WÜRZBURG/KITZINGEN

Wie Bischöfe Weihnachten feiern

Die Feiertage bedeuten für Kirchen-Oberhäupter nicht nur dienstliche Verpflichtungen.
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„Gott wird Mensch – ein unvorstellbar großes Geschenk für uns alle.“ So fasst der Würzburg Bischof Friedhelm Hofmann die Faszination des Weihnachtsfestes zusammen. Menschen in der ganzen Welt feiern von heute bis Montag die Geburt Christi. Unser Bild zeigt eine private Weihnachtskrippe. Der Kitzinger Jürgen Wolfarth hat die handgemachten Einzelteile in jahrzehntelanger Sammleraktivität zusammengetragen. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Weihnachten – während die Menschen zur Ruhe kommen, häufen sich für das Oberhaupt eines Bistums oder Kirchenkreises zunächst die dienstlichen Herausforderungen. Aber nicht nur: Fränkische Kirchenmänner und -frauen kommen zwischen den Jahren auch einmal zur Ruhe. Feiern im Kreis ihrer Familie die Geburt Jesu, genießen ein gutes Essen, freuen sich über Geschenke. So wie alle eben.

Großen Wert auf einen geordneten Tagesablauf legt Bambergs Erzbischof Ludwig Schick, dem Geiselwind und mehrere Kirchengemeinden des südlichen Landkreises Kitzingen unterstehen. Natürlich auch an Feiertagen. Heißt am Heiligen Abend: Erst wird gejoggt, dann folgen die Heilige Messe und das Gebet. Der weitere Fahrplan: 10 Uhr: Besuche im Krankenhaus oder Seniorenheim; 16 Uhr: Weihnachten mit den Obdachlosen im „Immer hin“; 18.30 Uhr: Abendessen und Bescherung bis 20.30 Uhr. Bis Mitternacht stille Zeit und Gebet,um 24 Uhr Mitternachtsmesse.

Schenken und beschenken

Aber auch bei Ludwig Schick wird gefeiert. So am ersten Feiertag. Nach dem Pontifikalamt im Dom gibt es ein Festessen mit den Domkapitularen. Verantwortlich dafür zeichnen die beiden Ordensschwestern im Bischofshaus, die sich auch während des Jahres um das leibliche Wohl des Bischofs kümmern. So richtig privat wird es für Ludwig Schick erst am zweiten Feiertag. Dann besucht er seine Familie mit Schwester, Schwager, Nichten, Neffen, Großnichten und Großneffen. Rund 20 Personen kommen da zusammen. Und gerade auf dieses Zusammensein freut sich der Bischof besonders. Freude bereiten ihm aber auch die Feier der Gottesdienste mit der großen Beteiligung der Gläubigen und der inneren Anteilnahme, die die Freude und den Frieden an Weihnacht zum Ausdruck bringen.

Und wie steht es mit Geschenken? Ludwig Schick schenkt gerne. So erhalten die Mitarbeiter im Bischofshaus und alle Verwandten kleine Aufmerksamkeiten. Wobei der Erzbischof bei aller weihnachtlichen Freude auch an die Menschen erinnert, denen es nicht so gut geht. Sein größter Wunsch: Dass auch die Menschen in Aleppo, in Mossul, in Nigeria und im Sudan Weihnachten in Freiheit und Frieden feiern können.

Für Regionalbischöfin Gisela Bornowski (Kirchenkreis Ansbach-Würzburg) sind die Weihnachtstage natürlich auch etwas ganz Besonderes. Wenn auch vor den Feiertagen im Kirchenkreis noch jede Menge dienstliche Verpflichtungen auf sie warten, nach den Feiertagen wird es ruhiger. Schon am Heiligen Abend trifft sich die Familie der Regionalbischöfin nach dem Gottesdienst, um gemeinsam zu kochen. Auch der Tisch wird gemeinsam gedeckt und es gibt Essen, das allen gut schmeckt. Am ersten und zweiten Feiertag bleibt keine Zeit fürs Kochen. Bornowskis sind dann entweder eingeladen oder gehen ins Gasthaus.

