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Das Netz an Säulen wird dichter

Die Zahl der Ladestationen für E-Autos steigt auch im Landkreis. Doch nicht überall, wo eine Säule steht, darf man auch tanken.
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Zwei neue öffentliche E-Ladesäulen gibt es seit Anfang des Jahres in Mainbernheim – eine am Schießhausplatz (Bild) und eine am Bauhof (Ortseingang von Kitzingen kommend links). Eine Dritte befindet sich schon seit Jahren mitten in der Altstadt. Foto: Foto: Daniela Röllinger

Wo gibt es im Landkreis Kitzingen E-Ladestationen? Eine einfache Frage, aber keine einfache Antwort. Im Internet sind verschiedene Karten zu finden, auf manch einer tauchen Tankstellen auf, auf anderen fehlen sie. Teilweise ist nicht ersichtlich, ob die Stationen öffentlich zugänglich sind oder nicht. Hürden, die es E-Autofahrern unnötig schwer machen – und das, obwohl immer mehr Autofahrer auf Strom setzen.

60.953 Pkw gibt es im Landkreis Kitzingen. 203 davon sind reine Elektro-Autos. Im Vergleich ist die Zahl der E-Autos damit noch immer verschwindend gering, allerdings zeigt der Blick in die Statistik einen deutlichen Anstieg: Ende 2017 gab es 123 reine E-Autos im Landkreis. Bundesweit ist die Tendenz noch viel deutlicher: 2019 wurden in Deutschland mit rund 63.300 so viele Pkw mit reinem Elektroantrieb neu zugelassen wie nie zuvor. Damit hat sich die Anzahl der Neuzulassungen von E-Autos seit 2015 nahezu verdreifacht.

Wer sein Auto mit Strom antreibt, braucht Tankstellen. „Am meisten lädt man in der Regel zuhause, da das meist am günstigsten ist“, sagt Lothar Pfeuffer, der seit Jahren begeistert E-Auto fährt. „Viele laden auch gerne aus ihrer eigenen Photovoltaik-Anlage.“ Ist man auf Alltagsstrecken unterwegs, kenne man die öffentlichen Lademöglichkeiten in kürzester Zeit, so der Kitzinger. Verlässt man bekanntes Terrain, wird es schon schwieriger. Selbst wer sich nur über den Landkreis Kitzingen informieren möchte, tut sich mit einem Überblick schwer.

Dem Ladeatlas Bayern zufolge gibt es in der Stadt Kitzingen zehn Ladestationen: Vier im Innopark, fünf in der Innenstadt und eine im Gewerbegebiet Goldberg. Die gleiche Zahl wird im E-Tankstellen-Finder genannt, allerdings sind hier acht Ladesäulen im Innopark und zwei in der Altstadt auf der Karte markiert. Auf der Karte von goingelektric sind zwei im Innopark, eine in der Kaltensondheimer Straße und fünf in der Innenstadt verzeichnet. Und der Ladeverbund plus zeigt lediglich drei Ladesäulen für Kitzingen an. Die Station auf dem Gelände des Amtes für Landwirtschaft ist in keiner der genannten Karten verzeichnet. Auch für den restlichen Landkreis gehen die Angaben auseinander. In Mainbernheim gab es bislang eine E-Ladesäule mitten in der Altstadt. Abgesehen vom Ladeverbund plus ist diese auch auf den genannten Karten verzeichnet. Noch nicht ersichtlich ist dort dagegen, dass es seit Anfang des Jahres zwei weitere Ladesäulen in Mainbernheim gibt. „Die Nachfrage war vorhanden“, sagt Helmut Fink vom Elektrizitätswerk Mainbernheim, „manche Leute haben gesagt, sie können ihre Autos hier nicht laden“. Dazu haben sie ab sofort nicht nur inmitten der Altstadt Gelegenheit, sondern auch auf dem Parkplatz am Schießhausplatz sowie auf dem Parkplatz am Bauhof am Ortsausgang Richtung Kitzingen. Beide Ladesäulen sind frei zugänglich und ermöglichen eine Ladeleistung von 22kW (Typ 2 Stecker). Je nach Fahrzeug können somit bei der Ladung pro Stunde zwischen 100 und 150 Kilometer Reichweite wieder aufgeladen werden, informiert das E-Werk. Die Freischaltung ist per SMS oder per RFID-Karte des Emobilitätsproviders möglich.

