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KITZINGEN

Der Alibi-Burger vom Blech

Die Fasten-Redaktion begibt sich auf unsicheres geschmackliches Terrain - und einer macht tatsächlich Sport.
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Mit ein bisschen Fantasie ist die Ähnlichkeit zu einem Big Mac auf jeden Fall zu erkennen. Foto: Foto: Nina Grötsch
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Der Traum von der Nudel und der Alptraum vom Brokkoli – in der Fastenredaktion liegen sie ganz nah beieinander. Und so erweisen sich manche Mitglieder der Fastenredaktion als ganz schön erfinderisch, um bei der Stange zu bleiben.

Diana Fuchs (Nur regionale Produkte): Normalerweise läuft es beim Einkaufen ja so: Man legt die Waren, auf die man Lust hat, in den Korb, bezahlt –- und fertig. Doch ich bin ja Mitglied einer Fastenredaktion und habe mir vorgenommen, nur Produkte aus einem 50-Kilometer-Radius zu konsumieren. Da steht man manchmal ganz schön blöd am Regal rum: Woher kommt der Rundkornreis, aus dem wir sonst immer Milchreis machen? Gibt es Lasagne-Platten auch aus heimischer Produktion? Und das Futter für die Katze – woher ist das eigentlich? Oft hilft erst ein Blick aufs allwissende Handy – wobei das, streng genommen, ja auch schon gegen die Fastenauflage verstößt. Die meisten Teile meines Mobiltelefons stammen mit Sicherheit nicht aus Franken… Aber irgendwo muss man ja mal einen Punkt machen. Ich habe also online herausgefunden, dass Reis nicht nur in Asien und Afrika, sondern auch in Teilen Südeuropas angebaut wird. Nähere Bezugsorte gibt es aber nicht – womit der Reis also von der Speisekarte gestrichen ist.

Nach langem Suchen habe ich aber zumindest einen Hofladen ganz in der Nähe gefunden, der auch Plattnudeln herstellt – juchhu, die nächste Lasagne rückt damit in greifbare Nähe. Und was unser Katzenfutter angeht: Da hab‘ ich den Hersteller unseres Vertrauens mal angeschrieben. Bis ich Bescheid weiß, muss unser Schlitzohr halt mal wieder auf Mäusejagd gehen. Die kleinen Nager sind garantiert frisch aus der Region…

Nina Grötsch (wenig Kohlenhydrate): Die Gelüste sind da! Hätte ich heute drei – oder sagen wir gleich mal vier – Wünsche frei, wüsste ich sofort, was ich mir wünschen würde: einen Burger mit fluffigem Brötchen, eine köstlich braun gebackene große Laugenstange mit Hackepeter, eine Pizza mit stinknormalem Boden aus Weizenmehl und eine riesige Portion Nudeln mit Gorgonzola-Soße. Aktuell befinde ich mich in einem Zwischentief. Wenn ich mich im Supermarkt dem Gemüseregal nähere, sehe ich die Brokkoli-Köpfe schon auf- und abhüpfen. Dass ich noch nicht von ihnen träume, ist alles. Mir ist das gerade alles viel zu gesund. Mir fehlt mein geliebtes Fast Food. Wie gut, dass ich Freundinnen habe, die einen per WhatsApp mit LowCarb-Rezepttipps versorgen (während sie vermutlich gerade genüsslich in einen echten Burger beißen). Eine BigMac-Rolle wurde mir empfohlen. Als „Zwilling“ des Originals wäre die Kreation aus Quark, Eiern und geriebenem Käse nicht durchgegangen, aber meine verkümmerten Geschmacksnerven haben tatsächlich triumphiert und meine Gelüsten vorübergehend eingedämpft.

Ralf Dieter (Mehr Sport): Jetzt weiß ich endlich, wie sich Frauen mitunter fühlen. „Was ziehe ich bloß an?“, habe ich mich gefragt und ratlos in meinen restlos überfüllten Kleiderschrank geschaut. Alles mögliche liegt dort mehr oder weniger geordnet. Die Sportsachen allesamt weit hinten oder ganz oben in den Regalen. Unsichtbar, quasi unerreichbar. Logisch, dass sich die Klamotten beleidigt ins letzte Eck verkrochen haben, so lange wie ich keinen Sport mehr gemacht habe. Aber jetzt war es so weit! Männersport im Heimatort. Die lange Ankündigung in eine heroische Tat umgesetzt. Was bin ich stolz auf mich. Etwa 45 Minuten Rückentraining und Kräftigungsübungen mit Hanteln und Tera-Bändern. Dann 30 Minuten Volleyball. Mein Körper war anfangs verdutzt, dann ein wenig bockig. Am Ende hat er sich auf das Abenteuer eingelassen. „Übermorgen wirst Du ganz schön Muskelkater haben“, meinte Kursleiter Wolfgang bei der Verabschiedung. Er sollte nicht recht behalten. Der Muskelkater plagte mich schon am nächsten Morgen beim Aufstehen.

Daniela Röllinger (Nichts Süßes): Ich habe liebe Kinder. Fürsorglich sind sie. Sie teilen gern mit mir. Zum Beispiel ihre Gummibärchen. Erst streckt der eine mir seine Hand entgegen, auf denen ein paar der bunten, süßen Dinger liegen. Wenig später macht der andere unabhängig davon – er war vorher nicht im Raum – genau das Gleiche. Ich schüttle beide Male stumm den Kopf. Da fällt es ihnen wieder ein: Mama nascht ja gerade nichts.

Ihnen kann ich es ja verraten: Sie macht es doch. Wenn auch nichts Süßes. Auch keine Chips und keine Erdnüsse – das fällt leicht, denn die kann ich sowieso nicht leiden. Aber wenn ich koche, klaue ich mir ab und an ein winziges Stückchen von dem, was dann im Kochtopf landet. Nur so viel natürlich, dass es nicht wirklich als was zu essen zählt. Ein kleines Eckchen von der Karotte zum Beispiel. Genüsslich knuspern. Den süßlichen Geschmack entdecken. Oder ein Mini-Würfel Schinken für die Schinkennudeln. Ganz langsam und ausführlich lutschen, kauen, genießen. Wie salzig der schmeckt... Das fällt beim „normalen“ essen so stark gar nicht auf. Ich entdecke die Geschmäcker wieder. Naschen ohne zu naschen kann aufregend sein.

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