KITZINGEN

Auf zum neuen Ufer

Am Oberen Mainkai in Kitzingen ist schweres Gerät zu bestaunen. Die Arbeiten werden sich bis in den Herbst 2021 ziehen

Artikel drucken Artikel einbetten
Mit einem riesigen Bohrer werden die Löcher tief ins Flussbett des Mains eingebracht. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
+6 Bilder

Am Oberen Mainkai in Kitzingen ist seit einigen Wochen ein ganz besonderer Bohrer bei der Arbeit zu beobachten. Weithin sichtbar ragt er in die Höhe. Für mächtig Trubel sorgt er allerdings unter Wasser.

190 Meter lang ist der Obere Mainkai. Eine Strecke, die in den letzten Jahrzehnten nicht wirklich beachtet wurde. Das Leben spielte sich woanders ab: Am Weinfestplatz und zwischen Alter Synagoge und Main – oder gleich auf der anderen Seite des Mains, am Etwashäuser Ufer. Das soll sich ändern. „Das hier wird mal eine Flaniermeile“, sagt Tobias Haupt, Projektleiter im Stadtbauamt, und deutet auf die Baustelle. Bis es so weit ist, fließt aber noch jede Menge Wasser den Main hinunter.

Vor sechs Jahren ist die Mauer am Oberen Mainkai zum ersten Mal von Tauchern untersucht worden. Die Befürchtungen bestätigten sich: Das Mauerwerk war teils unterspült, einzelne Steine ließen sich leicht und locker herausnehmen. Ende 2013 wurde der Gehweg gesperrt. „Die Gefahr war einfach zu groß“, sagt Haupt. „Wir konnten die Standsicherheit der Mauer nicht mehr garantieren.“

1857 ist die Mauer errichtet worden. Damals musste die Hafenanlage in Kitzingen erweitert werden. Mehr als 150 Jahre später stand die Frage im Raum: Sanieren oder neu bauen? Die Stadträte entschieden sich für einen Neubau, der mit rund vier Millionen Euro reiner Baukosten veranschlagt ist. Zusammen mit den Planungskosten und den Baunebenkosten kommt die Maßnahme auf rund 4,3 Millionen Euro. Etwa die Hälfte der Kosten verschlingen die Arbeiten, die seit Mai diesen Jahres laufen. Kein Wunder: Das Arbeitsgerät ist teuer, der Aufwand ist groß.

Mit einem Tieflader ist das zwölf auf 18 Meter große Ponton an den Oberen Mainkai gefahren worden. Dort wurden die drei Einzelteile zu Wasser gelassen und zusammengeschraubt. Das 70 Tonnen schwere Bohrgerät hat Mitte Mai seinen Arbeitsplatz erhalten. Michael Rech sitzt in seinem Führerhaus und zieht an den Hebeln. Was ein wenig an ein Computerspiel erinnert, ist konzentrierte Arbeit. Fast 400 Bohrlöcher werden der Polier und seine Mitarbeiter in das Erdreich einbringen. Die Hälfte an Land, die andere im Wasser. Nur so kann eine Baugrube entstehen, in der die Arbeiter trockenen Fußes ein neues Mauerwerk errichten können. „Wir schotten den Main quasi von der Baustelle ab“, erklärt Haupt. Und dafür braucht es Experten.

Derzeit treibt Michael Rech den mächtigen Bohrer mit einem Durchmesser von 1,20 Meter mehr als fünf Meter tief in das Flussbett des Mains hinein, mitten durch das Muschelkalkgestein. Fünf solcher Bohrlöcher schafft er an einem guten Tag. Das gehobene Material wird von einem Bagger ans Ufer gebracht, getrocknet und dann auf einen Sammelplatz gefahren, wo es von einem Gutachter auf mögliche Schadstoffe hin untersucht wird.

Die Löcher werden anschließend mit einem Kies-Ton-Gemisch gefüllt, das sich verdichtet. „Da kommen dann die Spunddielen hinein“, erklärt Haupt. Exakter formuliert: Sie werden einvibriert. Die Spunddielen werden so miteinander verwoben, dass der Main die Arbeiter nicht mehr behindern kann. Die aufwändigen Vorarbeiten haben letztendlich nur ein Ziel: Eine frei begehbare und trockene Arbeitsstätte errichten, in der die Arbeiter eine neue Stahlbetonmauer errichten können.

Ende November sollen die Arbeiten auf dem Wasser beendet sein, dann folgen die restlichen Bohrungen an Land. Da muss das rund 70 Tonnen schwere Bohrgerät noch einmal richtig ran. Etwa zehn Meter muss es sich ins Erdreich bohren. Tobias Haupt geht davon aus, dass die alte Mauer Anfang des kommenden Jahres abgerissen werden kann. Ein paar Monate später wird die neue stehen.

Von einer Flaniermeile wird der Obere Mainkai dann immer noch ein ganzes Stück entfernt sein. Im zweiten Bauabschnitt werden Straße und Gehflächen neu gestaltet. Geparkt wird dann entlang der Häuserzeilen und nicht mehr direkt am Ufer. Dort sollen Sitzmöglichkeiten und Bauten, die ein Stück weit ins Wasser ragen, zum Verweilen einladen – analog zum Bereich Weinfestplatz/Alte Synagoge.

Auf insgesamt drei Jahre ist die Bauzeit veranschlagt. Läuft alles wie geschmiert, wird sich die Prognose von Tobias Haupt im Herbst 2021 bewahrheiten. Dann hat Kitzingen eine weitere Flaniermeile, direkt am Main, mit schönem Blick aufs Etwashäuser Mainufer.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren