KITZINGEN

Schraube locker?

Ein Motorrad ist mehr als ein reines Fortbewegungsmittel. Wer mit den schnellen Zweirädern übers Land fährt, dem geht es in den seltensten Fällen nur darum, von A nach B zu kommen. Das Motorrad ist für viele Ausdruck der eigenen Seele.
Artikel drucken Artikel einbetten
Text Foto: Foto: –
+4 Bilder

Kein Wunder also, dass viele Biker ihrem Gefährt ein ganz eigenes Aussehen verpassen wollen. „Die neuesten Trends beim Motorradfahren setzen auf Purismus, auf die ungeschminkte und direkte Erfahrung Mensch und Maschine. Komfort und leider nicht selten auch die Sicherheit stehen dabei weiter unten auf der Prioritätenliste – gerade wenn Biker selbst Hand anlegen“, warnt der TÜV Süd.

Durch den Abbau von Verkleidungen können scharfe Kanten freigelegt werden. Außerdem ändern sich die Fahreigenschaften der Motorräder, erklärt Lars Krause vom TÜV Süd. Die Auswirkungen auf das Fahrverhalten sollten alle, die ihr Motorrad umbauen wollen, nicht unterschätzen. „Gerade was den Grip anbelangt.“ Krause empfiehlt deshalb, vor dem Umbau mit einem Experten zu sprechen.

Harald Knott musste auch schon negative Erfahrungen mit den selbst gemachten Umbauten und Reparaturen machen. „Ich hatte schon Leute hier, die wollten ihre Bremsbelege wechseln – aber wussten nicht wie“, erzählt Knott, der in Etwashausen eine Motorradwerkstatt hat. „Die kamen dann mit komplett kaputten Anlagen, konnten teils gar nicht mehr richtig bremsen.“ So etwas sei natürlich sehr gefährlich. „Selbst beim Reifenwechsel kann man schon einiges falsch machen.“

Davon, welch schwerwiegende Folgen selbst gemachte Umbauten haben können, weiß Lars Krause eine Geschichte zu erzählen: Ein Biker hatte bei seinem Motorrad die Verkleidung abgebaut. Durch den Winddruck wurde die Ölleitung an den Krümmer gedrückt. Das Ergebnis: Das Motorrad fing Feuer.

Aber natürlich gebe es auch Privatleute, die ihre Sache gut machen, betont Harald Knott. Alle Bastler und Tüftler über einen Kamm zu scheren, mache natürlich keinen Sinn. Das weiß auch Andreas Florenkowsky, Leiter der TÜV Süd Niederlassung in Würzburg. „Uns geht es ja nicht darum, jemandem seinen Spaß zu verderben.“ Im Gegenteil, man unterstütze die Umbauer gerne in ihren Vorhaben. „Aber manchmal muss man dann eben doch sagen: So kann man das nicht machen.“

Grundlage für die Beurteilung sei immer der Paragraph 19, zweiter Absatz, der Straßenverkehr-Zulassungs- Ordnung (StVZO). „Alles, was die Fahrzeugart, die Abgaswerte oder das Geräuschverhalten verändert, führt zu einem Erlöschen der Betriebserlaubnis“, erklärt Florenkowsky. „Gefährlich ist alles, was die Sicherheit des Fahrers oder anderer Verkehrsteilnehmer einschränkt.“

Grundsätzlich rät Florenkowsky dazu, Reparaturen und Umbauten beim Fachmann machen zu lassen. „Wir haben enge und gute Kontakte zu Customizern“, sagt der Würzburger Niederlassungsleiter. Wer das partout nicht will, könne sich auch zunächst kostenlos beim TÜV beraten lassen. „Wir hatten da auch schon ganz verrückte Sachen, beispielsweise jemanden, der ein Elektromotorrad von Grund auf selbst gebaut hat“, sagt Florenkowsky. „Auch das haben wir hin bekommen.“

Die Zahl der genehmigten Umbauten sei in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. Allerdings habe sich die Art verändert. „Es werden immer mehr umfangreiche Umbauten gemacht. Die Zahl der selbst gemachten Umbauten nimmt hingegen eher ab.“

Diese Erfahrung hat auch Harald Knott gemacht. „Ich hab' hier mal mit Enduros angefangen“, erzählt er. „Davon könnte ich heute nicht mehr leben.“ Jetzt seien es eher Roller zum Pendeln, die er verkauft. Umgebaut werden hingegen eher Harley Davidsons. Jede Maschine sei individuell. „Da wird fast alles umgebaut“, erzählt er. Aber eben am besten vom Fachmann – dann bleibt der Fahrspaß länger erhalten.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren