WILLANZHEIM

Als Mähbinder und Windfegen im Einsatz waren

Noch gar nicht lange her und doch schon fast vergessen: Familie Drobek zeigt am Sonntag beim Dorffest in Willanzheim alte landwirtschaftliche Maschinen und Geräte.
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Neue Freunde alter Landtechnik
In vergangene Zeiten können Besucher des Dorffestes Willanzheim eintauchen: Am Sonntag, 11. August, zeigt die Familie Drobek auf ihrem Hof in der Ortsmitte die Ausstellung „Alte Landtechnik“. Vor einigen Jahren hat die Sammelleidenschaft die beiden Landwirte Ernst und Marcel Drobek gepackt und seitdem erwerben sie immer wieder historische Gerätschaften und Maschinen. Mähbinder, Grasmäher, Futterschneidmaschinen, Windfegen, Pflüge, Eggen und vieles mehr erinnern daran, wie Landwirtschaft in den Zeiten vor der Technisierung betrieben wurde. (len)-> Lokales Seite 16 Foto: Foto: Daniela Röllinger
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Würde einer auf dem hölzernen Sitz Platz nehmen, das nicht mal mannshohe Schneidwerk seitlich herunterklappen und ein Pferd einspannen, die Mahd könnte beginnen. Zumindest theoretisch. Momentan aber ist der Grasmäher aus der Zeit um 1930 zum Anschauen da, und zwar am Sonntag, 11. August, beim Dorffest in Willanzheim. An diesem Tag wird der Hof von Ernst und Marcel Drobek in der Ortsmitte von 11 bis 17 Uhr zum historischen Landmaschinenmuseum.

Wenn heute die riesigen Mähdrescher und Traktoren mit mehrere Meter breiten Mähwerken über Felder und Wiesen fahren, denkt kaum einer mehr an die Zeit von Mähbindern, Windfegen und hölzernen Eggen. Anders Ernst und Marcel. Vater und Sohn sind fasziniert von den Maschinen und Gerätschaften vergangener Tage, von den handwerklichen Fähigkeiten, die man einst hatte in der Landwirtschaft.

„Der Vergangenheit eine Zukunft geben“, ist das Motto der beiden Landwirte. Im Rahmen der Willanzheimer 1275-Jahrfeier stellten sie vor einigen Jahren alte Gerätschaften aus dem Familienbesitz auf ihrem Hof am Ortsrand aus. „Damit war unsere Sammelleidenschaft geweckt“, sagt Ernst Drobek.

Inzwischen stehen in den alten Ställen und Scheunen in der Ortsmitte längst nicht mehr nur der Leiterwagen und andere Maschinen und Geräte, die der Urgroßvater einst benutzte, sondern auch Teile, die früher in Herrnsheim, Großlangheim, Martinsheim, Iphofen, Nenzenheim, Prosselsheim und Schwarzenau auf Höfen und in Mühlen beheimatet waren.

Immer wieder erhalten sie Anrufe, wenn jemand in der Region seine Scheune räumt, immer wieder stöbern sie selbst im Internet auf der Suche nach Historischem. Werden sie fündig, kommen sie oft schon am nächsten Tag zur Abholung.

„Man spürt, dass die Leute froh sind, wenn ihre Geräte nicht auf dem Schrott landen, sondern bei jemandem, der sie wertschätzt“, erzählt Ernst Drobek. „Sie erzählen dann viel von früher. Da stecken ganz viele Emotionen dahinter.“

Auch bei ihm sind diese Emotionen zu spüren, wenn er den Deckel des Säuleskorbs hebt und erzählt, dass die Ferkel darin zum Markt gebracht wurden. Bei Marcel, wenn er den Hungerrechen über den Boden zieht, um zu zeigen, wie die letzten verbliebenen Ähren auf dem Acker zusammengekratzt wurden, damit auch ja nichts von der Ernte verloren geht.

Bei beiden, wenn sie voller Ehrfurcht mit der Hand über Holz und Metall der Geräte fahren. Die Futterschneidmaschine, die Windfegen, mit denen einst das Getreide gereinigt wurde, die über 100 Jahre alten Pflüge, die Holzeggen, die Getreidequetsche, die Kartoffelsortiermaschine, der Gabelheuwender – sie alle führen den Wandel vor Augen, den die Landwirtschaft vor allem seit der Technisierung in den 1950er/60er Jahren durchlebt hat. In die alten Zeiten einzutauchen, ist für Ernst Drobek spannend und entspannend zugleich.

Immer wieder geht er in seinen alten Stall, um sich die Geräte anzusehen. Ein echtes Museum einzurichten, daran denkt er nicht. Aber da ist schon die Idee im Hinterkopf, das alles in den seit der Aussiedlung für die Landwirtschaft nicht mehr benötigten Hallen in der Ortsmitte auszustellen, für Besuchergruppen wie Landfrauen oder Seniorenkreise und für Schulklassen. Oder eben am Dorffest für alle Interessierten – wie am Sonntag, 11. August.

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