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KITZINGEN

Die Gefahr ist längst nicht gebannt

Vor sechs Jahren hat die Kirschessigfliege Obst- und Weinbauern aufgeschreckt. Jetzt ist die Forschung weiter, aber noch nicht am Ziel.
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Rot gefällt ihr. Die Kirschessigfliege macht sich vor allem über Himbeeren, Brombeeren, Holunder, rote Weintrauben und natürlich Kirschen her. Foto: LWG
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Landkreis Kt/Veitshöchheim Vieles haben sie erforscht. Alle Fragen sind allerdings noch nicht geklärt. Die Kirschessigfliege (KEF) sorgt weiterhin für ein paar Rätsel. Eines ist Dr. Beate Wende von der Landesanstalt für Wein und Gartenbau in Veitshöchheim aber klar: Der Schädling wird die Obst- und Weinbauern in Franken weiterhin auf Trab halten.

Vor fünf Jahren startete das Forschungsprojekt zur Kirschessigfliege in Veitshöchheim. Welche Fragen sind noch offen?

Dr. Wende: Wir wissen immer noch nicht hundertprozentig, was die Tiere genau in die Obstanlagen und im Herbst in die Weinberge lockt. Wahrscheinlich ist es ein Cocktail aus Düften und der Farbe der Beeren.

Kirschessigfliegen stehen auf Rot.

Dr. Wende: Kann man so sagen. Sie lieben Himbeeren, Brombeeren, Holunder, rote Weintrauben und natürlich Kirschen.

2014 sorgte der Schädling für Alarmstimmung bei den Obst- und Weinbauern. Seither ist es offensichtlich ruhiger geworden.

Dr. Wende: 2014 war der Befallsdruck sehr hoch. Ab diesem Zeitpunkt ist die Kirschessigfliege bei uns heimisch geworden. Zum Glück waren die Witterungsbedingungen in den letzten Jahren nicht ganz so extrem wie 2014.

Welches Wetter liebt der Schädling?

Dr. Wende: Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um die 25 Grad Celsius. Nach Gewitter oder Regenschauern fliegt er aus.

Und kann dabei richtig großen Schaden anrichten.

Dr. Wende: Allerdings. In der Schweiz war der Schädling zwei bis drei Jahre früher zu beobachten als hierzulande. Etliche Himbeer-Anbauer haben in der Schweiz aufgegeben. Die Kirschessigfliege hat ihnen die gesamte Ernte vernichtet.

Und in Franken?

Dr. Wende: Hier gibt es einzelne Flächen, die besonders befallen waren. Im Weinbau schätzen wir das Gefährdungspotenzial auf rund 20 Prozent der Anbaufläche.

Aber bislang haben sich die Tierchen zurückgehalten.

Dr. Wende: Weil ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Die Witterung 2018 war für die Kirschessigfliege sehr ungünstig, sehr heiß und sehr trocken. Wir hatten ein Viertel weniger Tiere in den Fallen. Sie sind lieber am Waldrand und in den Hecken geblieben.

Wo sie sich bevorzugt aufhalten?

Dr. Wende: Das kühlere und feuchtere Mikroklima am Waldrand behagt ihnen. Dort finden sie in der Regel auch genügend Eiablageorte an Holunder und Brombeeren oder fallen über Wildkirschen her.

Wo genau überwintern die Tiere? In der Rinde der Bäume?

Dr. Wende: Mit dieser Fragen befassen sich weltweit KEF-Forscher. Doch bisher konnte diese noch nicht abschließend geklärt werden. Und das ist extrem ärgerlich, weil wir den Schädling sonst viel gezielter bekämpfen könnten.

Welche Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es für die Obst- und Weinbauern?

Dr. Wende: Es gibt riesige und engmaschige Netze, die man über die Anlagen stülpen kann. Der Nachteil: Sie sind extrem teuer und für das Landschaftsbild nicht gerade ein Gewinn.

Und sonst lässt sich nichts unternehmen?

Dr. Wende: Wir haben mit vielen Möglichkeiten experimentiert. Mit Bitterstoffen beispielsweise und mit öligen Oberflächen, auf denen die Tiere abrutschen. Richtig hilfreich war allerdings nur die Aufbringung einer Gesteinsmehlbrühe, also von weißer Heilerde. Die mag die Kirschessigfliege offensichtlich nicht. Sie blieb den derart behandelten Anlagen jedenfalls fern.

Und der Belag lässt sich leicht wieder entfernen?

Dr. Wende: Leider nicht. Zumindest nicht beim Obstanbau. Deshalb ist diese Methode dort auch nicht anwendbar. Bei den Keltertrauben schon.

Das heißt: Sie haben noch genug zu forschen?

Dr. Wende: Für den Kelterweinbau haben wir mit den Gesteinsmehlen eine praktikable Lösung gefunden. Dies war das Ziel des Forschungsprojektes an der LWG. Im Obstbau ist dies leider noch nicht der Fall. Dort wäre weitere Forschung, zum Beispiel über die Anlockung, nötig, um eine effiziente und spezifische Lockfalle zu entwickeln.

Biologie: Die Kirschessigfliege stammt aus Asien. Optimale Lebensbedingungen liegen bei 20 bis 25 Grad Celsius und höherer Luftfeuchtigkeit vor. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Blatt- und Nadelausscheidungen, Hefen, Bakterien oder Pollen. Temperaturen über 30 Grad Celsius mögen die Tiere genauso wenig wie lange Frostperioden.

Gefährdung: 2014 war das erste Jahr mit stärkeren Fängen im Weinbau. Von rund 300 Proben auf Verdachtsflächen war die Hälfte positiv. Vor allem frühe Rotweinsorten sind stark gefährdet. Ein Gefährdungspotenzial sieht die LWG bei rund 20 Prozent der fränkischen Anbaufläche. 2019 trat die Kirschessigfliege wieder am Ende der Erntezeit in Erscheinung. Bei den Weinbaugebietsversammlungen in diesen Tagen wird sie thematisiert.

Versammlungen

Weinbaugebietsversammlungen: Mittwoch, 22. Januar in Ipsheim, ab 19 Uhr im Gasthaus Kreislmeyer; Donnerstag, 23. Januar, in Nordheim ab 19 Uhr in der Turnhalle und Dienstag, 28. Januar, in Iphofen, ab 19 Uhr in der Karl-Knauf-Halle.

Die Themen: Klimawandel, Biodiversität und Nachhaltigkeit – die Herausforderungen für einen umweltverträglichen Weinbau; Dünge-Verordnung (DüV) die Dritte; Kirschessigfliege – wirksame Bekämpfungsstrategien; Gesundheit geht vor – Schutz des Anwenders und Aktuelles aus dem Haus des Frankenweins.

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