LANDKREIS KITZINGEN

Zu wenig Azubis verderben den Brei

„Da gibt es nichts schönzureden“, sagt Michael Seufert. „Wir müssen mit massiven Einbrüchen zurecht kommen.“ Etwa 20 Ausbildungsstellen für Köche sind im Landkreis Kitzingen noch unbesetzt. Auch bei den Hotelfachleuten schaut es nicht viel besser aus.
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Internationaler Ausbildungsbetrieb: Thomas und Eva Maria Dauenhauer nehmen ihre Auszubildenden im Hotel Franziskaner in Dettelbach in die Mitte: Nitish Chavan aus Indien lernt Koch, Fruzsina Toth aus Ungarn Konditorin, Corinna Oestel aus Rothenfels Hotelkauffrau und Laura-Sofie Dauenhauer hat nach ihrem dualen Studium noch eine Kochlehre drangehängt. Foto: Foto: Ralf Dieter
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„Da gibt es nichts schönzureden“, sagt Michael Seufert. „Wir müssen mit massiven Einbrüchen zurecht kommen.“ Etwa 20 Ausbildungsstellen für Köche sind im Landkreis Kitzingen noch unbesetzt. Auch bei den Hotelfachleuten schaut es nicht viel besser aus.

Am 1. September startet traditionell das Ausbildungsjahr. Die Agentur für Arbeit in Würzburg gibt dann die aktuellen Zahlen für den Ausbildungsmarkt heraus. Eine Tendenz ist für Pressesprecher Wolfgang Albert klar ersichtlich: „Für die Jugendlichen hat sich die Situation entspannt. „Es sind weniger auf der Suche als früher.“ Diese erfreuliche Botschaft hat jedoch eine Kehrseite: Jetzt sind manche Arbeitgeber auf der Suche. Zum Teil händeringend. 163 Ausbildungsstellen sind im Landkreis Kitzingen noch unbesetzt. Stand: Mitte August.

„Es ist schwierig, geeignete Bewerber zu finden.“
Michael Seufert vom Hotel- und Gaststättenverband

Michael Seufert macht kein Hehl aus seiner Sorge. „Es ist schwierig, geeignete Bewerber zu finden,“, sagt der Vorsitzende der Kitzinger Kreisstelle des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Viele Schulabgänger würden heutzutage studieren oder einen weiterführenden Schulabschluss anstreben. „Der Rest verteilt sich auf kaufmännische Berufe oder das Handwerk.“ Schon gebe es Regionen in Deutschland, in denen die Hotel- oder Gaststättenbesitzer sich nicht anders zu helfen wissen, als ihre Servicezeiten dem Personalbestand anzupassen. Mit anderen Worten: Der Fachkräfte– und Auszubildendenmangel sorgt in manchen Gegenden für eingeschränkte Öffnungszeiten. Im Landkreis Kitzingen ist man von solchen Missständen noch weit entfernt. Dennoch weiß auch Thomas Dauenhauer um die Problematik. Der stellvertretende Vorsitzende des BHG im Kreis Kitzingen macht das schlechte Image von Köchen und Restaurantfachleuten in der Öffentlichkeit für die Misere mitverantwortlich. Schwarze Schafe würden regelmäßig in den Medien präsentiert, das wahre Berufsbild verzerrt. Ein Problem ist dabei nicht von der Hand zu weisen: Im Gegensatz zu den meisten Handwerksberufen braucht ein Gastronom keine Ausbildung, um einen Betrieb zu eröffnen. „Der alte Spruch, wer nichts wird, wird Wirt, hat manchmal leider doch seine Berechtigung“, bedauert Dauenhauer. In seinem Betrieb werden zurzeit zwölf junge Menschen in sieben Berufsfeldern ausgebildet. Die Vielfalt ist ein Grund, warum Laura-Sofie Dauenhauer den Betrieb ihrer Eltern irgendwann übernehmen möchte. „Jeder Tag ist anders“, sagt sie. „Es gibt immer neue Herausforderungen.“ Nach ihrem Dualen Studium absolviert sie jetzt auch noch eine Kochlehre. Laura-Sofie Dauenhauer möchte die ganze Bandbreite des Berufsspektrums kennenlernen. Corinna Oestel aus Rothenfels ist mittendrin in ihrer Ausbildung zur Hotelkauffrau. Dabei hatten ihre Eltern abgeraten. Die Arbeitszeiten seien doch so schlecht. Corinna muss bei der Erinnerung schmunzeln. „Sonntags sind die Geschäfte doch eh zu“, meint sie. „Da arbeite ich lieber und habe dafür werktags frei.“

