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IPHOFEN

Die Fassade aus dem eigenen Wald

Heimisches Material zu nutzen, ist ein wichtiger Aspekt im Kampf gegen den Klimawandel. Die Stadt Iphofen geht mit gutem Beispiel voran.
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Stadtförster Rainer Fell, Bürgermeister Josef Mend, Architekt Matthias Prell und Zimmerer Bernd Hartmann freuen sich über die gelungene Gestaltung der Außenfassade der neuen Kapelle im Altenbetreuungszentrum Iphofen. Fotos: Daniela Röllinger Foto: Daniela Röllinger
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Aufträge an weit entfernte Firmen zu vergeben, Materialien über hunderte oder gar tausende von Kilometern heranzukarren: das ist in Zeiten von EU und Globalisierung längst zur Normalität geworden. Ein Beispiel dafür, wie es auch anders geht, ist die neue Kapelle im Altenbetreuungszentrum Iphofen. Sie ist mit viel Holz gestaltet, das in Iphofen gewachsen ist und ausschließlich von Firmen im Landkreis geschnitten, gesägt, getrocknet und verbaut wurde.

Der Forstausschuss des Bayerischen Städtetags kam am Montag und Dienstag zu einer Tagung in Iphofen zusammen. Bürgermeister Josef Mend nutzte die Gelegenheit, die Mitglieder an „einen besonderen Ort" zu führen, nämlich in die neue Kapelle des Altenbetreuungszentrums. Sie verfügt über viel Freiraum, damit die Bewohner, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, an den Gottesdiensten und Begegnungen teilhaben können. Am Montag aber prangte inmitten des Raumes ein großes hölzernes Konstrukt: der Klima-Holzwürfel. Mit seiner Kantenlänge von einem Meter ist der auf der Spitze stehende Würfel ein auffälliges Symbol dafür, dass dem Klimawandel entgegen gesteuert werden muss. Er macht die Zusammenhänge von Wald und Klimaschutz deutlich.

Naturprodukt mit Zukunft

„Mehr Holz = mehr Sauerstoff + weniger CO2“ rechnet der Holz-Klimawürfel vor: In einem Kubikmeter Holz wird eine Tonne CO2 gebunden, gleichzeitig setzt dieser eine Kubikmeter Holz 300 Kubikmeter Sauerstoff frei. Mit dem Würfel werben die Initiatoren – die Vertreter der Bayerischen Forstwirtschaft und das Zentrum „Wald-Forst-Holz“ in Weihenstephan – zum einen dafür, den Wald auf den Klimawandel vorzubereiten und ihn durch gezielte forstliche Maßnahmen planvoll auszubauen. Sie machen zudem auf die Bedeutung von Holz im Bau aufmerksam: Wer Holz aus nachhaltiger, am besten heimischer Forstwirtschaft für seinen Neu- oder Altbau, für sein Unternehmen oder als Gemeinde für seine öffentlichen Einrichtungen nutzt, setze auf „ein Naturprodukt mit eingebauter Zukunft“.

Die Stadt Iphofen ist Eigentümerin von rund 2200 Hektar Wald und nutzt seit Jahren Holz für ihre Bauprojekte, erklärte Bürgermeister Josef Mend. Roteiche aus dem Stadtwald findet sich in der Karl-Knauf-Halle, der neue Kindergarten wurde vollständig in Holzbauweise errichtet, zwei Schulerweiterungen in Holzständerbauweise. Holz zu verwenden, sei in Iphofen Standard – überall dort, wo es machbar sei. Nur an ein mehrstöckiges Gebäude habe man sich bislang nicht herangewagt.

Wie modernes Bauen mit Holz funktionieren kann, konnten sich die Mitglieder des Forstausschusses, aber auch mehrere Bürgermeister der interkommunalen Allianz „7/22 südost“ in der Kapelle des Altenbetreuungszentrums anschauen. Hier kam außen wie innen Eichenholz zum Einsatz, was in Iphofen wenig verwunderlich ist. Schließlich gibt es dort überwiegend gemischte Laubwälder, wobei die Eiche mit einem Flächenanteil von über 60 Prozent dominiert. Typisch für eine Weinbaugemeinde, in der der Wein früher im Eichenfass aufbewahrt wurde.

Acht Prozent der Fläche ist mit Nadelbäumen bestockt, wobei Stadtförster Rainer Fell diesen Anteil bei seiner kurzen Ansprache vor den Gästen relativierte. „Wir hatten mal acht Prozent Nadelholz, aber die verabschieden sich mit großen Schritten.“ Schädlinge und die Trockenheit setzen den Nadelbäumen stark zu.

Beim Bau der Kapelle gab die Stadt dem Architekten vor, dass er mit Holz arbeiten muss, vor allem mit Eiche, informierte Rainer Fell. Es entstand die Idee, die Außenverschalung mit Holz zu gestalten. Wer mit Holz arbeiten möchte, muss ausreichend Vorlaufzeit einplanen, betonte der Stadtförster, schließlich braucht es viel Zeit zur Trocknung. Burkard Müller vom Sägewerk Müller in Reupelsdorf gilt als Eichenspezialist und erhielt den Auftrag, das Holz einzuschneiden, zu lagern und zu trocknen.

Handwerklich anspruchsvoll

Matthias Prell übernahm als Architekt der St. Joseph-Stiftung der Erzdiözese Bamberg die Planung. Die Arbeit mit Holz sei auch für ihn noch längst kein Alltag, erklärte er. „Aber Holzbau ist auf dem Vormarsch, und das ist gut so.“ Es habe Spaß gemacht, mit einem Bauherrn zu arbeiten, der solche Vorgaben mache. „Das ist etwas Besonderes.“ Man habe das Projekt gemeinsam entwickelt und geplant und dann ausgeschrieben. Als der Zimmerer ins Spiel kam, wurde „intensiv miteinander gearbeitet“, sagte Prell – und Bernd Hartmann, Chef der gleichnamigen Zimmerei im Iphöfer Ortsteil Nenzenheim und zugleich Mitglied des Iphöfer Stadtrates, bestätigte das. „Wir haben nach den Plänen ein Muster gemacht und beim Modell gesehen, dass das so nicht funktioniert.“ Hartmann lobte ausdrücklich, dass der Architekt auf den Zimmermann gehört habe, es gab Änderungen, Details wurden ausgearbeitet, viele Arbeitsstunden flossen in die „handwerklich anspruchsvolle Aufgabe“. „So eine Fassade, wie wir sie jetzt haben, gibt es noch nicht. Das ist ein gutes Ergebnis“, so Hartmann.

Auch bei den Besuchern kam die Gestaltung der Kapelle sehr gut an. Die schmale Seite der Holzbretter an der Fassade zeigt nach außen, wenige Zentimeter voneinander entfernt sind sie angeordnet, bis hoch hinauf unter das Dach, die Fassade ist dabei leicht geschwungen. Die Fenster unter der lichten Holzverkleidung sind kaum zu sehen und trotzdem wichtiger Teil der Gestaltung. Die Beleuchtung verleiht dem Gebäude abends besonderes Flair.

Um das Material aus dem Stadtwald verwenden zu können, hat die Stadt das Holz gar nicht erst mit in die Ausschreibung aufgenommen, sondern erklärt, das Holz sei bauseits vorhanden, sagten Bürgermeister und Architekt auf Nachfrage aus dem Besucherkreis. „Das Holz in der Form, wie wir es wollten, können ja nur wir liefern“, so Josef Mend. Schließlich gibt es den Iphöfer Stadtwald nur in Iphofen und sonst nirgendwo.