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„Die Franken wissen, wie man es macht“

Sie bereist die Welt im Auftrag des Deutschen Weinbauverbandes. Wein- königin Katharina Staab machte am Montag und Dienstag im Landkreis Kitzingen Station. Von den fränkischen Winzern, ihren Produkten und ihrer Philosophie zeigt sie sich begeistert.
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Katharina Staab bereist als deutsche Weinkönigin alle 13 Anbaugebiete: „Ich möchte authentisch sein, wenn ich den Menschen im Ausland vom deutschen Weinbau berichte.“ Foto: Foto: Ralf Dieter

Sie bereist die Welt im Auftrag des Deutschen Weinbauverbandes. Wein- königin Katharina Staab machte am Montag und Dienstag im Landkreis Kitzingen Station. Von den fränkischen Winzern, ihren Produkten und ihrer Philosophie zeigt sie sich begeistert.

Frage: Zwei Tage in Weinfranken liegen hinter Ihnen. Eine schöne Zeit trotz des bescheidenen Wetters?

Katharina Staab: Es war ein sehr schöner Besuch, wir sind sehr herzlich und menschlich empfangen worden. Alle Winzer haben sich viel Zeit genommen, um uns ihren Betrieb und ihre Philosophie vor Augen zu führen.

Sie haben alle diesjährigen Gewinner des Bayerischen Staatsehrenpreises besucht.

Staab: Ich denke, das ist die beste Art und Weise, wie man ein Anbaugebiet kennenlernt. Es geht ja weniger um die Landschaft als vielmehr um die Weine, die Winzer und ihre Vorstellungen.

Sie besuchen tatsächlich alle 13 deutschen Anbaugebiete?

Staab: Ja. Und das ist mir auch sehr wichtig. Ich möchte authentisch sein, wenn ich den Menschen vom deutschen Weinanbau berichte. Es kommt tatsächlich häufiger vor als ich dachte, dass ich über ein bestimmtes Anbaugebiet gefragt werde, wenn ich im Ausland bin. Da ist es natürlich hilfreich, wenn ich das Gebiet auch gesehen und erlebt habe.

Welche Informationen und Eindrücke nehmen Sie aus Franken mit?

Staab: Was mich wirklich beeindruckt: Wie unheimlich gut hier die Themen Wein und Tourismus miteinander verbunden werden. Das wurde mir in den letzten zwei Tagen wieder deutlich. Die Gästeführer, die Terroir-F-Punkte, die Zusammenarbeit innerhalb des Fränkischen Weinbaus und die Weinfeste, von denen mir berichtet wurde. Da können viele Anbaugebiete etwas lernen, auch mein eigenes an der Nahe.

Und Silvaner durften Sie wahrscheinlich auch ganz oft probieren.

Staab: Ja. Aber nicht nur, es gibt ja auch in Franken viele spannende Rebsorten. Aber der Silvaner hat mir imponiert. Er ist ganz anders als in Rheinhessen, erdiger und kräftiger. Und dann bin ich tatsächlich ein Fan des neuen Bocksbeutels. Eine super Idee. Also, man muss es den Franken schon lassen: Sie wissen, wie man es macht.

Wo sehen Sie Anlass für Veränderungen im Deutschen Weinbau?

Staab: Es gibt immer Luft nach oben, aber ganz ehrlich: Das wäre schon ein Meckern auf hohem Ni-veau. Wir haben top ausgebildete Winzer und hochqualitative Weine. Wir können stolz auf unsere Produkte sein.

Keine Verbesserungsvorschläge?

Staab: Das ist wirklich schwer zu sagen. Wir sollten auf jeden Fall modern und dynamisch sein und dabei unsere Traditionen nicht vergessen. Die sind für mich ein großer Wettbewerbsvorteil gegenüber der so genannten Neuen Welt. Die alten Weingüter und die Kulturlandschaften: Diese Tradition sollten wir bewahren, ohne dabei altbacken zu wirken.

Also: Alles gut im Deutschen Weinbau. Keinerlei Kritik?

Staab: Ich bin an und für sich schon ein kritischer Mensch. Aber ich sehe tatsächlich viel Positives. Eine Sache hilft uns im Ausland aber tatsächlich nicht weiter: Unsere Etiketten sind zu kompliziert. Wir sollten darüber nachdenken, unser Qualitätssystem zu vereinfachen. Gerade für die Konsumenten im Ausland würde es Sinn machen, ein einheitliches Qualitätssystem zu haben.

Haben Sie als Deutsche Weinkönigin Einfluss auf solche Themen?

Staab: Das werde ich noch feststellen. Ich empfinde es jedenfalls als angenehm, dass ich Botschaften senden kann. Im Laufe meiner Amtszeit werde ich beispielsweise hunderte Grußworte sprechen.

Die Sie alle selber schreiben dürfen – oder müssen?

Staab: Das ist tatsächlich so, wie Sie sagen. Ein Dürfen und Müssen. Es ist schön, dass ich jedes Mal das Vertrauen erhalte, etwas Cleveres zu sagen. Aber es steckt natürlich viel Arbeit drin.

Deutsche Weinkönigin ist ein Full-Time-Job?

Staab: Schon. Und das ist auch ein bisschen mein Problem, weil ich ja im Online-Weinhandel arbeite. Da habe ich immerhin auf 75 Prozent reduzieren können, war aber im Oktober und November trotzdem etwa 15 Tage für das Amt der Weinkönigin unterwegs. Ab Februar kann ich weiter reduzieren und mich noch mehr dem Amt widmen.

Das Sie offensichtlich begeistert. Was ist daran so schön?

Staab: Ich kann für etwas einstehen, das mir selbst sehr am Herzen liegt. Ich mag es, Menschen die Vorzüge des Weins näher zu bringen. Ich mag es, internationale Kontakte zu knüpfen. Und natürlich freue ich mich auf die Reisen.

Wo geht es überall hin?

Staab: Vor kurzem war ich in Kanada. Ich denke, dass China und Japan auf dem Plan stehen und natürlich viele Ziele in Europa. Diese Wahl war ein schöner Schicksalsschlag.

Katharina Staab ist Ende September zur 69. Deutschen Weinkönigin gewählt wor- den. Zusammen mit ihren beiden Weinprinzessinnen Laura Lahm und Charlotte Freiberger hat sie am Montag und Diens- tag Weinfranken besucht. Staab war nach dem Abitur als Au-Pair in Kanada, hat in Mainz BWL studiert und in Lissabon ihren Management-Master gemacht.

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