IPHOFEN

Der Renner: Unterricht mit Akkuschrauber

Die Siebtklässler der Dr. Karlheinz-Spielmann-Schule Iphofen haben neue Lieblingsschulstunden - dank der Rentner des Steigerwaldklubs.
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Ivy und Leon können gut mit dem Akkuschrauber umgehen.FotoS: DIANA FUCHS Foto: Diana Fuchs
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Mathe macht Spaß? Wer's glaubt! „Also hier schon“, sagt Leon. Der 13-Jährige zeichnet gerade Bohrmarkierungen auf einem Stück Holz an, das zwischen Schraubzwingen vor ihm auf der Werkbank liegt. Neben ihm steht Horst Altenhöfer, der in Iphofen unter anderem als Organisator und Motor von Naturschutzprojekten bekannt ist. Heute fungiert er als „Lehrer“ im Werkraum der Dr. Karlheinz-Spielmann Mittelschule.

Und nicht nur er. Mit ihm sind drei Kollegen vom Steigerwaldklub Iphofen-Kitzingen in die Schule gekommen: Volker Dungs, Tilo Gernert und Edgar Scheblein. Das Rentner-Quartett geht heute den Siebtklässlern zur Hand: Gemeinsam werden Nistkästen für Fledermäuse gebaut. „Wir Menschen haben die Natur in weiten Teilen so ausgeräumt, dass viele Tierarten keinen Lebensraum mehr finden“, erklärt Horst Altenhöfer den Jugendlichen. „Aber wir können die Fehler der Vergangenheit ein Stück weit wieder gutmachen.“

Das gefällt den jungen Leuten. Mit sichtbarem Eifer machen sie sich ans Werk. In kleinen Gruppen, je betreut von einem der erfahrenen Männer, messen, rechnen, sägen, bohren und schrauben sie. Nina Sahlmüller, Fachlehrerin für Technik, ist von der neuen Art des Unterrichts begeistert. Sie freut sich über den Elan ihrer Schüler ebenso wie über deren erstaunliche handwerkliche Begabung. „Von wegen lauter linke Hände! Gar nicht! Sowohl die Jungs als auch die Mädels sind ganz heiß aufs Gestalten und langen richtig hin.“

Und dass sie plötzlich vier Rentner als „Co-Lehrer“ hat? „Das ist spitze! Praktisches Lernen steht ohnehin im Lehrplan. Dass bei uns die Generationen so gut zusammenarbeiten, finde ich richtig schön. Vieles kann ich als Lehrkraft gar nicht so vermitteln wie diese Männer hier“, sagt Nina Sahlmüller und deutet auf die Arbeitsgruppen an den Werkbänken, wo Alt und Jung miteinander Bohrmaße und Winkel berechnen, schrauben, nageln und vieles mehr.

„Es ist eine Win-Win-Situation“, findet die Fachlehrerin. Sie hat keinen Moment gezögert, das Projekt zu verwirklichen, als Horst Altenhöfer mit der Idee auf sie beziehungsweise ihre Kollegin Peggy Knauer zukam. „In Sachen Naturschutz und Nachhaltigkeit rennt man bei uns offene Türen ein.“ Gemeinsam wurde geplant und organisiert. „Die Stadt Iphofen hat das Holz gespendet. Sie ist mitsamt der Bauhof-Mitarbeiter immer ein unkomplizierter, kooperativer Partner.“

Die Männer des Steigerwaldklubs bauten die Schablonen für die Nistkästen und ließen die vier Meter langen Bretter schon einmal vorschneiden – im Blindeninstitut Würzburg. „Die haben dafür die richtigen Maschinen.“

Dennoch bleibt für die Schüler im Iphöfer Werkraum noch genügend Arbeit übrig. „Das macht total Spaß!“, meint die 13-jährige Svea, während sie eine Schraube nach der anderen im Holz versenkt. Sara (12) hobelt derweil die Front ihres Fledermauskastens ab: „Ich bin oft bei meinem Patenonkel und meinem Papa in der Werkstatt. Es macht mir nichts aus, mal dreckig zu werden.“ Lucas (12) und Kevin (14), die beide gern mit ihren Opas werkeln, haben unterdessen ein Problem: Die Front ihres Kastens ist gesprungen. Doch Edgar Scheblein weiß Rat. Gemeinsam reparieren sie den Schaden.

Nach zwei Schulstunden sind die ersten Kästen fertig – mitsamt eingebrannten Namen der Erbauer. Mit Handschlag verabschieden sich die Schüler von den Erwachsenen. „Echt schad', dass wir nicht immer solchen Unterricht machen können“, sagt Leon, bevor er seufzend den Werkraum verlässt.

INFO: Vor den Pfingstferien sollen die Fledermauskästen der Schüler entlang des Iphöfer Stadtsees aufgehängt werden. Der Steigerwaldklub bezieht die Jugend in weitere Naturprojekte ein. Gestern etwa lauschten 80 Schüler einem Vortrag zum Nistkastenprojekt und brachten danach einige Nisthöhlen auf der Obstwiese neben der Schule an.

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