Stressfreier durchs Leben

Im Bildungshaus Kloster Schwarzenberg geht es um Küchengeheimnisse, Antlitzanalyse und die Heilkräfte der Seele
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Vitaminspritze gefällig? Sigrid Jäger achtet auf die Signale, die ihr Körper aussendet. „Er sagt mir, was ich brauche.“ Foto: Foto: Romana kochanowski
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Sigrid Jäger war Mitte 30, als das Atomkraftwerk in Tschernobyl explodierte. Es war der Wendepunkt in ihrem Leben. „Ich war in der Tourismus-Branche tätig, hatte ein stressiges Leben. Gern habe ich gefeiert, Wein getrunken und geraucht.“ Doch dann verlor Sigrid Jäger ihren Vater wegen einer Krebserkrankung, wenig später explodierte Tschernobyl.

„Viele Lebensmittel waren verstrahlt. Ich hatte Angst vor gesundheitlichen Einschränkungen durch die radioaktive Belastung.“ Die Bad Kissingerin kaufte fortan auf dem Biobauernhof ein, las Gesundheitsliteratur und fand am Tegernsee eine Ärztin, die sie auf den Säure-Basen-Haushalt im Körper und die Lehre der Hildegard von Bingen aufmerksam machte. „Innerhalb eines Jahres hatte ich zehn Kilo weniger. Das hat mich fasziniert.“

Sigrid Jäger gab ihren Beruf auf und eignete sich jede Menge Wissen über Ernährung sowie über die Antlitzanalyse nach Dr. Schüßler an. Im Institut für Mikrobiologie Bad Bocklet lernte sie bei Dr. Rueffer viel über die Bedeutung des Immunsystems und die Gesunderhaltung des Darms. Heute arbeitet die 62-Jährige in ihrer eigenen Ernährungspraxis in Bad Kissingen.

Frage: Dass es einen Zusammenhang zwischen Körper, Seele und Geist gibt, wird kaum einer leugnen. Was aber ist das Besondere an Ihrer Sichtweise?

Sigrid Jäger: Ich finde, dass Ernährung eine ganz starke Wirkung auf die Psyche hat. Nur wenn mein Körper basisch ist, geht es mir gut.

Was meinen Sie mit „basisch“?

Jäger: Stress, Doppelbelastung, Hektik: Wir haben alle wenig Ruhe im Leben. Bis 30, 35 managst du das spielend. Dann wird der Druck größer. Das übersäuert. Denaturierte, also veränderte Lebensmittel, Fast Food und Essen im Stehen verschärfen die Übersäuerung noch. Säure ist wie eine Tür, die wir aufmachen, und zwar für alles, was wir an Belastendem und an Erbkrankheiten in uns tragen.

Im basischen Bereich dagegen wird man gelassener und entstresster. Seit ich meine Ernährung auf leichte basische Küche umgestellt habe, hatte ich nie mehr ein Völlegefühl. Ich brauche keine Zwischenmahlzeiten, bin lange satt und zufrieden.

Was machen Sie beim Essen anders als der Durchschnittsmensch?

Jäger: Zunächst mal: Essen ist was ganz Wichtiges, ich esse sehr gerne. Aber ich achte dabei auf meinen Mineralstoffhaushalt, koche zum Beispiel viel mit geröstetem Dinkel und generell sehr „mediterran“ – die mediterrane ist nicht nur eine gesunde, sondern auch köstliche Küche.

Wenn ich Speisen erhitze, gebe ich sie schon ins kalte Öl und stelle erst dann die Temperatur hoch – so erspare ich mir schädliche Röststoffe. Außerdem kaufe ich generell Bio-Produkte. Die Mentalität, dass essen billig sein muss, teile ich nicht. Lieber kaufe ich weniger, aber dafür qualitativ hochwertige Lebensmittel. Und ich verzichte auf denaturierte Produkte.

Ist das alles nicht ziemlich aufwendig?