Am ersten Feiertag versammelt sich die Großfamilie bei den Eltern der Bischöfin. Auch die beiden Kinder von Gisela Bornowski sind dann dabei. Traditionellerweise wird Gans aufgetischt, nachmittags lässt man sich Christstollen schmecken. Ein Winterspaziergang schließt sich an. All das genießt die Bischöfin und möchte es nicht missen. Ebenso wenig den Besuch bei ihrer Patentante am nächsten Tag. Auch Geschenke sind an Weihnachten selbstverständlich. Bornowski schenkt gerne. Dass Gott uns an Weihnachten seinen Sohn geschenkt hat, das sei das größte Geschenk, erklärt sie. Diese Liebe würde mit eigenen Geschenken weitergegeben. Das Geschenke verteilen und -auspacken am Heiligen Abend ist auch bei Bornowski eine Zeremonie, auf die man sich freut. Der Wunsch der Regionalbischöfin zur anstehenden Weihnacht: Dass die vielen Menschen, die die Weihnachtsgottesdienste besuchen, etwas mitnehmen vom Geheimnis der Weihnacht. Für sich selbst wünscht sie sich ein paar ruhige Tage mit viel Zeit für ihre Lieben, und endlich etwas Zeit für sich selbst.

Weihnacht bei den Armen

Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann feiert Weihnachten nicht im Kreis der Familie oder mit Freunden. Die feiern zumeist mit ihren eigenen Familien. Was Hofmann nicht anficht, weil man natürlich vorher in Kontakt stand und sich miteinander verbunden weiß. Der Bischof kommt trotz vieler Verpflichtungen zwischendurch immer wieder mal zur Ruhe. Zeit, die er dazu nutzt, sich ein wenig ans Klavier zu setzen oder zusammen mit den beiden Ordensschwestern Laurentiana und Konradine Weihnachtslieder zu singen. Die beiden sind es auch, die Friedhelm Hofmann an Weihnachten mit einem Festtagsessen versorgen. Spezielle Wünsche braucht er nicht zu äußern, weil, wie er sagt, die Schwestern immer wieder neue Highlights auftischen. Höhepunkte der Feiertage stellen natürlich die festlichen Gottesdienste im Kiliansdom dar. Besondere, unvergleichliche Momente, angesichts der festlichen musikalischen Gestaltung und der überbordenden Freude innerhalb der Liturgie des Weihnachtsgeschehens. Für den Bischof ein besonders intensives weihnachtliches Erlebnis ist der Besuch einer Weihnachtsfeier für Bedürftige und Arme in Würzburg. Da kommen immer Familien aus vielen Ländern der Erde zusammen, um die 1000 Menschen, die verköstigt und beschenkt werden.

Ja, auch Bischof Hofmann steht Geschenken positiv gegenüber. Sie sind für ihn sichtbarer Ausdruck einer dankbaren Haltung. Er selbst schenke auch sehr gerne, bekennt er. Für seine Familie, für die Mitarbeiter im Bischofshaus und in seinem engeren Umfeld versucht er immer, eine kleine Gabe zu ermöglichen.

Das größte Geschenk stellt für ihn selbstverständlich das Geschehen von Bethlehem dar. „Gott wird Mensch – ein unvorstellbar großes Geschenk für uns alle“, so der Bischof. Auf die Frage, was sein größter Wunsch für das anstehende Weihnachtsfest ist, kommt die Antwort prompt und knapp: „Frieden auf Erden!“ Der Bischof verweist auf die weltweiten Krisen, den Terror und den Krieg. All das stehe diametral dem Weihnachtsgeschehen entgegen. Und er berichtet von einem Besuch in einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Marktheidenfeld. Trotz vieler traumatische Erlebnisse habe er dort in glückliche Kindergesichter sehen können. Weil die Kinder dort Liebe und Zuneigung erfahren würden. Etwas, was er sich für alle Kinder dieser Welt wünsche.

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