Nordheim
Wein

Fränkische Entdeckung des Jahres: Nina Bunzelt und ihr Weingut

Der Familienbetrieb von Nina Bunzelt aus Unterfranken erhält im "Vinum Weinguide" eine besondere Auszeichnung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sie haben gut lachen: Nina Bunzelt und ihr Lebensgefährte Alex Huber freuen sich über die besondere Belobigung im „Vinum Weinguide“. Foto: Foto: Bunzelt

Nina Bunzelt ist überrascht. Und sie freut sich über das unerwartete Ergebnis. So eine Auszeichnung erhält man schließlich nicht alle Tage. Das Nordheimer Weingut Bunzelt ist im „Vinum Weinguide 2020“ als fränkische Entdeckung des Jahres geehrt worden.

„Ich habe das am Anfang gar nicht mitbekommen“, erzählt Nina Bunzelt. Ein Arbeitskollege hat ihr die freudige Botschaft überbracht. Als schöne Wertschätzung ihrer Arbeit bezeichnet die 35-Jährige die Auszeichnung und betont ausdrücklich, dass es sich um einen Familienbetrieb handelt. Mit anderen Worten: Alle haben ihren Anteil an dem Erfolg: Lebensgefährte Alex Huber, Tante Barbara Bunzelt, Vater Hans und Mutter Margot.

„Unser Ziel ist es, diese verschiedenen Bodenarten im Glas zum Ausdruck zu bringen.“

Nina Bunzelt, Winzerin aus Nordheim

Neun Hektar bewirtschaften die Bunzelts. Nicht nur in ihrer Heimat Nordheim. Ihre Weinberge liegen auch auf der anderen Seite des Mains, in Escherndorf sowie in Sommerach. Drei der neun Hektar liegen in Iphofen, zwei in Frankenwinheim. „Das ist schon ein großer Aufwand“, gibt die Mutter einer Tochter zu. Ein Aufwand, der sie reizt, schließlich sind die Gegebenheiten in Nordheim ganz andere als rund 20 Kilometer weiter in Iphofen. Ein Unterschied im Terroir, den sie für ihre Kunden herausarbeiten will.

Muschelkalk in Nordheim, Lettenkeuper in Frankenwinheim und Gipskeuper in Iphofen. „Unser Ziel ist es, diese verschiedenen Bodenarten im Glas zum Ausdruck zu bringen“, erklärt sie. Ein Silvaner aus Nordheim soll nun mal anders schmecken als ein Silvaner aus Iphofen. Wer besonders neugierig ist, bekommt eine Silvaner-Liaison vorgesetzt: Muschelkalk und Keuper in einer Flasche. „Den Kunden gefällt das.“

Zwölf Weine hat Nina Bunzelt beim „Vinum Weinguide“ eingereicht. Alle zwölf haben durchweg gute Noten erhalten. Zwischen 82 und 88 Punkte hat Sommelier Harald Scholl, der beim Weinguide für das Anbaugebiet Franken zuständig ist, vergeben. Seine Bewertung: „Die Weine weisen alle eine klare Aromatik auf, die vom Boden geprägt ist und animierend wirkt. Auch im edelsüßen Bereich beweisen die beiden ihr Händchen für feinen Stoff.“

1969 ist das Weingut in Nordheim gegründet worden. 2016 ist es an Nina Bunzelt und Alex Huber übergangen. Ein vorgezeichneter Weg? Nina Bunzelt schüttelt den Kopf. „Mein Fokus lag nicht immer auf dem Wein.“ Nach dem Abitur am Egbert-Gymnasium hat sie sich erst einmal orientieren müssen, hatte andere Pläne. 2007 arbeitete sie in den USA, zwei Jahre später auf einem Weingut in Neuseeland. Erst das Weinbau- und Oenologie-Studium in Geisenheim hat ihr den Berufsweg aufgezeichnet. 2010 ist sie ins elterliche Weingut eingestiegen. In Geisenheim hat sie ihren Lebenspartner Alex Huber kennengelernt. Eine Liaison, die privat und beruflich Früchte trägt.

„Auch im edelsüßen Bereich beweisen die beiden ihr Händchen für feinen Stoff.“

Harald Scholl, Bewerter im Vinum Weinguide

Huber ist der Mann im Keller, zuständig für den Ausbau und die Kontrolle der Tanks. Tante Barbara betreut die Kunden und wickelt den Versand ab. Ninas Eltern helfen im Weinberg und im Büro.

Die 35-Jährige selbst ist ein Tausendsassa, auf Messen genauso zu finden wie im Keller und im Weinberg. Zwei Tage die Woche arbeitet sie zusätzlich als Analystin im Weinlabor der Kitzinger Firma Carl Klein. „Auch hier bekomme ich spannende Einblicke in die Weinwelt“, sagt sie.

Drei Dinge sind ihr bei der Arbeit im eigenen Weingut besonders wichtig: ein gesundes Traubengut, keine Herbizide im Weinberg und eine ständige Qualitätskontrolle. Auf gut Fränkisch: „Im Weinberg darf nicht geschlampert werden.“ Die Bunzelts setzen dabei auf einen niedrigen Ertrag – bei 56 Hektoliter pro Hektar liegt der Durchschnitt – und auf einen beachtlichen Rebsortenspiegel.

Vom Bacchus über den Traminer und die Scheurebe bis zum Riesling bauen die Bunzelts insgesamt neun verschiedene Rebsorten an. „Diese breite Auswahl ist marketingtechnisch vielleicht nicht so clever“, sagt Nina Bunzelt und schmunzelt. „Aber unsere Kunden schätzen sie.“

Nicht nur die. Neben der jüngsten Auszeichnung haben die Nordheimer beim „Eichelmann“ bereits zwei Sterne ergattert. Gegen weitere Auszeichnungen hätte die 35-Jährige nichts einzuwenden. „Aber es ist nicht unsere Intention, ganz oben zu stehen“, betont sie. Ihr Schwerpunkt liegt woanders. „Wir wollen als Famile gut leben können und Spaß bei der Arbeit haben“, sagt sie. „Erfolgsdruck kann sich auch negativ auswirken.“

Die Ausgezeichneten

Platz fünf: Eine neue Bestmarke konnten die fränkischen Winzer im „VINUM Weinguide 2020“ verzeichnen. Mit nun 96 ausgezeichneten Betrieben hat sich das Anbaugebiet an anderen Regionen vorbeigeschoben und ist unter den 13 deutschen Anbaugebieten auf dem fünften Platz.

Der Beste unter der fränkischen Silvanern war einmal mehr der «Creutz» vom Weingut Zehnthof Luckert aus Sulzfeld. Direkt dahinter liegt der Silvaner Rödelseer Hoheleite Großes Gewächs von Paul Weltner (Rödelsee).

Fränkisches Weingut des Jahres: Rudolf Fürst aus Bürgstadt

Aufsteiger des Jahres: Biowein-Pionier Manfred Rothe.

Fränkische Entdeckung des Jahres: Nina Bunzelt.

Der VINUM Weinguide Deutschland zählt zu den wichtigsten Weinführern des Landes. Beinahe 12.000 deutsche Weine werden alljährlich von rund zwei Dutzend Verkostungsexperte verkostet.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren