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IPHOFEN

Wohnungsnot: Idylle wider Willen

Wegen der Wohnungsnot und hohen Mietpreisen in Würzburg suchen Studenten auch außerhalb der Stadt eine Bleibe. Die Studenten Laura Meier, Isabella Jung und Michael Tran beschreiben, was die Vorteile und Nachteile ihres erzwungenen Landlebens sind.
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Die Studenten Laura Meier, Isabella Jung und Michael Tran sitzen gemeinsam mit Hund Pünktchen in ihrer gemeinsamen Küche in Iphofen. Foto: Robert Wagner

Laura Meier, Isabella Jung und Michael Tran sitzen in ihrer gemeinsamen Küche. Pünktchen, der Hund ihrer Mitbewohnerin Eva, springt um sie herum. Am Herd kocht ein Mitbewohner gerade Nudeln. Es ist ein idyllisches Bild – eigentlich. Denn ganz freiwillig ist es nicht, dass die drei Erstsemester jetzt zusammen mit drei Berufstätigen in dem kleinen Häuschen in Iphofen wohnen.

Eigentlich wollten sie ja alle drei lieber direkt nach Würzburg. Zentrumsnah, nicht weit von der Universität, mit netten Leuten für wenig Geld. Von dieser Wunschvorstellung hatten sich aber alle drei sehr schnell verabschiedet. „Nach ein paar Wochen merkt man, dass die Auswahl nicht so groß ist“, erzählt Laura Meier. „Dann gibt man sich auch mit 'weniger' zufrieden.“ Die junge Lehramtsstudentin hat sich zwischenzeitlich auch Wohnungen ohne Heizung angeschaut. „Auch Durchgangszimmer waren dabei.“

Der 19-jährige Michael Tran, Student der Wirtschaftswissenschaften, kann ebenfalls von obskuren Angeboten berichten: Über 300 Euro Kaltmiete für ein etwa zehn Quadratmeter kleines Zimmer in einer Mietbaracke außerhalb von Würzburg. „Runtergekommen, kaum Tageslicht und davor noch eine Baustelle – das war mies“, erzählt er. Die ebenfalls 19-jährige Biologiestudentin Isabella Jung fügt noch hinzu: „Es gibt auch Angebote, da fragt man sich, ob die überhaupt einen Mitbewohner suchen – oder ganz andere Ziele haben.“

Diese Macht der Anbieter zeigt sich auch noch auf andere Weise: „Einer hat mir erzählt, er habe binnen kürzester Zeit über 200 Anfragen gehabt. Davon hat er dann 50 eingeladen. 90 Prozent der Leute die man anschreibt, antworten schon gar nicht mehr“, beschreibt Michael Tran die schwierige Situation auf dem Wohnungsmarkt. „Die vermieten dann kleine Zimmer zu irgendwelchen Mondpreisen unter – und zahlen am Ende wahrscheinlich selbst gar nichts mehr.“

Daniel Janke vom studentischen Konvent in Würzburg weiß um die schwierige Situation seiner Kommilitonen. Ständig hätte er Anfragen von verzweifelten Studenten. „Ich weiß von einigen, dass sie ihr Studium dann gar nicht angetreten haben, weil sie keine Wohnung gefunden haben“, sagt er. „Andere pendeln zunächst von Schweinfurt oder gar Frankfurt.“

Und auch Isabella Jung bestätigt: „Ich kenne Leute, die fahren jeden Tag eineinhalb Stunden für eine Strecke. Da haben wir es hier ja noch gut.“ Eine dreiviertel Stunde brauchen die drei Studenten von Iphofen bis zu ihrer Universität. Die Zugkosten sind im Semesterticket enthalten. „Sonst würde das gar nicht gehen“, sagt Isabella Jung. Eine andere Möglichkeit, Unterstützung für Fahrtkosten zu bekommen, gibt es nämlich nicht.

„Es gibt auch Angebote, da fragt man sich, ob die

überhaupt einen

Mitbewohner suchen.“

Isabella Jung, Biologiestudentin

Problematischer finden die drei jungen Studenten jedoch, das sie vom Studentenleben größtenteils ausgeschlossen sind. „Wenn sich die Anderen Abends noch in der Stadt treffen, müssen wir schon heim“, erzählt Laura Meier. „Oder eben morgens auf den ersten Zug warten“, fügt Michael Tran mit einem Schmunzeln hinzu. In Iphofen selbst fehlen Ausgehmöglichkeiten für junge Leute . „So haben wir dann halt abends mehr Zeit, um was für die Uni zu machen“, sagt Isabella Jung.

Ein paar Vorteile hat das Leben in Iphofen aber schon: Die Natur ist schön, die Luft sauber, das Zusammenleben macht Spaß. „Und man kann einen Hund halten“, sagt Isabella Jung, während sie Pünktchen streichelt. Außerdem sei die Mischung aus Studenten und Berufstätige auch gut.

„Wenn hier noch mehr Studenten wären, wenn das etwas gefördert würde und auch mehr Freizeitangebote da wären – dann würden sicher auch noch mehr herziehen“, ist sich die Biologiestudentin sicher.

„Einige haben ihr Studium gar nicht angetreten, weil sie keine Wohnung

gefunden haben.“

Daniel Janke, Studentischer Konvent

Es ist allerdings schwierig einzuschätzen, wie viele Studenten tatsächlich im Landkreis Kitzingen wohnen – und welches Potenzial auch als Wirtschaftsfaktor da noch schlummert. „Im Zug sitzen jedenfalls immer einige“, erzählt Laura Meier.

Gefördert werden Wohnungen für Studenten von den Kommunen allerdings selten. Eine Zusammenarbeit der Stadt Kitzingen und dem Studentenwerk Würzburg war einmal im Gespräch – größere Wohnprojekte oder gar ein Wohnheim sind daraus nicht entstanden. „Die Wohnsituation zum Wintersemester ist seit etwa 15 Jahren kritisch“, erklärt Robert Emmerich von der Universität Würzburg. Allerdings würde sich die Lage regelmäßig zum Januar hin entspannen. Der Tipp des Studentenwerks lautet deshalb: Für das erste Halbjahr eine Wohnung außerhalb suchen.

Isabella Jung, Laura Meier und Michael Tran suchen derweil weiter nach Wohnungen in Würzburg. Für sie muss sich noch einiges ändern, damit Iphofen mehr wird, als ein Idyll wider Willen.

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