KITZINGEN/MAINFRANKENPARK

Die Brummi-Fahrer mit dem großen Herzen

"Bewegen mit Herz e.V" Lkw-Fahrer wie Markus Schad bescheren Heimkindern einen ganz besonderen Tag
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Für beide ein großer Tag: Markus Schad mit einem der Kinder, die er an den Aktionstagen „Happy Day of Life“ in seinem Truck mitgenommen hat. Foto: Foto: Bewegen mit Herz e.V.
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150 Trucks im Konvoi. Für die Fahrt in die Ferien ist das eine Horrorvorstellung. Für die Benefizaktion „Bewegen mit Herz e.V.“ ist es ein Glücksfall. Weil neben den Fahrern benachteiligte Kinder sitzen und einen ganz besonderen Tag erleben. Zu verdanken ist das Menschen wie Markus Schad.

Den 16. Juni 2018 hat Markus Schad schon dick im Kalender markiert. Er wird dann mit seinem Lkw den Autohof Wörnitz anfahren. Nicht alleine, sondern mit einem oder mehreren Kindern im Führerhaus. Es wird das vierte Mal sein, dass der Mitarbeiter einer Kitzinger Spedition an der Aktion „Happy Day of Life“ teilnimmt, die Heimkindern, benachteiligten und bedürftigen Kindern ein großes Abenteuer beschert – ein Trucker-Erlebnis, Spielstationen, Unterhaltung, Essen und Trinken und ganz viel Spaß.

„Eine Schnapsidee“ sei es gewesen, aus der vor einigen Jahren die Aktion entstand, die heute bundesweit läuft, erzählt Ulrike Müller, die Gründerin des Vereins mit Sitz in Bad Soden-Salmünster. Diese Idee basiert auf einem Lied von Jonny Hill: In „Teddybär Eins Vier“ funkt ein Junge im Rollstuhl Lkw-Fahrer an und erzählt, dass sein Vater ihm versprochen habe, ihn mal mitzunehmen. Doch daraus wurde nichts, der Vater starb bei einem Unfall auf der Autobahn. Spontan fährt ein Lkw-Fahrer zu dem Jungen – und er ist nicht alleine. 18 Fahrzeuge stehen dort, und jeder Fahrer nimmt das Kind einmal zu einer Fahrt mit.

Das könnte sie doch auch machen, dachte sich Ulrike Müller. Zwei Lkw-Fahrer waren es anfangs, die Kinder aus Heimen mit auf große Tour nahmen. Die Zahl wuchs schnell, Müller gründete einen Verein, der heute 375 aktive Mitglieder hat. Schirmherren sind Michael Hirte und Simone Oberstein.

Einmal jährlich findet der große „Happy Day of Life“ statt, jedes Jahr in einem anderen Bundesland. Die Kinder werden abgeholt und dann geht es im Konvoi zu einem Autohof zum großen Fest. Wenn die Autobahn gefegt wird, Lkw sich an Lkw reiht und alle kräftig hupend gen Autohof fahren, ist das ein ganz besonderes Gefühl, nicht nur für die Kinder, auch für die Fahrer. „Es ist faszinierend, wie interessiert die Kinder an den Fahrzeugen sind“, erzählt Markus Schad. „Die Augen strahlen, sie lächeln übers ganze Gesicht, wenn sie hoch oben im Führerhaus sitzen.“ Schad hat selbst fünf Kinder, seine Frau ist auch Mitglied bei „Bewegen mit Herz“. „Es ist uns wichtig, dass diese Kinder einen schönen Tag erleben“, sagt Schad.

Spielstationen für die Kinder

Die Fahrer treffen sich schon am Vortag des Festes auf dem jeweiligen Autohof. „Wir bauen dann auf und richten die Spielstationen für die Kinder her“, erzählt Markus Schad. Am Samstag früh besprechen sich die Fahrer, es wird abgemacht, wo die Kinder abgeholt werden, wer wen mitnimmt.

Die Zahl der Teilnehmer wächst rasant. Zehn Kilometer lang war der Konvoi im vergangenen Jahr, als die Veranstaltung in Hamburg stattfand, etwa 150 Lkw-Fahrer waren dabei. In diesem Jahr fand der „Happy Day of Life“ in Mecklenburg Vorpommern statt, da waren ebenfalls mehr als 100 Trucker mit von der Partie.

Neben dem Happy Day gibt es inzwischen auch eine „Happy Christmas“-Aktion: Jedes Kind, das beim Fest dabei war, darf einen Wunschzettel schreiben. Zwei dieser Wünsche werden kurz vor Weihnachten erfüllt, die Geschenke bei einer großen Veranstaltung übergeben – natürlich im entsprechenden Rahmen samt Nikolaus, Weihnachtsbaum und Weihnachtsliedern.

Auch wenn die Fahrer jedes Jahr ein anderes Kind mitnehmen, weil immer andere Einrichtungen an anderen Orten mitmachen, reißt der Kontakt zu den Kindern nicht ab. „Da sind schon Patenschaften entstanden“, erzählt Ulrike Müller. „Manche Fahrer haben heute noch Kontakt zu den Kindern, die sie bei ihrer allerersten Fahrt dabei hatten.“ Und auch die Kinder denken gerne an den großen Tag zurück.

Viele Unterstützer in Bayern

Hat Ulrike Müller in den ersten Jahren noch im Internet nach Heimen gesucht, melden sich inzwischen Einrichtungen und Pflegefamilien von sich aus bei „Bewegen mit Herz e.V.“. „Wir haben jetzt schon 50 Anmeldungen für den Happy Day im nächsten Jahr“, erzählt sie. Der findet gezielt in Bayern statt, denn dort hat der Verein die meisten Unterstützer.

So wie den Inhaber der Kitzinger Spedition Babich, Stefan Babich. Er hat kürzlich dafür gesorgt, dass auch sein Fahrer Markus Schad leuchtende Augen bekam: Beim letzten Lkw-Fahrer-Stammtisch auf dem Gelände der Aral-Tankstelle im Mainfrankenpark hat Schad einen ganz besonderen Lkw-Auflieger bekommen und wirbt jetzt bei seinen Fahrten über die Autobahn für alle sichtbar für den Verein: Lachende Kinderfiguren, Sterne und Herzen sind auf dem Auflieger zu sehen und in großen Buchstaben „Kraftfahrer-Initiative Bewegen mit Herz e.V.“. Der Autohof Mainfranken in Dettelbach versorgte die weit über 50 Teilnehmer mit Gegrilltem, die Tucher Brauerei organisierte den Getränkeverkauf zu Gunsten des Vereines. Der Geschäftsführer des Autohofes Matthias Ambros setzte laut Müller noch eins drauf: „Er gibt Brummi fahrenden Vereinsmitgliedern und den Freunden von Fair in Verkehr e.V, Ermäßigung bei Lkw-Wäschen.“

Wie die anderen Trucker, die am Stammtisch teilnahmen, ist Stefan Babich begeistert vom Engagement des Vereins und bringt sich gerne ein. Er war durch Markus Schad und seine anderen Fahrer auf den „Bewegen mit Herz“ aufmerksam geworden. Beim Truckerfestival in Geiselwind in diesem Jahr hat er spontan beschlossen, für den Verein auf einem Auflieger zu werben: „Das ist eine coole Sache.

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