Kitzingen

„Viele Steine in den Weg gelegt“

Kitzingen Er ist einer der alteingesessenen Geschäftsleute in Kitzingen. Er war einst Kassier in der Werbegemeinschaft City aktiv, der Vorläuferorganisation des Stadtmarketingvereins. Mehrere Jahre hat er sich als Sprecher des Einzelhandelsverbandes für die Interessen der Kitzinger Geschäftsleute, insbesondere für die Innenstadt, stark gemacht. Jetzt kehrt die Firma Somorowsky der Innenstadt den Rücken. Das Geschäft, das Dieter Somorowsky vor 41 Jahren gegründet hat, zieht an den Stadtrand. Ein Gespräch mit einem Einzelhändler, der schon in den vergangenen Jahren immer wieder mal mit Äußerungen und Leserbriefen auf die seiner Meinung nach falschen Entwicklungen in der Stadt hingewiesen hat und jetzt die Konsequenzen zieht. Ein Mann, der aber auch sagt: „Es tut weh.“
Artikel drucken Artikel einbetten
Abschied eines Alteingesessenen: Somorowsky zieht nach 41 Jahren an den Stadtrand. Nach Ansicht von Dieter Somorowsky wird Geschäftsleuten in der Kitzinger Innenstadt das Leben schwer gemacht. Foto: Foto: Daniela Röllinger

Kitzingen Er ist einer der alteingesessenen Geschäftsleute in Kitzingen. Er war einst Kassier in der Werbegemeinschaft City aktiv, der Vorläuferorganisation des Stadtmarketingvereins. Mehrere Jahre hat er sich als Sprecher des Einzelhandelsverbandes für die Interessen der Kitzinger Geschäftsleute, insbesondere für die Innenstadt, stark gemacht. Jetzt kehrt die Firma Somorowsky der Innenstadt den Rücken. Das Geschäft, das Dieter Somorowsky vor 41 Jahren gegründet hat, zieht an den Stadtrand. Ein Gespräch mit einem Einzelhändler, der schon in den vergangenen Jahren immer wieder mal mit Äußerungen und Leserbriefen auf die seiner Meinung nach falschen Entwicklungen in der Stadt hingewiesen hat und jetzt die Konsequenzen zieht. Ein Mann, der aber auch sagt: „Es tut weh.“

Frage: Herr Somorowsky, 41 Jahre nach der Gründung geben Sie Ihren Laden – Somorowsky – am Stadtgraben auf und ziehen an den Stadtrand in die Johann-Adam-Kleinschroth-Straße. Welche Gründe haben zu dieser Entscheidung geführt?

Dieter Somorowsky: Das hat vielfältige Gründe. Wir brauchen mehr Platz und in der Stadt spielt sich immer weniger ab. In den letzten 25, 30 Jahren hat die Stadt konsequent Hunderte von Parkplätzen „umgewandelt“, wie es so schön heißt. Zu Spitzenzeiten hatten wir 1700 Parkplätze. Jetzt brüstet sich die Stadt damit, 1100 Parkplätze zu bieten. Und das in einer Autogesellschaft wie unserer und bei einem nicht vorhandenen Personennahverkehr.

Sind es denn alleine die fehlenden Parkplätze?

Somorowsky: Es wird den Kunden schwer gemacht, in die Stadt zu kommen. Die Alte Mainbrücke ist gesperrt, die Würzburger Straße so gut wie, weil die Autofahrer dorthin nicht mehr abbiegen können. Wer auf der B 8 weiterfährt, ist schon auf dem Weg rauswärts, fährt zum E-Center. Außerdem gibt es keine Brötchentaste für kurze Besorgungen. Und die Parkgebühr einzuwerfen, das lohnt sich nicht, wenn man nur schnell einen kleinen Artikel wie beispielsweise Batterien kaufen will.

Die Stadt macht also dem Einzelhandel das Leben schwer?

Somorowsky: Natürlich kommt noch mehr dazu. Das ausufernde Sortiment der sogenannten Lebensmittler ist die größte Katastrophe, die dem deutschen Einzelhandel passieren konnte – nicht nur in Kitzingen, sondern bundesweit. Jetzt nehmen die Leute die schon genannten Batterien dort mit, statt zum Fachhandel zu gehen. Ein Kollege von mir hat es mal gut ausgedrückt: Die anderen verkaufen den Kuchen, wir vom Fachhandel die Verzierung. Aber davon können wir nicht leben. Wir müssen auch selbst den Kuchen verkaufen.

Beugen da nicht die Sortimentsbeschränkungen vor?

Somorowsky: Da hält sich doch kaum einer dran. Wenn ein Artikel in einem Prospekt ist, der in der Kitzingen Filiale überhaupt nicht verkauft werden dürfte, dann bestellen die einem die Sachen trotzdem. Das habe ich selbst ausprobiert.

Auch der Schwerpunkt ihres Geschäftes hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Sie machen viel übers Internet, den Online-Handel.

Somorowsky: Das Geschäftsfeld hat sich so stark verändert, dass wir vom Laden alleine nicht mehr leben können. Deshalb sind wir auf den Versand zurückgekommen. Versandhandel haben wir ja schon zu Beginn, ab 1973, gemacht. Das ist dann aber im Laufe der Jahre eingeschlafen. Unser Sohn Heiko, der seit drei Jahren die Firma führt, hat das wiederbelebt und zum weltweiten Onlinehandel ausgebaut.

