KITZINGEN

Der ganze Landkreis als Lernort

Schulen, Musik, Natur, Kunst: Das Bildungsangebot ist groß, aber nicht alles ist bekannt; und es fehlt die Vernetzung. Ein Bildungsmanagement soll sie schaffen.
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Sachgebietsleiterin Renate Moller mit Frank Goßmann, der für das Bildungsmonitorin zuständig ist, und Dr. Fabian Endres, Projektleiter für Bildungsmanagement im Landkreis Kitzingen. Foto: Foto: Daniela Röllinger
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Bildung ist mehr als nur Schule. Bildung ist lebenslanges Lernen, vom Kleinkind bis zum Senior, in unterschiedlichsten Themenbereichen. Im Landkreis Kitzingen gibt es bereits ein großes Angebot und das soll jetzt weiter gestärkt werden. Dafür baut der Kreis ein kommunales Bildungsmanagement auf.

Zwei Männer richten ihren Blick seit einigen Monaten ganz besonders auf die Bildung im Landkreis Kitzingen. Frank Goßmann ist zuständig für das Bildungsmonitoring, Dr. Fabian Endres für das Bildungsmanagement. Sie wurden angestellt, nachdem der Kreistag entschieden hatte, dass sich der Landkreis dem Förderprogramm „Bildung integriert“ anschließt. Welche Angebote gibt es bereits, wie kann man sie vernetzen und verbessern und wie die Bürger darüber informieren? Antworten auf diese Fragen zu finden, ist das Ziel.

Zuerst Daten sammeln

In einer ersten Tabelle hat Frank Goßmann zusammengestellt, welche Bildungsangebote es bereits gibt. Schulen, Volkshochschulen, Kindergärten, Musikschulen, Museen und Vereine sind darin aufgelistet. Die Zahl ist beachtlich: 1600. Wobei allerdings noch geprüft werden muss, ob es beispielsweise alle Vereine überhaupt noch gibt, oder ob zusätzliche Angebote vorhanden sind, die bisher kaum öffentlich bekannt sind.

„Wir haben wahnsinnig viele Bildungsprojekte“, sagt Renate Moller, die als Sachgebietsleiterin am Landratsamt unter anderem für Schulen und kulturelle Angelegenheiten zuständig ist. Man sei breit aufgestellt, die Inhalte seien vielfältig. Was aber fehlt, ist ein Überblick: Wer macht was und wie macht er es? Dafür wird nun eine Datenbank erstellt. Einfach ist das nicht, denn es gibt viele verschiedene Zuständigkeiten, viele Anbieter: Landkreis, Kommunen, Kirchen, Vereine, Organisationen. Und auch die Themengebiete sind völlig unterschiedlich, mal geht es um den sozialen Bereich, mal um die Wirtschaft, mal um Kultur, mal um die Natur... „Viele Daten sind öffentlich zugänglich“, sagt Frank Goßmann, andere müssen noch erhoben werden. Er sammelt die Daten, analysiert und interpretiert sie.

Fabian Endres arbeitet mit ihm Hand in Hand. Er ist dafür zuständig, dass die gewonnenen Erkenntnisse auch wirksam werden. „In diesem Jahr werden wir das Übergangsmanagement analysieren“, nennt er ein erstes Projekt. Da geht es um den Wechsel vom Kindergarten zur Schule, von der Grundschule in die weiterführende Schule, von der Schule ins Arbeitsleben oder das Studium. Wie werden die Kinder beim Übergang vom Kindergarten in die Schule an die Hand genommen? Besuchen ihre künftigen Lehrer die Kindergärten? Kommen die Kinder schon vor Schulbeginn mal zu Besuch in die Schule? Wie lange und was machen sie dort? „Es wird schon viel gemacht“, so Endres, aber was genau, weiß oft nur der örtliche Kindergarten beziehungsweise die Schule. An manchen Orten gibt es eine enge Zusammenarbeit, an anderen womöglich so gut wie gar keine.

Aufs Leben vorbereiten

Auch das Ende der Schullaufbahn soll genauer beleuchtet werden. Aus dem Jugendkreistag kam der Hinweis, dass sich die Jugendlichen unzureichend auf „das Leben danach“ vorbereitet fühlen. Da geht es um Dinge wie Versicherungen, Handyverträge, Budgeteinteilung, Hauswirtschaft. „Da gehören praktische Sachen dazu, mit denen man vermeiden kann, in die Sozialhilfe abzurutschen“, so Endres.

Die eingeholten Informationen vergleichen, Erfahrungen austauschen, in Zusammenarbeit mit den Fachstellen Handlungsempfehlungen erarbeiten und aussprechen, das Angebot verbessern – das will das Bildungsmanagement erreichen.

Auch wenn die meisten bei Bildung am ehesten an Schule und Universität denken: In den Bereich fällt viel mehr, wie beispielsweise auch Museen und Bibliotheken. In fast jeder der 31 Gemeinden gibt es ein Museum, sagt Fabian Endres. 20 Bibliotheken versorgen die Bürger mit Lesestoff. Als sehr interessant für die Bürger bezeichnet er auch das Vereinsleben. „Die Vereine machen viele Bildungsangebote.“ Endres pickt zwei Punkten heraus: Im Sport kann man sich zum Trainer und Betreuer ausbilden lassen, im Obst- und Gartenbau lernt man viel über Natur und Ernährung. Und egal, welchem Thema sich der Verein verschrieben hat: „Auch Sozialverhalten lernen die Menschen dort.“

Im eigenen Ort kennt man all diese Einrichtungen, im Nachbarort vielleicht schon nicht mehr und am anderen Ende des Landkreises gar nicht. „Diese Informationen wollen wir über ein Bildungsportal zugänglich machen“, so Endres, über ein niederschwelliges Angebot, das einfach zu handhaben ist. Goßmann, Endres und Moller erfahren immer wieder Neues bei ihrer Arbeit. „Die Vielfalt der Museen hat mich überrascht“, sagt der aus dem Kreis Würzburg stammende Frank Goßmann. „Wie vital die Büchereien sind und wie viele Ehrenamtliche sich da engagieren“ hat Fabian Endres erstaunt. Renate Moller ist aufgefallen, wie groß die Zahl der Bildungsangebote ist, die der Landkreis selbst bereithält – vom Wegweiser 60+ über die Familienstützpunkte und den Umweltbereich. „Bildungsprojekte wurden schon immer mit breiter Mehrheit beschlossen und es wurden viele Mittel dafür zur Verfügung gestellt“, betont sie. Es sei wichtig, nach außen sichtbar zu machen, was man alles leiste.

Das Bildungsportal, das nach und nach aufgebaut und zunächst auf der Landkreis- und dann auf einer eigenen Homepage zu sehen sein wird, soll diese Plattform bieten – dem Landkreis selbst, aber auch allen anderen Anbietern. Eine Pflicht, auf Museen und Bibliotheken hinzuweisen, hat der Landkreis nicht, das ist eher eine freiwillige Leistung, in die zu investieren wichtig ist. Denn, so sagt Landrätin Tamara Bischof: „Unser Ziel ist es, dass alle Bürger die vielfältigen Bildungsangebote im Landkreis kennen und sie auch nutzen.“

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