KITZINGEN

So viel Kultur für so wenig Geld

Ungewöhnlich ist der Anblick. Und schön. Dutzende junger Menschen schreiten im Abendkleid, beziehungsweise im Anzug, durch den Eingang der Nürnberger Oper. Die Entführung aus dem Serail wird an diesem Abend gegeben. Kein leichter Stoff. Doch die Schüler des Armin-Knab-Gymnasiums sind anspruchsvolle Vorführungen gewohnt. Seit vier Jahren fahren sie in die Nürnberger Oper, um Kultur zu genießen.
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Kultur macht Schule: Schulleiterin Margit Hofmann und Lehrer Wolfgang Weber freuen sich über die Schüler, die regelmäßig in die Nürnberger Oper fahren. Vera Lambrecht, Felix Link, Amelie Beck und Kristina Belimova sind seit vier Jahren dabei, Christoph Ponert zum zweiten Mal. Foto: Fotos Ralf Dieter
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Ungewöhnlich ist der Anblick. Und schön. Dutzende junger Menschen schreiten im Abendkleid, beziehungsweise im Anzug, durch den Eingang der Nürnberger Oper. Die Entführung aus dem Serail wird an diesem Abend gegeben. Kein leichter Stoff. Doch die Schüler des Armin-Knab-Gymnasiums sind anspruchsvolle Vorführungen gewohnt. Seit vier Jahren fahren sie in die Nürnberger Oper, um Kultur zu genießen.

Dramen standen auf dem Stundenplan von Deutschlehrerin Jutta Schwegler. Die Theorie hatte sie mit ihrer neunten Klasse besprochen. Jetzt wollte sie den Schülern einen besonderen Einblick gewähren. Ein Theaterbesuch schwebte ihr vor. „Doch das war gar nicht so einfach“, erinnert sie sich. Entweder passte das Stück nicht, oder der Eintritt war schlichtweg zu teuer. Durch einen Zufall erfuhr sie vom Angebot der Nürnberger Staatsoper für Schulklassen. Eine Oper ist letztendlich ein Drama mit Musik, hat sie sich gedacht. Und schon war die erste Fahrt organisiert.

„Der Dirigent hat mir beim letzten Mal so gefallen. Der hat so lustige Bewegungen gemacht.“
Christoph Ponert, sechste Klasse Armin-Knab-Gymnasium

Vier Jahre ist das jetzt her. Seither geht es vier- bis fünfmal pro Jahr von Kitzingen nach Nürnberg. Zwischen 50 und 100 Schüler und Betreuer fahren jedes Mal mit. Vera Lambrecht und Felix Link waren schon bei der Premiere dabei. „Viele aus der damaligen neunten Klasse sind dabei geblieben“, sagt Lambrecht, die vor kurzem ihr Abitur gemacht hat. Warum? „Weil so ein Opernbesuch ein ganz besonderes Erlebnis ist.“ Das sieht auch Felix Link so. „Klassische Musik wird doch ansonsten kaum geboten.“

Und die Musik ist nicht alles, was geboten wird. „Wir laufen in kleinen Gruppen durch Nürnberg, gehen essen und haben viel Spaß“, erzählt er. Christoph Ponert aus der sechsten Klasse ist zum zweiten Mal dabei. Gespannt blickt er von der Loge hinab in den Orchestergraben. „Der Dirigent hat mir beim letzten Mal so gefallen“, verrät er. „Der hat so lustige Bewegungen gemacht.“

Mit dem Zug fährt der Tross von Kitzingen nach Nürnberg, dann bleibt etwas Zeit zum Bummeln und Großstadt genießen, ehe sich der Vorhang hebt. Verdi, Wagner, Puccini und Offenbach haben die Jugendlichen schon gesehen. „Erstaunlich, dass die Schüler auch schwierigere Werke genießen“, sagt Jutta Schwegler.

Mitunter gibt es auch viel zu lachen, wie beim Musical „My fair Lady“, bei dem die Komiker Heißmann und Rassau alias Waltraud und Mariechen mitspielten. Auch die Entführung aus dem Serail wartete mit einem Überraschungsgast auf. Adnan Maral, bekannt aus der ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“ spielte den „Bassa Selim.“ Ungläubiges Staunen bei den Jugendlichen. Den Mann kannten sie vom Fernsehen und vom großen Kino.

Drei Stunden dauert es, bis der türkische Pascha Großmut beweist und der letzte Vorhang fällt. Die Schüler fallen in den aufbrandenden Applaus ein. Vom Fünftklässler bis zum Abiturienten haben sie die Handlung verfolgt, der Musik und den Arien gelauscht. „Sie verhalten sich jedes Mal vorbildlich“, freut sich Deutschlehrerin Schwegler. „Wir sind gern gesehene Gäste im Haus am Frauentorgraben.“

Und das soll auch so bleiben. Für das nächste Schuljahr sind bereits vier Opern beziehungsweise Musicals vorgemerkt. Die Karten bringt Schwegler problemlos an den Schüler und die Schülerin. „Unser kulturelles Angebot hat sich mittlerweile herumgesprochen.“ 15 Euro zahlt jeder Schüler, inklusive Hin- und Rückfahrt. „Das ist doch toll“, freut sich Christina aus der achten Klasse. „Für so wenig Geld so viel Kultur.“

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