Jäger: Es ist einfacher als man denkt. Ich empfehle jedem, der seine Ernährung umstellen will – und gegebenenfalls auch die seiner Familie: Nicht lang reden, sondern machen. Langsam, schrittweise. So wie es jeder eben kann.

Ihr Buch „Basisch kochen“ hat online einige sehr schlechte Kritiken bekommen. Warum?

Jäger: Hardliner machen mir den Vorwurf, dass ich zu tolerant bin. Aber ich finde es eben besser, man macht, was man kann, als man macht gar nichts. Aus Erfahrung weiß ich: Viele können oder wollen nicht ganz ohne Fleisch leben. Also empfehle ich, ruhig ab und zu hochwertiges Fleisch zu essen, als nach wenigen Wochen zwangsvegetarischer Ernährung frustriert aufzugeben. Ernährung darf nicht zum Dogma werden. Sie ist Mittel zum Zweck und muss im Alltag praktikabel sein.

Bei der Klosterreise geht es nicht nur um Ernährung, sondern unter anderem auch um „Heilen mit der Kraft der Seele“. Was genau lernen die Teilnehmer da?

Jäger: Sie lernen die Seelenheilkunde der Äbtissin Hildegard von Bingen kennen. Hildegard erklärt, dass unsere Emotionen im Körper Botenstoffe auslösen. Auch unsere Gedanken können Botenstoffe auslösen – und die können gesund oder krank machen. Seit ich das weiß, habe ich gelernt, negative Gedanken in gute umzuwandeln.

Wie schafft man das denn?

Jäger: Mit viel Geduld. Und Analyse. Warum ist der andere gerade so? Woher kommt die negative Energie? Die Antworten lösen Wut in Wohlgefallen auf.

Das funktioniert doch sicher nicht bei jedem. Wenn mir einer direkt vor der Nase den letzten freien Parkplatz wegschnappt, dann werde ich automatisch wütend.

Jäger: Nicht, wenn Sie basisch sind! Glauben Sie mir: Sie lernen dann eine unendliche Toleranz im Umgang mit den Mitmenschen. Ich bin heute viel gelassener, ruhiger und humorvoller als früher. Es ist nicht so, dass mich nichts aus der Ruhe bringt. Aber ich untersuche die Dinge, die mich aus der Bahn zu werfen drohen. Manchen Dingen kann man einfach aus dem Weg gehen! Ich habe gelernt, auf meine innere Stimme zu hören. Dadurch hat sich sehr viel Neues und Schönes aufgetan.

Das kann man aber sicher nicht an einem einzigen Wochenende lernen!

Jäger: Natürlich nicht. Am Seminar-Wochenende bekommt man erst mal den entscheidenden Impuls. Dann arbeitet man an sich selbst weiter. Und geht stressfreier durchs Leben.

Richtig kryptisch klingt das Wort Antlitzanalyse – darum geht es im Seminar ebenfalls. Kann man wirklich sagen, was einem Menschen fehlt, indem man ihm einfach nur ins Gesicht sieht?

Jäger: Durch Farbveränderungen im Gesicht erkennt man, welche Mineralstoffe aufgefüllt werden müssen. Es gibt nach Dr. Schüßler elf verschiedene Zeichen im Gesicht – von bräunlichen Schatten um die Augen und Oberlider, die auf Kalziummangel hindeuten, bis hin zu einer kleinen, schrägen Falte am Ohrläppchen, die Magnesiummangel anzeigt. Natürlich kann die Antlitzanalyse nicht den Arzt oder die Schulmedizin ersetzen, aber sie kann alle ärztlichen Therapien unterstützen.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Jäger: Ich hatte kürzlich einen Kunden, der war mit 40 grau. Ein Dreivierteljahr später hatte er sein dunkles Haar wieder – einfach, indem er seinen Mineralstoffhaushalt in Ordnung gebracht hat. Die Ernährung ist für uns Menschen das, was das Benzin fürs Auto ist. Leider essen wir nicht immer super.

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