KITZINGEN

Sie machen Lust aufs Kochen

Gudrun Paul wirft gerne einen Blick in fremde Einkaufswagen. Nicht aus Neugier, sondern weil das in gewisser Weise zu ihrem Job gehört. Was sie sieht, gefällt ihr häufig gar nicht, denn immer mehr Leute greifen zu Fertigprodukten. Die Ernährungsfachfrau des Bayerischen Bauernverbandes und ihre Kolleginnen setzen sich dafür ein, dass sich das ändert.
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Jeder Handgriff sitzt: Ernährungsfachfrau Helga Ehemann bereitet eine Soße zu. Foto: Foto: Diana Fuchs
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Gudrun Paul wirft gerne einen Blick in fremde Einkaufswagen. Nicht aus Neugier, sondern weil das in gewisser Weise zu ihrem Job gehört. Was sie sieht, gefällt ihr häufig gar nicht, denn immer mehr Leute greifen zu Fertigprodukten. Die Ernährungsfachfrau des Bayerischen Bauernverbandes und ihre Kolleginnen setzen sich dafür ein, dass sich das ändert.

15 Jahre ist es her, dass die ersten Ernährungsfachfrauen für den Bauernverband in Bayern aktiv wurden. Heute gibt es 150 derartige Botschafterinnen für eine ausgewogene Ernährung mit heimischen Produkten, fünf von ihnen kommen aus dem Landkreis Kitzingen. Sie halten Kochvorführungen und Kochkurse für Erwachsene und Kinder ab und geben ihr Wissen in Schulen und Kindergärten weiter.

Für Gudrun Paul sind die Ernährungsfachfrauen ein wichtiges Glied zwischen Erzeuger und Verbraucher. Zu ihrer Tätigkeit gehört die Aufklärung über die Produkte, die hier angebaut werden, aber auch die Schulung, wie man sie verarbeitet. Wer als Ernährungsfachfrau tätig ist, muss eine hauswirtschaftliche Aus- und Fortbildung oder eine ähnliche Qualifikation haben, die meisten stammen zudem aus der Landwirtschaft. Ideale Voraussetzungen also, um das Wissen über die gesunde Ernährung mit regionalen Produkten weiterzugeben.

Während Gudrun Paul von diesen Voraussetzungen, der Fortbildung und den Kochvorführungen erzählt, stehen zwei Töpfe auf dem Herd, es köchelt vor sich hin. Ab und an schaut sie nach dem Rechten oder dreht an den Temperaturreglern. Es ist früher Vormittag. In vielen Küchen bleibt der Herd da noch viele Stunden kalt. „Wenn ich etwas Gescheites auf den Tisch bringen will, brauche ich ein bisschen Zeit“, sagt die Schwarzenauerin. Und die ist in vielen Familien heute nicht mehr da. Schnell muss es gehen, das Kochen, mit möglichst wenig Aufwand verbunden sein.

Gudrun Paul ist gelernte Diätassistentin, hat vier Kinder und bewirtschaftet mit ihrem Mann einen großen Betrieb mit Kartoffeln, Weinbau und Tierhaltung. Eigentlich ist da mehr als genug zu tun, sollte man meinen. Trotzdem ist ihr das Thema Ernährung so wichtig, dass sie ihr Wissen seit etwa 13 Jahren als Ernährungsfachfrau weitergibt, regelmäßig Kochvorführungen hält und sich fortbildet.

Was Oma früher wusste...

„Wir wollen den Leuten theoretisches und praktisches Wissen weitergeben“, erklärt die Schwarzenauerin. So hat sie wie ihre Kollegin Jutta Bernard, die dienstälteste der Ernährungsfachfrauen im Landkreis, in diesem Frühjahr in Kochvorführungen über die Vielfalt von Kräutern und Gewürzen informiert. In zehn Veranstaltungen stellten sie nicht nur Rezepte und leckere Gerichte vor, sondern informierten auch über den Anbau der Kräuter, über verschiedene Salze und Geschmacksverstärker. „Es gehört zu unserer Aufgabe, die Leute aufzuklären“, findet Gudrun Paul. Dass bei diesen Vorführungen auch viele Damen in ihrem Alter waren, freut die 42-Jährige. Schließlich stehen die Veranstaltungen allen Altersgruppen und Interessenten offen – egal, ob sie nun aus der Landwirtschaft kommen oder nicht. Auch das Wissen von früher wird weitergegeben, beispielsweise bei einem Schneeballen-Kurs, den Monika Hegwein vor einiger Zeit abhielt.

Für Kinder halten die Ernährungsfachfrauen des BBV in den Ferien gesonderte Kurse ab. Kloßvariationen konnten die Kinder schon ausprobieren, Nudeln haben sie hergestellt, einen Oster-Brunch gezaubert. Helga Ehemann aus Iffigheim ist eine der Fachfrauen, die regelmäßig mit Kindern von sieben bis elf Jahren in der Küche des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Kitzingen stehen.

Wichtig ist Helga Ehemann, dass die Kinder bei den Kursen Spaß haben. „Wenn sie keine Lust auf einen Kochkurs haben, dann sollte man sie auch nicht zwingen“, findet die 48-Jährige. Die Kinder lernen viel bei diesen Kursen: Sie erfahren, dass viele Produkte direkt vor der Haustür im Landkreis wachsen und wie sie verarbeitet werden, die Schneidtechnik wird genauso ausprobiert wie das eigentliche Kochen. „Bei der Nudelherstellung mussten sie richtig hart arbeiten“, schmunzelt Ehemann, „manche haben ganz schön gestöhnt.“ Dass Kochen nicht immer ganz einfach ist, mindert die Freude der Kinder aber nicht. Das wird auch bei den Gesprächen beim Essen deutlich. Denn natürlich sitzen nach der Arbeit alle gemeinsam am Tisch – den die Kinder selbst dekorieren und decken – und verzehren das gemeinsam erstellte Menü.

Manche Kinder sind völlige Neulinge, andere wissen schon eine ganze Menge über das Kochen traditioneller Gerichte, und das haben sie meist bei der Oma gelernt. „Es ist wichtig, das Wissen weiterzugeben“, findet Ehemann. „Die Omas wissen oft gar nicht, was sie den Enkeln da Wertvolles mitgeben.“ Die Iffigheimerin erlebt ihre Kursteilnehmer als sehr wissbegierig. Auch das Sozialverhalten sei beeindruckend: „Die Großen helfen den Kleinen, die lernen ganz viel voneinander.“

Eigentlich müsste man viel mehr machen, findet Helga Ehemann. „In dem Alter haben die Kinder Spaß an den Kursen. Es wäre toll, wenn man dranbleiben könnte.“ Gemeinsam einkaufen zu gehen, fällt ihr als Idee ein, damit die Mädchen und Jungs lernen, was in den Produkten ist, die man kaufen kann. Und auch Gudrun Paul hat so manchen Einfall, was man noch alles anbieten könnte, spricht einen Diabetikerkochkurs und einen Kochkurs für Senioren an. Die Ideen sind da, doch die Umsetzung ist schwierig – und da kommt der Punkt, der auch in vielen Familien beim Kochen heute das Problem ist: Der Aufwand ist groß und es mangelt an Zeit – manchmal eben auch den Ernährungsfachfrauen.

Informationen über die Ausbildung zur Ernährungsfachfrau gibt es beim BBV, Tel. 09321/13460 oder bei Claudia Steinert, Referentin für Ernährungs- und Verbraucherfragen im Fachbereich Menschen im ländlichen Raum des Bayerischen Bauernverbandes, Claudia.Steinert@BayerischerBauernVerband.de.

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