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KITZINGEN/MÜNCHEN

Auszeichnung für eine „super Netzwerkerin“

Besonderes Augenmerk für sozial Schwächere: Astrid Glos erhält in München die Verdienstmedaille in Silber.
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Astrid Glos erhält die Verfassungsmedaille in Silber von Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Foto: Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag, Rolf Poss
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Sie war total überrascht, als die Meldung kam. „Mit so etwas rechnet man ja nicht“, sagt Astrid Glos. Gestern hat sie in München die Verfassungsmedaille in Silber von Landtagspräsidentin Ilse Aigner überreicht bekommen.

Anfang Dezember ist die Nachricht im Hause Glos eingetroffen. „Schön, dass da jemand an mich gedacht hat“, kommentiert die studierte Betriebswirtin, die sich in verschiedenen Verbänden, Vereinen und Institutionen zum Wohle der Allgemeinheit einbringt. „Frau Glos hat sich durch ihr langjähriges soziales, kommunalpolitisches und kulturelles Engagement in der Stadt und im Landkreis Kitzingen große Verdienste erworben“, sagte Aigner im Senatssaal des Maximilianeums. Tatsächlich ist die 62-Jährige in vielerlei Hinsicht aktiv. Ihre Motivation? „Die Mitmenschen sind mir wichtig“, sagt sie. „Ich höre gerne zu und versuche dann, nach Lösungen zu suchen.“

Eine Art Initialzündung für ihr soziales Engagement erlebte sie in der Jugend. Nach der Konfirmation kam die Frage auf, wer sich künftig sozial engagieren wolle. Astrid Glos meldete sich – und hat einmal in der Woche im Kindergarten ausgeholfen. „Ich brenne für verschiedene Sachen“, sagt die Kitzingerin. An ihrem Lebenslauf lässt sich das leicht nachweisen. Von 1998 bis 2017 war Astrid Glos Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der Arbeiterwohlfahrt. Ein Gefährte der ersten Stunde ist der heutige Vorsitzende des Kreisverbandes, Gerald Möhrlein. „Astrid Glos sagt deutlich ihre Meinung und kämpft vehement für die Dinge, die ihr wichtig sind“, erklärt er. Sie engagiere sich in vielen Bereichen, beispielsweise als Schriftführerin im Kreisverband, und sei super vernetzt. „Vor allem ist sie sich nie zu schade, mit anzupacken“, freut sich Möhrlein. Beim Auf- und Abbau von Festivitäten sei Glos immer vorne dran. Kein Wunder, dass Ilse Aigner die Arbeit von Glos für die AWO lobte. „Sie hat dort immer wieder bleibende Akzente gesetzt.“

Seit 2006 ist sie Mitglied im Kirchenvorstand der evangelischen Stadtkirche Kitzingen und leitet seit 2011 das Kitzinger Arbeitslosenfrühstück. Petra Hösch von der Diakonie in Kitzingen erinnert sich an diese Anfangszeiten, als gemeinsam Gottesdienste gestaltet wurden. „Sie ist eine super Netzwerkerin“, urteilt sie über die Geehrte. Glos sei immer offen für neue Impulse und Ideen und verfolge immer das Ziel, dass sich in Kitzingen etwas bewegt – gerade für die sozial Schwächeren.

Darüber hinaus ist die 62-Jährige kommunalpolitisch tätig. Seit 2008 ist sie Mitglied des Kitzinger Stadtrats, in dem sie derzeit als Vorsitzende der SPD-Fraktion fungiert und seit 2014 auch als Kreisrätin.

„In all ihren Tätigkeiten und Aufgaben gilt ihr besonderes Augenmerk den sozial Schwächeren, vor allem den jungen Menschen, Frauen und Familien“, so Aigner. In diesem Sinne hat sie auch den Vorsitz des Fördervereins der St.Hedwig-Grundschule übernommen und entscheidend daran mitgewirkt, dass ein offener Ganztag eingerichtet wurde. „Das war uns ganz wichtig“, sagt Glos. Schulleiterin Andrea Lorey bezeichnet Glos als „starke Persönlichkeit, die sich der St. Hedwig Grundschule sehr verbunden fühlt.“ Sie habe eine Hausaufgaben- und Mittagsbetreuung eingeführt, als in Kitzingen davon noch keine Rede gewesen sei. „Ihr lagen und liegen schon immer die Schwächsten in der Gesellschaft am Herzen“, betont Lorey und erinnert daran, dass Glos über die Hausaufgabenbetreuung zunächst für bedürftige Kinder sorgte und die Mittagsbetreuung an der Schule weiter entwickelte. Als Integrationsbeauftragte der Stadt kümmerte sich Glos in der Zeit der Flüchtlingswelle um die kostenlose Aufnahme der Kinder in die Mittagsbetreuung. „Astrid Glos ist eine Frau, die sich im positiven Sinne einmischt und für ihre Vorstellungen kämpft“, lobt Lorey. Ihr Blick richte sich immer auf das, was gebraucht wird – von den Kindern, den Menschen mit Migrationshintergrund und vielen anderen mehr.

Viel Herzblut steckt Glos in das Thema Integration. Als Integrationsbeauftragte des Stadtrats setzt sie sich für die Belange von Ausländern und ein tolerantes Miteinander ein. „Sie übernimmt mit dieser Aufgabe eine wichtige beratende sowie vermittelnde Funktion“, freute sich Landtagspräsidentin Ilse Aigner bei der Preisverleihung. Ohne ein starkes Netzwerk und etliche Mitstreiter wäre all das nicht möglich, weiß Glos. Umso enttäuschter ist sie, dass das Koordinierungszentrum für ehrenamtliches Engagement „WirKT“ vom Bund nicht mehr finanziell gefördert wird. Jetzt hofft sie auf einen höheren Zuschuss aus dem Landratsamt, damit die Arbeit fortgeführt werden kann.

Glos will sich weiter engagieren in den Bereichen, die sie schon seit Jahren ausfüllt. Neue Herausforderungen will und kann die Kitzingerin nicht mehr annehmen. „Meine Ressourcen sind erschöpft“, sagt sie. Ein Wunder ist das nicht, ist sie neben den genannten Aktivitäten noch im Förderverein Fastnachtmuseum, im evangelischen Frauenbund, als Integrationsbeauftragte im Stadtmarketingverein und seit 2019 als Schöffin tätig. Im Arbeitskreis Kultur, Bildung und Tourismus bringt sie sich ebenfalls ein. Wie sie das alles auf die Reihe bekommt? „Das kann nur funktionieren, wenn du zu Hause volle Rückendeckung erhältst“, sagt sie.

Verfassungsmedaille

Wer? Der Bayerische Landtag ehrt mit der Verfassungsmedaille Bürgerinnen und Bürger, die sich aktiv für die Werte der Bayerischen Verfassung engagieren.

Seltene Ehre: Der Bayerische Landtag zeichnete heuer 43 Persönlichkeiten mit der Bayerischen Verfassungsmedaille aus. Vier Mal wird die hohe Würdigung in Gold verliehen und 39 Mal in Silber. Mit den neuen Ordensträgern haben seit 1961 insgesamt 359 Personen die Bayerische Verfassungsmedaille in Gold erhalten, die Verfassungsmedaille in Silber wurde 1198 Mal vergeben. Die Verfassungsmedaille ist damit der am seltensten vergebene Orden des Freistaats.

Die Festansprache hielt in diesem Jahr Prof. Dr. Reinhard Kardinal Marx – selbst Träger der Verfassungsmedaille in Gold – zum Thema „Die Bayerische Verfassung – Orientierung für die Zukunft unseres Landes“.

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