KITZINGEN

"Das wäre ein Paukenschlag für die Region"

Verkehrsclub Deutschland setzt sich für die Reaktivierung der Mainschleifenbahn und der Steigerwaldbahn ein.
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Nicht nur im übertragenen Sinne eine Lücke im Öffentlichen Nahverkehr: Die Gleise der Steigerwaldbahn sind von Unkraut überwuchert, an manchen Straßenübergängen sind sie sogar schon abgebaut. Foto: Foto: Josef Schäfer (Archiv)
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Ist der Zug schon abgefahren? Nach Ansicht der Kitzinger Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland nicht. Sie setzen sich für eine Reaktivierung der Mainschleifenbahn und der Steigerwaldbahn ein. Insgesamt sei die Bahn „das Rückgrat des Öffentlichen Personennahverkehrs“.

Viele tausend Autos queren jeden Tag in verschiedenen Orten die Gleise, die durch den östlichen Landkreis Kitzingen von Etwashausen über Wiesentheid und Prichsenstadt nach Gerolzhofen und von dort nach Schweinfurt führen. Auf herannahende Züge müssen sie dabei schon lange nicht mehr achten, seit Jahren zieht keine Lok mehr Waggons über die Strecke. Die Gleise sind von Unkraut überwuchert.

Eine Situation, die dem Verkehrsclub Deutschland nicht gefällt – und nicht nur ihm. Während viele Gemeinden, sowohl im Landkreis Kitzingen als auch im Landkreis Schweinfurt, die Freistellung der in ihrem Bereich liegenden Streckenteile vom Bahnverkehr beantragt haben, scheint zumindest teilweise ein Umdenken eingesetzt zu haben. Die Gerolzhöfer Stadträte haben einen zunächst gefassten Beschluss zur Entwidmung wieder aufgehoben. Eine Potenzialanalyse soll Klarheit bringen, wie die Strecke genutzt werden könnte.

Das Landratsamt Schweinfurt hält am Montag, 28. Januar, eine öffentliche Konferenz zur möglichen Reaktivierung der Steigerwaldbahn ab, um ein fundiertes Meinungsbild der Region zu erhalten. Dabei werden zwei Gutachten vorgestellt. Gegner und Befürworter haben gleichermaßen die Möglichkeit, sich zu äußern.

Der VCD freut sich über diese Entwicklung. „Es ist ein Umdenken im Gang“, ist Frank Hufnagel von den Grünen, überzeugt. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Gruppe Kitzingen im VCD macht er sich für eine Reaktivierung der Bahnstrecken im Landkreis Kitzingen stark. Zumal die Zahl der „Reisendenkilometer“ die für eine Reaktivierung ein wichtiges Entscheidungskriterium ist, zumindest zwischen Schweinfurt und Gerolzhofen groß genug wäre, um die Strecke wieder in Betrieb zu nehmen. Der Reisendenkilometer ist ein Bewertungsmaßstab, bei dem die Zahl der täglichen Fahrgäste mit der jeweils zurückgelegten Distanz im Verhältnis zur Gesamtlänge der Strecke gewichtet wird.

Angesetzt wird von der Politik für eine Reaktivierung die Zahl 1000. Eine Analyse kommt für die Teilstrecke auf 1400 Reisendenkilometer, für den Bereich zwischen Gerolzhofen und Etwashausen liegt die Zahl niedriger. Bruder Julian Glienke von der Abtei Münsterschwarzach ist aber überzeugt, dass viele Bürger nicht nur den Streckenabschnitt Schweinfurt – Gerolzhofen nutzen würden. „Das wirkt sich auch auf den anderen Teil zwischen Gerolzhofen und Kitzingen aus.“

„Die Steigerwaldbahn liegt günstig“, findet Dr. Christian Loos, stellvertretender Vorsitzender des VCD Mainfranken-Rhön, zu dem die neu gegründete VCD-Gruppe Kitzingen gehört. Sie sei von den Bürgern der anliegenden Orte leicht zu erreichen, könnte effizient genutzt werden, mit moderner Technik. Das gelte für die gesamte Strecke, nicht nur von Gerolzhofen nach Schweinfurt, sondern auch von Etwashausen nach Gerolzhofen. Deshalb sei es auch wichtig, jetzt nichts zurückzubauen.

Die Zahl der Reisendenkilometer sieht für die zweite Strecke, die im Landkreis reaktiviert werden könnte, die Mainschleifenbahn, nicht ganz so gut aus. Hier geht die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft davon aus, dass der nötige Wert nicht erreicht wird. Diese Hürde werde aber sehr wohl überschritten, wenn die Netzwirkung berücksichtigt wird, also die Tatsache, dass die Fahrgäste auf anderen Strecken weiterfahren beziehungsweise schon mit Bussen zum Bahnhof nach Astheim kommen, argumentiert der VCD. Zur Abtei kämen beispielsweise viele Schüler, Mitarbeiter und Gäste, die die Mainschleifenbahn nutzen könnten, erklärt Bruder Julian. Auch der Tourismus im Landkreis würde profitieren, wenn es einen regelmäßigen Bahnverkehr zwischen Volkach und Würzburg gäbe. Berücksichtigt werden müsse außerdem, dass immer mehr Menschen E-Bikes nutzen. „Das erweitert den Radius von Haltepunkten enorm“, so Christian Loos.

Frank Hufnagel betont, dass es bei den Entscheidungen über den ÖPNV und die Reaktivierung von Bahnstrecken nicht nur um die Gegenwart und die ganz nahe Zukunft gehe, sondern um Entwicklungszeiträume. „Wie wird unser Alltag in 20 Jahren aussehen? Was wollen wir dann haben?“ – dies gelte es zu überlegen. „Denn jetzt und hier werden die Weichen für 2035 gestellt.“

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