KITZINGEN

Andrang am Labormobil

Umweltschützer untersuchen Brunnenwasser aus Gärten in Stadt und Landkreis Kitzingen
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Harald Gülzow kann im Labormobil den ph-Wert und den Eisengehalt des Wassers bestimmen. Für umfangreichere Proben werden die Flaschen mit nach Geldern genommen.Fotos: Ralf dieter Foto: Ralf Dieter
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Das Interesse reißt nicht ab. Die Schlange vor dem gelben Mobil wird immer wieder neu aufgefüllt. Die Kitzinger und die Landkreisbewohner wollen wissen, wie es um ihr Grundwasser bestellt ist.

Harald Gülzow steht in seinem Labormobil und analysiert die ersten Flaschen mit Brunnenwasser. Nitrat, Säure- und Salzgehalt kann er auf die Schnelle messen. Die meisten Proben, die an diesem Dienstagnachmittag am Bleichwasen abgegeben werden, sollen jedoch umfangreicher untersucht werden.

„Die meisten Leute wollen wissen, ob sich

irgendwelche Bakterien in ihrem Wasser befinden.“

Harald Gülzow, VSR Gewässerschutz

„Die meisten Leute wollen wissen, ob sich irgendwelche Bakterien in ihrem Grundwasser befinden“, erklärt der Diplom-Physiker. Die Fragen am Infostand wiederholen sich: Lässt sich das Gemüse im Garten mit dem Brunnenwasser gießen? Ist es danach noch genießbar? Kann ich mein Kind oder meinen Enkel getrost im Planschbecken mit dem eigenen Brunnenwasser spielen lassen? Kann ich meine Tiere mit dem Wasser tränken? Oder gibt es irgendwelche gesundheitliche Bedenken?

Nach und nach schreiben die Kunden ihren Namen und ihre Adresse auf einen Zettel. Lennart Hoster nimmt die Daten und die mitgebrachten Wasserproben entgegen. Die werden im Labor im nordrhein-westfälischen Geldern analysiert. „Zwei bis drei Wochen, dann haben Sie Ihr Gutachten in der Post“, sagt Hoster, der ein Jahr Bundesfreiwilligendienst beim VSR-Gewässerschutz e.V. ableistet. Das Gutachten beschränkt sich nicht auf die Aufzählung bestimmter Werte, sondern gibt den Brunnenbesitzern auch Handlungsempfehlungen mit auf den Weg. „Manchmal sind Abwasserrohre veraltet oder der Brunnen selbst nicht mehr in Ordnung“, erklärt Gülzow.

1980 hat sich der Verein gegründet, damals noch unter dem Namen „Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“. Mit der Zeit änderte sich der Arbeitsbereich. Seit 2000 führen Gülzow und seine Mitarbeiter Messfahrten im gesamten Bundesgebiet durch. „Deshalb änderten wir unseren Namen in VSR-Gewässerschutz“, erklärt er.

Im Lauf der Jahre haben Gülzow und seine Mitarbeiter umfangreiche Datenmengen erfasst. „In Franken haben wir bei unseren Messungen immer wieder hohe Nitratbelastungen im Grundwasser festgestellt“, sagt Gülzow und macht dafür Massentierhaltungen und Biogasanlagen verantwortlich. Die führten dazu, dass zu viel Nährstoffe anfallen, die in Form von Gülle und Gärresten auf den Feldern aufgebracht werden.

In Regionen, in denen großflächig Gemüse angebaut wird, kommt es ebenfalls regelmäßig zu Grundwasserbelastungen. „Die Gefahr der Auswaschung von Nitrat ist bei den meisten Gemüsekulturen deutlich höher als bei Weizen oder Mais“, erklärt Gülzow.

Wenn Pflanzen, die nicht vermarktet werden können, auf dem Feld verbleiben und nicht geerntet werden, vergrößert sich der Stickstoffüberschuss noch zusätzlich. Die sogenannten Erntereste wandeln sich bis in den Herbst hinein in Stickstoff um, der im Winter ins Grundwasser ausgewaschen wird.

Für die Verbraucher hat Gülzow einen einfachen Ratschlag: Die Gemüsebauern vor Ort unterstützen, nicht industriell erzeugte Ware kaufen, sondern die Produkte, die vor Ort wachsen. Grundsätzlich habe sich die Nitratbelastung im Boden in den letzten Jahren verringert. Konzentrationen von 400 bis 500 Milligramm pro Liter kämen nicht mehr vor. „Aber 300 Millligramm sind immer noch zu viel“, betont der Umweltschützer. Wie sich die Belastung im Landkreis Kitzingen entwickelt hat, wird er erst in zwei bis drei Wochen sehen. Dann liegen die Ergebnisse aus dem Labor vor.

Und dann werden auch die Brunnenbesitzer im Landkreis wissen, ob ihr Wasser zum Gemüse gießen und zum Befüllen der Planschbecken im Sommer taugt.

Wasserproben können noch bis Ende September an den VSR-Gewässerschutz geschickt werden. Adresse: 47608 Geldern, Egmondstraße 5. Weitere Infos unter www.vsr-gewaesserschutz.de oder Telefon 02831 9763343 sowie E-Mail: Geschaeftsstelle@VSR-Gewaesserschutz.de

Beratung für Brunnennutzer unter Telefon 02831/9763342 jeweils von Mai bis September, immer freitags von 9 Uhr bis 12 Uhr. E-Mail: Brunnen@VSR-Gewaesserschutz.de

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