Vor allem neue E-Auto-Besitzer müssen sich erst mit der Freischaltung an den verschiedenen Ladestationen, die es in Deutschland gibt, auseinander setzen. Wie es gehen kann, mache Tesla vor, sagt Lothar Pfeuffer: „Hier identifiziert sich das Fahrzeug über den Stecker.“ Bei fast allen anderen Fahrzeugen brauche man noch SMS, Karte, Chip oder App. „Das erfordert Planung und wird vom Neuling als kompliziert empfunden.“ Auch der Tarif der Stationen sei nicht immer transparent. Im Stadtgebiet Kitzingen gehe dieser aus leicht verständlichen Aufklebern an den Ladesäulen hervor. „Das ist aber nicht überall so.“

Die Mainbernheimer Ladesäulen wurden öffentlich gefördert und können damit von allen E-Auto-Besitzern genutzt werden. Diese öffentlich geförderten Ladesäulen müssen laut Lothar Pfeuffer 24 Stunden zugänglich und barrierefrei sein. Bei privaten Ladepunkten oder Ladesäulen auf Firmengelände sei das in der Regel nicht möglich. Warum sie dann trotzdem in den Karten verzeichnet sind, ist leicht zu erklären: Bei manchen Karten ist eine Eintragung durch Nutzer möglich. „Leider tragen manchmal engagierte Fahrer die Säulen in Verzeichnisse ein, ohne die Tatsache zu prüfen, ob sie öffentlich sind oder nicht“, bedauert er. Wer diese Säulen dann anfährt, hat Pech: Er darf dort keinen Strom tanken.

Bei neueren Fahrzeugen werden laut Pfeuffer in der Regel Karten mitgeliefert, die Auskunft über die Lademöglichkeiten geben, beziehungsweise das Navigationsgerät zeigt diese an – bei Tesla werde sogar darüber informiert, ob die Ladesäulen frei oder belegt sind. Mit der wachsenden Anzahl von E-Fahrzeugen wird auch das Ladenetz weiter wachsen. Auch im Landkreis Kitzingen sind weitere Ladesäulen geplant. So beschloss der Gemeinderat Willanzheim kürzlich, dass vor dem neuen Gemeinschaftshaus in Hüttenheim eine Säule aufgestellt werden soll.

„Überall da, wo wir uns länger aufhalten, sollten Lademöglichkeiten bestehen“, findet Lothar Pfeuffer und nennt Einkaufszentrum, Bücherei, Schwimmbad, Fitnessstudio, Restaurant, Sporthalle, Veranstaltungsraum, Krankenhaus, Ärztehaus und vor allem Firmen und Betriebe als Beispiele. „Man lädt bei Gelegenheit“, so Pfeuffer: „Gehe ich für eine Stunde in die Stadt, stecke ich das Auto an und gewinne etwa 11 kWh oder 70 Kilometer Reichweite.“

Der Standort ist entscheidend

Eine der meist genutzten Säulen befindet sich vor dem Landratsamt. „Sie wird sehr gut angenommen, ist fast immer belegt“, bestätigt Pressesprecherin Corinna Petzold. Die Säule wurde im August vergangenen Jahres aufgestellt. Es war vereinbart, dass E-Auto-Besitzer dort bis Ende 2019 kostenfrei Strom tanken können. Aktuell werden die Nutzungsdaten ausgewertet. So lange diese Auswertung läuft, kann noch kostenlos getankt werden.

Dass die Säule so gut angenommen wird, liegt nicht nur am noch kostenfreien Tanken, sondern auch am Standort. Werde ein Ort gewählt, an dem es keine öffentlichen Einrichtungen oder Geschäfte gebe, würden die Säulen nicht so gut angenommen, argumentiert Lothar Pfeuffer. „Wer will schon einsam im Gewerbegebiet stehen und warten?“ Den Platz vor dem Landratsamt lobt er deshalb ausdrücklich. Statt die Säule einfach auf dem Parkplatz hinter dem Landratsamt zu verstecken, seien für die optimale Platzierung an einem öffentlich sichtbaren Standort Mehrkosten in Kauf genommen worden. Eine Entscheidung, die nicht nur Lothar Pfeuffer freut, sondern auch die zunehmende Zahl der E-Auto-Fahrer.

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