis vier Benefizspiele im Jahr auszutragen und mit dem Erlös Notleidenden zu helfen.

Ausblick: Im Sommer 2020 steht das 50. Spiel an. Dafür wird noch ein Ausrichter sowie ein Spielpartner gesucht! Bei Interesse: Tel. 0951/ 47743. An Muttertag, 10. Mai, wird das Team Gast des BR in der Sendung „Blickpunkt Sport“ sein.

Info: klerusmeisterschaften.de

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