KITZINGEN

Schnäppchen-Zeit für Fahrradfreunde

Seit 1990 organisiert Werner Rensinghoff die Fahrrad-Tauschbörse des ADFC und hat selbst schon so manches Schnäppchen gemacht.
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Immer wieder werden kleine „Schätze“ auf der Fahrradbörse angeboten, wie vor einigen Jahren dieses Bonanzarad. Foto: Foto: Werner REnsinghoff
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Man könnte Werner Rensinghoff als Vermittler bezeichnen. Als einen, der Leute zusammenbringt. Diejenigen, die ein Fahrrad verkaufen wollen mit denjenigen, die eines suchen. 1990 hat er die Fahrrad-Tauschbörse des ADFC inittiiert. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, wird seitdem in Kitzingen privat rund ums Rad gehandelt. Am 17. September ist es wieder soweit.

Als Werner Rensinghoff das Redaktionsbüro betritt, nimmt er erst mal den Helm vom Kopf. Natürlich ist er mit dem Fahrrad zum Gesprächstermin gekommen – er nutzt es, wann und wo immer das möglich ist. Auch für den Weg zur Arbeit von Kitzingen nach Iphofen und zurück „bei mindestens zwei Drittel der Fahrten“. Heuer hat er die Strecke sogar erst ein einziges Mal mit dem Auto zurückgelegt.

„Wir sind keine rollende Fahrradwerkstatt, wir sind eine Fahrrad-Tauschbörse.“
Werner Rensinghoff, passionierter Fahrradfahrer

Werner Rensinghoff ist also passionierter Fahrradfahrer – und das liegt vor allem an seiner Heimat. Er stammt aus einer Gegend nahe der holländischen Grenze, da wird einfach viel Fahrrad gefahren. Von dort hat er auch die Idee zur Fahrradtauschbörse mitgenommen und sie zuerst in Köln etabliert und später, nach seinem Umzug nach Kitzingen, schnell auch in der Kreisstadt.

1990 hatten die Landkreisbürger erstmals die Gelegenheit, ihr altes Fahrrad anderen Privatleuten anzubieten. Damals noch am Bleichwasen, standen die Räder zwei Stunden lang in Reih und Glied und wurden von den Kaufinteressenten begutachtet. Vorsitzender Werner Rensinghoff, andere ADFC-Mitglieder und Fahrradfreunde standen mit Rat und Tat zur Seite – und das tun sie heute noch. Sie schauen sich an, ob der geforderte Preis gerechtfertigt ist, beantworten Fragen und packen manchmal auch mit an. „Ich habe schon ein paarmal Leute überzeugt, dass ihr Fahrrad gar nicht so schlecht ist“, erzählt Rensinghoff. Denn wenn man mit dem Rad nicht gut zurechtkommt, liegt das manchmal nur an der Einstellung.

„Häufig wird das Fahrrad zu groß gekauft“, erklärt der Vorsitzende. Denn es gehe gar nicht in erster Linie um die Rahmenhöhe. „Viel wichtiger ist die horizontal gemessene Oberrohrlänge. Sie bestimmt den Platz, den ich habe.“ Muss man sich also zu lang strecken, um zum Lenker zu greifen, passt die Haltung nicht und das Fahrradfahren fällt schwer. Noch schlimmer wird es, wenn man zum Beispiel einen Kindersitz hinten auf dem Gepäckträger hat. „Da verlagert sich der Schwerpunkt, das kann zu Rückenschmerzen führen. “ Ein Punkt, für den Rensinghoff ein gutes Auge hat, wie er sagt – und davon können die Käufer bei der Tauschbörse profitieren – und teilweise auch die Verkäufer, die dann gar nicht zu solchen werden. Manchmal reicht es schon, den Lenker zu drehen, damit die Abstände passen. Gut möglich also, dass jemand vom ADFC kurz zum Werkzeug greift und die richtige Einstellung vornimmt. Die Regel ist das aber nicht, sondern die Ausnahme: „Wir sind keine rollende Fahrradwerkstatt, wir sind eine Fahrrad-Tauschbörse.“ Übrigens ein Begriff, den Rensinghoff nicht erfunden hat, sondern der beim ADFC fest verankert ist.

