KITZINGEN/WÜRZBURG

Der Geschmack der Gerechtigkeit

Durch fairen Handel lassen sich langfristige Projekte in Ländern wie Tansania aufbauen.
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Sie sind auf den Geschmack gekommen und engagieren sich für einen fairen Handel: Rita Pfister von Döllen, Lukas Komba, Elisabeth Bachleitner, Karin Post-Ochel, Sieglinde Schraut und Klaus Veeh. Foto: Foto: Ralf dieter

Leckeren Kaffee trinken und dabei was Gutes tun? Kein Problem: In den „Eine Welt Läden“ ist das möglich. Wie das Konzept funktioniert, erklärten Klaus Veeh und Lukas Komba kürzlich in Kitzingen.

Komba ist Pfarrer in der Pfarrei Utiri in der Diözese Mbinga. Die liegt im Süden Tansanias, an der Grenze zu Mosambique. Gemüse wird dort angebaut, Mais, Reis und Weizen. Alles hauptsächlich für den Eigenbedarf. Handel treiben die Menschen dort vor allem mit Kaffee. Die Kooperation mit dem „Würzburger Partnerkaffee e.V“ bringt den Menschen vor Ort Vorteile. Finanzielle und infrastrukturelle.

Kooperative mit rund 200 Familien

17000 bis 19000 Tonnen Rohkaffee werden pro Jahr in der Region erzeugt. Die größte Menge gelangt auf den Weltmarkt. 2000 bis 2500 Tansanische Schilling pro Kilo erhalten die Bauern dafür. Den Genossenschaftsbauern in Pfarrer Kombas Diözese geht es deutlich besser. „Die Kleinbauern, mit denen wir zusammenarbeiten, haben sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen“, erklärt Klaus Veeh vom Würzburger Partnerkaffee e.V. Etwa 200 Familien umfasst diese Kooperative, rund 1800 Mitglieder.

300 Tonnen Rohkaffee produzieren sie in einem durchschnittlichen Jahr. „Beste Qualität“, wie Veeh versichert. Etwa 60 Prozent nimmt der Würzburger Verein ab und verkauft ihn über die Eine-Welt-Läden und andere Vertriebspartner in ganz Deutschland. „Wir zahlen den Bauern auf jeden Fall 20 Cent über dem Weltmarktpreis“, erklärt Veeh. Im Moment erhalten sie für ihr Fair Trade-Produkt rund 4000 Tansanische Schilling pro Kilo.

Investitionen in Bildung

Nicht der einzige Vorteil, den die Vertragspartner in Tansania haben. Mit jedem verkauften Kilo Röstkaffee erwirtschaften die Vertriebspartner in Deutschland einen Solidarbeitrag. Der lag zuletzt bei 76 Cent. Klingt wenig, macht bei einer verkauften Menge von rund 70 Tonnen pro Jahr aber eine Summe, die sich sehen lassen kann: 50597 Euro kamen im letzten Jahr zusammen und können jetzt wieder an verschiedene Hilfsprojekte vor Ort ausgeschüttet werden.

„Wir investieren beispielsweise in Schulen und Kliniken“, erklärt Lukas Komba, der selbst Schulleiter der diözesanen Berufsschule ist und dort für rund 240 Auszubildende verantwortlich zeichnet. Die jungen Menschen werden in den Bereichen KfZ, Spenglerei, Sanitär und Elektro ausgebildet. Dank der Kaffee-Kooperative können sie mit einem zukunftsträchtigen Berufsabschluss ins Leben starten.

Abnehmer im Landkreis

Weitere Gelder fließen in die Renovierung der Mutter-Kind-Station im Ruanda Mission Hospital oder in die Wasserversorgung für eine Krankenpflege- und Laborschule. „Den Bauern in unserer Kooperative geht es auch dank dieser Projekte besser als den anderen Bauern in der Region“, sagt Komba. Wohin das Geld fließt, entscheiden die zwölf Vereinsmitglieder des Würzburger Partnerkaffee e.V., zu denen unter anderem der Katholische Frauenbund, die KJG und die Missionsbenediktiner in Münsterschwarzach gehören.

Karin Post-Ochel hat die Diözese Mbinga bereits besucht. Ihre Erfahrung: Die Bauern der Kooperative sind stolz auf ihre Produkte, die in Europa so gut ankommen. Auf Produkte, für die sie hart arbeiten. „Sie können sich deshalb zurecht als gleichberechtigte Partner fühlen und keinesfalls als Almosenempfänger“, erklärt sie. Pfarrer Komba spricht aufgrund der Kooperation auf Augenhöhe deshalb auch von einem „Geschmack der Gerechtigkeit“.

Diese Gerechtigkeit wollen etwa 40 freiwillige Helfer im Kitzinger Eine-Welt-Laden in der Oberen Kirchgasse weiter verbreiten. Neben vielen Stammkunden sind auch die Stadt Kitzingen und die Abtei Münsterschwarzach Abnehmer der Produkte. „Auch das Dekanatszentrum und verschiedene Abteilungen im Landratsamt gehören dazu“, freut sich Sieglinde Schraut. Der Verkauf sei aber durchaus ausbaufähig. Schraut kann sich beispielsweise vorstellen, dass alle Schule im Landkreis mitmachen und weitere Großabnehmer folgen. Damit noch mehr Menschen auf den Geschmack der Gerechtigkeit kommen.

Fakten

Geschichte: Der Würzburger Partnerkaffee e.V. setzt sich seit 1998 für die Rechte seiner Partnerinnen ein, die auf ihren Kaffeefeldern in Tansania arbeiten.

Die Vereinsmitglieder: Bund der Deutschen Katholischen Jugend; Caritasverband; Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW); Diözese Würzburg; Evangelisches Dekanat Würzburg; Initiative Eine Welt e.V.; Katholischer Deutscher Frauenbund; Kongregation der Schwestern des Erlösers; Missionsbenediktiner Münsterschwarzach; Missionsärztliches Institut Würzburg; M.W.A.N.Z.A e.V; Stadt Würzburg.

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