Mit ihren rund 50 Mitarbeitern gehören die Dauenhauers zu den größeren Hotel- und Gaststättenbetrieben im Landkreis. Genug Auszubildende haben sie bislang immer gefunden. Kleinere Betriebe haben es da schon schwerer. In der Berufsschule in Kitzingen sind die Eingangszahlen in den vergangenen drei Jahren drastisch zurückgegangen: Von rund 50 Köchen auf rund 15 im vergangenen Ausbildungsjahr. Der Hotel- und Gaststättenverband hat sich auch deshalb mit Vertretern der IHK, der Berufsschule und Ausbildungsbetrieben vor einigen Wochen zusammengesetzt, um Maßnahmen gegen die Abnahme der Auszubildendenzahlen zu erörtern. Eine engere Verzahnung zwischen Schulen und Betrieben ist ein Lösungsansatz, eine stärkere Präsenz auf der alljährlichen Berufsbörse an der Wirtschaftsschule in Kitzingen ein anderer. Gute Ausbildungsbetriebe werden ab diesem Jahr außerdem unter dem Label „Top-Ausbildungsbetrieb“ herausgestellt. In diesen Betrieben sind beispielsweise Schulpatenschaften, Qualitätspraktika, Ausbildungspaten, Mitarbeiter-Gespräche und eine begleitete Karriere gelebte Praxis. „Wir müssen die Qualität unserer Ausbildung stärken und publik machen“, fordert Dauenhauer. Und gleichzeitig von den Kollegen im Münchner Großraum lernen. Dort werden verstärkt Zuwanderer und Asylbewerber für das Berufsfeld Koch und Hotelfachkraft geworben.

„Die Ausbildung hat bei uns einen sehr guten Ruf.“
Fruzsina Toth, Auszubildende aus Ungarn

In Dauenhauers Hotel Franziskaner in Dettelbach sind bereits Fachkräfte aus Polen, Ungarn, Spanien oder Indien im Einsatz. „Die haben einen Ausbildungsplatz in Deutschland aktiv gesucht“, freut sich Dauenhauer. Nitish Chavan beispielsweise. Er war vor vier Jahren schon einmal im Franziskaner, hat damals während seiner Hotelmanager-Ausbildung ein einjähriges Praktikum absolviert. Nach einem Jahr in Mumbay ist er wieder nach Dettelbacher zurückgekehrt, steht vor dem dritten Jahr seiner Kochlehre. „Hier ist die Ausbildung einfach praxisbezogener“, sagt er und bekommt von Fruzsina Toth Recht. Die junge Frau hatte bereits in ihrer Heimat Ungarn gearbeitet und absolviert jetzt eine Lehre zur Konditorin in Dettelbach. „Die Ausbildung in Deutschland hat bei uns einen sehr guten Ruf“, sagt sie. Ein Punkt, der nicht nur Thomas Dauenhauer verwundert: Während die Berufe Koch und Hotelfachkraft in Deutschland ein eher schlechtes Image haben, sind sie im Ausland hoch angesehen. „Deutsche Köche und Hotelfachleute finden auf der ganzen Welt eine Anstellung“, sagt Dauenhauer. Das müsste doch Ansporn genug für junge Leute sein, eine Ausbildung in diesem Bereich anzugehen.

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