Welche Räder bei der inzwischen an die Nordbrücke verlagerten Börse angeboten werden? „Das geht querbeet.“ Dabei sind auf jeden Fall immer viele Kinderräder. Die werden viel verkauft, weil die Kids zu groß geworden sind. Die Nachfrage ist groß. Manchmal kaufen zum Beispiel Opas günstige Fahrräder, damit die Enkel beim Besuch noch mehr Spaß haben, erzählt der ADFC-Vorsitzende.

Gut möglich, dass sie auf der Tauschbörse fündig werden, denn das Preisniveau ist relativ niedrig. „Die Preisspanne reicht von 15 Euro für ein altes Rad bis zu 700 Euro für ein sehr gut erhaltenes Mountainbike.“ Dieser Preis sei aber schon eine Ausnahme gewesen, sagt Rensinghoff, er habe sich aber davon überzeugt, dass die Summe gerechtfertigt war. Normalerweise wird deutlich weniger verlangt. Im Vergleich zu anderen Städten und auch seiner Heimat Nordrhein-Westfalen seien die Preise hier niedrig. „Vor Jahren war mal einer aus Erlangen da, der hatte zehn Räder im Fahrzeug, die er verkaufen wollte“, erinnert sich Rensinghoff noch gut. „Er hatte falsche Preisvorstellungen und hat kein einziges verkauft. Stattdessen hat er sechs neue dazugekauft.“

Wer mit einem hochwertigen Fahrrad einen hohen Preis erzielen will, wird bei der Tauschbörse nicht unbedingt fündig. „Man ist ja darauf angewiesen, dass der Kunde vorbeikommt, der genau so ein Fahrrad sucht.“ Bei einer Börse spiele aber der Zufall eine große Rolle, ob dieser Kunde dabei ist. „Wer ein richtig teures Fahrrad verkaufen will, dem empfehle ich, es mit richtig vielen Daten über eine Zeitungsannonce oder das Internet anzubieten.“ Wie groß das Fahrrad ist, wie groß man selbst ist, warum man gut mit dem Fahrrad zurecht gekommen ist, Werkstatt- und Servicedaten – wer das alles angeben kann, hat dann die Chance, einen höheren Preis zu bekommen, so Rensinghoff. Eigentumsnachweis wie Quittung oder Kaufvertrag sollten sowieso vorgezeigt werden – auch bei der Tauschbörse. Schließlich will kein Käufer Gefahr laufen, ein gestohlenes Bike zu erwerben.

Zwei Stunden haben Käufer und Verkäufer am 17. September wieder Zeit, sich zu finden und zu einigen. Einen großen Streit hat Werner Rensinghoff dabei in all den Jahren nie erlebt. „Das ist nicht so ein Kaufrausch wie zum Beispiel bei den Versteigerungen des Ordnungsamtes.“ Es wird weder hoch geboten noch gefeilscht, auch wenn es natürlich manchmal zwei, drei Interessenten für ein Fahrrad gebe. „Aber es läuft immer sachlich ab. Die Unterfranken sind ja friedlich.“

Bei der Tauschbörse kann man Schnäppchen machen, wie der Organisator aus eigener Erfahrung weiß. Etwa 15 Fahrräder hat er schon gekauft, seit er 1989 in den Landkreis gezogen ist, teils sind sie 35 oder 40 Jahre alt. Fahrbereit sind davon neun oder zehn, die anderen nutzt er als Ersatzteillager. „Ich hab' schon ein bisschen einen Fahrradtick. Aber ein Sammler bin ich nicht.“

Fahrrad-Tauschbörse des

Die Herbst-ADFC-Fahrrad-Tauschbörse findet am Samstag, 17. September, von 9 bis 11 Uhr auf dem Parkplatz an der Nordbrücke in Etwashausen (nahe Fehrer bzw. Bayern-Sportplatz) statt.

Dort kann jedermann sein Fahrrad kostenfrei ausstellen und dabei auf Käuferinteresse hoffen. Der ADFC empfiehlt, vorhandene Kaufunterlagen bereitzuhalten, und hilft auf Wunsch beiden Parteien mit einer Wertschätzung des Rades und Beratung.

Organisator Werner Rensinghoff weist außerdem darauf hin, dass der „Caritas-Arbeitskreis Fahrräder für Asylsuchende“ gern Fahrrad- und Fahrradteilespenden annimmt. red

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