Was verkaufen Sie denn da alles?

Somorowsky: Wir haben 70 000 Artikel im Angebot, auch viele Sachen, die wir im Laden nicht haben. Wir sind teilweise auf Vorgaben der Großhändler angewiesen, da finden Sie dann auch mal ein Hasenkostüm oder eine Axt. Bei der Menge an Artikeln kann man das gar nicht alles täglich beobachten, um das gesamte Sortiment zu kennen.

Wenn der Großteil online läuft, warum brauchen Sie dann überhaupt noch einen Laden?

Somorowsky: Wir wollten weiter ein Ladengeschäft haben und haben einen Standort gesucht, der an einer der Achsen liegt, die um Kitzingen herumführen. Eigene Parkplätze sind vor der Tür. Außerdem sind wir direkt hinter einem Discounter, der viel Frequenz bringt. Da ist die Kundschaft nah dran, muss nur noch um die Ecke. Das Angebot im Geschäft schränken wir dann ein, vor allem auf Telekom-Produkte und Handy-Zubehör sowie frische Batterien. Wir wollen im Oktober umziehen, deshalb haben wir jetzt auch so viele Sachen reduziert.

Weniger Produkte im Laden, ein anderer Standort. Reduzieren Sie auch die Zahl der Mitarbeiter?

Somorowsky: Wir sind zehn und das bleibt auch so.

Zurück zum Thema Innenstadt. Sie waren früher Sprecher des Einzelhandelsverbandes, haben sich für die Stärkung der Innenstadt stark gemacht. Jetzt schwächen Sie sie durch ihren Wegzug ja selbst.

Somorowsky: Das stimmt irgendwie schon. Aber wir haben auch Verantwortung für unsere Mitarbeiter, die im Versand beschäftigt sind und die momentan unter wirklich nicht mehr zumutbaren Bedingungen arbeiten müssen. Dazu kommt noch: In der Innenstadt läuft viel falsch. Kitzingen ist zum Beispiel zu klein für eine Fußgängerzone. Es wäre besser, das Durchfahren nur unattraktiv zu machen, so dass man mit dem Auto doch noch hinkommt. Warum hat denn der Lebensmittelladen am Markt zugemacht? Wohl nicht, weil er super gelaufen ist.

In Würzburg ist die Fußgängerzone doch viel größer und trotzdem kaufen die Leute dort ein und schimpfen nicht auf die langen Wege.

Somorowsky: In Großstädten sieht das anders aus. Zum einen arbeiten und wohnen da viele Menschen im direkten Umfeld der Fußgängerzone. Zudem gibt es die Straßenbahnen, S- oder U-Bahnen, um von den Parkplätzen aus dorthin zu kommen.

Also wieder das Thema Verkehr?

Somorowsky: Es gibt weit mehr kritische Punkte. Die Werbeanlagensatzung ist auch so ein Ding. Die ist kleinlichst gefasst, das ist für die Geschäftsinhaber nicht mehr lustig. Da kann es passieren, dass einem ein Lkw die lange bestehende Werbeanlage kaputt fährt und wenn man sie erneuern will, kriegt man gleich ein amtliches Schreiben, dass sie wieder weg muss, weil sie der aktuellen Satzung nicht mehr entspricht.

Wenn Sie wissen, wo es hakt, könnten sie sich doch im Stadtmarketingverein engagieren. Bei City aktiv waren Sie früher doch auch.

Somorowsky: Da war ich sogar Kassier, also nicht einfach nur Mitglied. Aber der Stadtmarketingverein, das ist nicht mehr meins.

Was gäbe es denn Ihrer Ansicht nach für eine Möglichkeit, die Situation in der Innenstadt zu verbessern?

Somorowsky: Eine Chance gäbe es, aber nur theoretisch: Das ganze Viereck weit um das Bürgerbräu-Gelände, vom orthopädischen Schuhgeschäft an der ersten Ecke bis zum Schmuckgeschäft, weiter zum Café am Marktbrunnen und zum Elektrogeschäft an der vierten Ecke – alles komplett weg und dort ein riesiges Einkaufszentrum hinbauen. Da hätten wir einen Magneten. Klar geht das nicht, das kann keiner bezahlen. Aber alleine das Bürgerbräu-Gelände nutzen und da noch 50 Prozent Kultur rein, das bringt keine Kunden in die Stadt.

Das Gespräch erweckt den Eindruck, dass Sie sich sehr viel über Kitzingen ärgern.

Somorowsky: Was heißt ärgern. Es tut weh. Da richtet man einen Laden ein, der damals auf dem neuesten Stand war: entspiegelte Scheiben und vieles mehr, was weit über den Standard hinaus ging. Und über all die Jahre kriegst Du am laufenden Band immer nur Steine in den Weg gelegt. Da draußen, am Stadtrand, da kann ich dagegen fast machen, was ich will. Es ist einfach traurig, zusehen zu müssen, wie durch falsche Ansiedlungspolitik die Innenstadt nach und nach verödet.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren