Kitzingen

Besitzerin muss nach 30 Jahren dicht machen: Traditionslokal in Franken schließt

Hier wurden Ehen gestiftet, Freundschaften gefeiert, Sorgen geteilt: Das „Gambrinus“ in der Oberen Kirchgasse ist ein Kitzinger Traditionslokal. Nun schließt es.
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„Eine Legende geht“, kommentiert ein Bistro-Freund auf Facebook Petra Andres' Abschied von der Gastro-Szene. Ende des Monats schließt die 55-Jährige das Traditionslokal Gambrinus. Einen Nachfolger gibt es nicht. Fotos: DIANA FUCHS Foto: Diana Fuchs
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Auf dem Sims des Kachelofens steht ein großer Blumenstrauß. „Den haben Gäste zum Abschied mitgebracht“, sagt Petra Andres. Ihre dunklen Augen blitzen nicht mehr so fröhlich wie früher, ein bisschen Wehmut spiegelt sich in ihrem Gesicht. Die 55-Jährige wird das Bistro Gambrinus zum Monatsende schließen und das Inventar veräußern. Die Kitzinger Gastro-Szene verliert damit gleich zwei Urgesteine: das Traditionslokal und „die Petra“.

Gesundheitliche Gründe nicht allein die Ursache

„30 Jahre lang war das Bistro mein Lebensinhalt. Aber die letzten zwei Jahre waren richtig hart.“ Petra Andres hatte gesundheitliche Probleme bekommen, arbeitete oft unter Schmerzen. „Das und familiäre Gründe haben am Ende dazu geführt, dass ich mich schweren Herzens verabschiede.“ Einen Nachfolger gibt es nicht. Wie der Besitzer das Haus künftig nutzen wird, steht noch nicht fest, ebenso wenig wie Petra Andres' berufliche Zukunft.

16 Jahre lang hatte die Kitzingerin unter dem früheren Pächter Willy Köhler schon im Gambrinus gearbeitet, ehe sie es in Eigenregie übernahm und zusammen mit einem treuen Team (u.a. Tochter Lena, Mutter Elly, Katja Fischer, Michaela Mauderer, Antje Fexer) weitere 14 Jahre führte. „Mir hat es immer Freude gemacht, Menschen zu bewirten und für sie da zu sein. Für einige war man eine Art Ersatzfamilie, mit der sie ihre Sorgen geteilt haben.“

Paare lernen sich im Bistro kennen - und heiraten dort

Andere hatten im Bistro eine schicksalhafte Begegnung. „Hier sind viele Partnerschaften entstanden! Wir haben auch Hochzeiten von Paaren gefeiert, die sich im Bistro kennengelernt hatten.“

Ob zum gemütlichen Frühstück, zum abendlichen „Ratschen“ oder zu Live-Musik-Events: „Die Stammtische und Stammgäste, die zum Teil aus Rothenburg, Schweinfurt und Würzburg kommen, sind mir im Lauf der Zeit ans Herz gewachsen“, sagt Petra Andres. „Genauso wie manche Touristen, die Jahr für Jahr auf ihrer Urlaubsreise bei uns Station gemacht haben.“ Auch dass sich mittlerweile schon die Kinder von Stammgästen im Bistro trafen, habe sie echt gefreut, erzählt Petra Andres. Von Alt bis Jung, vom Arzt über den Anwalt bis zum Arbeiter sei das Publikum immer gut gemischt gewesen.

Einwohner der Stadt nutzen die Gastronomie nicht

Dennoch: Petra Andres vergisst auch die Probleme nicht. „Generell sind die Gästezahlen nach dem Rauchverbot und der strengen Alkoholgrenze eher nach unten gegangen.“ Verschärfte gesetzliche Auflagen und bürokratische Bestimmungen hätten nicht zur Entspannung beigetragen, im Gegenteil. „Außerdem hat Kitzingen viele Einwohner, die die Gastronomie in ihrer eigenen Stadt nicht nutzen.“ Dazu komme, dass es schwer geworden sei, gutes Personal zu finden. „Wenn dann noch die Fixkosten steigen, ist guter Rat teuer.“

Frank Gimperlein, Vorsitzender des Kitzinger Stadtmarketing-Vereins, hat noch ein anderes Problem ausgemacht. „Die junge Generation wird immer spießiger.“ Immer seltener würden Leute zwischen 25 und 30 abends ausgehen. Ganz allgemein sei der Anspruch der Gäste gestiegen. Die Gastronomie sei Event getrieben, der Beruf vielschichtiger als früher. Petra Andres habe alle diese Anforderungen erfüllt. „Ihr Laden ist immer gelaufen“, sagt Gimperlein und bedauert die Schließung. „Aber klar. Die Gesundheit geht vor.“

Die Kitzinger Symbolfigur, Hofrat Walter Vierrether, kennt das Gambrinus seit seiner Jugendzeit; damals war es noch eine reine Speisegaststätte. „Rund um den Marktplatz gab es damals noch richtig viele fränkische Wirtschaften, Cafés und Kneipen.“ Warum sind es in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger geworden? „Die Zahl der Amerikaner, die immer mehr abgenommen hat, war der erste Grund“, meint Vierrether. Dazu kam, dass ausländische Gastronomie verstärkt auf den Markt drängte: Nach den Italienern eröffneten auch mehrere Griechen und dann zahlreiche Türken Lokale. Das veränderte das „Ausgeh-Verhalten“ der Kitzinger.

„Mittlerweile ist es außerdem auch so, dass die Leute nicht mehr so oft ausgehen wie früher. Und: Viele Kitzinger sind schon immer eher raus aufs Land gegangen als in der eigenen Stadt zum Essen zu gehen“, bedauert Vierrether.

Zwei große Probleme zählt Vierrether ebenfalls auf: Erstens wolle kaum noch jemand in der Gastronomie arbeiten. „Und zweitens treiben manche Hausbesitzer mit den Mieten oder der Pacht ganz schön Schindluder.“ Vierrether wird deutlich: „Was da zum Teil an Mieten verlangt wird, das ist verrückt; nach Abzug der Fixkosten ist nichts mehr verdient.“

Gemischte Gefühle

Petra Andres beendet ihre Gastro-Laufbahn mit gemischten Gefühlen. „Einerseits bin ich natürlich traurig. Andererseits muss ich den Tatsachen ins Auge sehen. Und ich bin froh, dass keiner meiner Mitarbeiter jetzt arbeitslos ist.

Sie habe auch stets auf die Unterstützung ihrer Familie bauen können, denkt Petra Andres dankbar zurück. Vor allem ihre Mutter Elly ist ihr Vorbild: „Sie ist jetzt 89, fleißig, ehrlich und hat das Herz auf dem rechten Fleck. Ich schaue sie an und weiß, dass es immer irgendwie weitergeht.“

Flohmarkt: Alles muss raus

Verkauf: Gläser, Tassen, Löffel, Messer, Kissen, Tische, Stühle: Am Samstag, 29. Februar, verkauft Petra Andres von 10 bis 16 Uhr das Inventar des Bistros Gambrinus, dessen Name auf einen legendären König zurückgeht, der als Erfinder des Bierbrauens gilt. Neben allerlei Accessoires, den Sofas und Sitzgruppen im Innenbereich sind auch acht Tische und 40 Stühle für den Außenbereich zu haben. Infos: Telefon 09321/ 22533.

Abschiedsfeier: Am selben Tag, ab 18 Uhr, wird Abschied gefeiert. Petra Andres lädt ehemalige und aktuelle Mitarbeiter, Stammgäste und Freunde zu einem letzten Kaffee im Bistro Gambrinus ein. (LDK)

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