Einen Staatsehrenpreis gibt es nicht alle Tage. Für eine vorbildliche Waldbewirtschaftung schon gleich gar nicht. Die Gemeinde Sulzfeld kann stolz sein auf das, was sie in den letzten Jahrzehnten geleistet hat.

120 Hektar: Keine besonders große Waldfläche. Selbst die Weinbergsfläche ist mit 160 Hektar in Sulzfeld größer. Aber der Sulzfelder Wald ist etwas Besonderes. Hier werden Holznutzung und Naturschutz optimal in Einklang gebracht, wie es Forstminister Helmut Brunner in der Begründung für die Auszeichnung formuliert. Der hiesige Forstamtsleiter Klaus Beer sagt es etwas anders: „Die Sulzfelder sind sehr aufgeschlossen gegenüber einer schonenden Waldbewirtschaftung.“

Nachhaltiger Umbau

Der Sulzfelder Wald ähnelt in seiner Zusammensetzung dem anderer kommunaler Wälder im Landkreis: eine ehemalige Mittelwaldbewirtschaftung mit einem hohen Eichenanteil. „Als Brenn- und Bauholz war die Eiche sehr gefragt“, erinnert der zuständige Förster Achim Volkamer. Die Eiche hat auch heute noch ihre Vorteile und soll keinesfalls verschwinden. Aber der Anteil von ehemals 80 Prozent soll nach und nach reduziert werden. Vor rund 30 Jahren hat der Waldumbau begonnen. Vorsichtig und nachhaltig. Und nicht nach jedermanns Geschmack in Sulzfeld.

Gerhard Schenkel ist seit 1984 Bürgermeister der rund 1400 Einwohner zählenden Weinbaugemeinde. Er kann sich noch an die Widerstände in den Anfangszeiten erinnern. Alte Bäume fällen? Gerade für die Senioren in Sulzfeld ein Sakrileg. Doch der Umbau musste sein. Schon aus klimatischen Gründen.

„Bei einem hohen Eichenanteil wächst die Gefahr eines Schädlingsbefalls“, erklärt Beer. Relativ viel Licht kommt durch die Kronen, ideale Voraussetzungen für wärmeliebende Schädlinge wie den Eichenwickler oder den Schwammspinner. Die Sulzfelder haben beizeiten andere Mischbaumarten groß gezogen – Speierling, Hein- und Rotbuche, Kirsche. „Der Wald wird dadurch schattiger und kühler“, erklärt Volkamer. Den Schädlingen wird der Nährboden entzogen. Und wirtschaftlich macht die Umstellung – auf Dauer gesehen – ebenfalls Sinn. „Das sind alles wertvolle Gehölze“, sagt Volkamer.

Wie in vielen anderen Gemeinden auch bedeutete Sturm Wiebke in Sulzfeld eine Zäsur. „In den Jahren vor 1990 haben wir versucht, viel Geld aus dem Wald rauszuholen“, erinnert sich Schenkel. „Dann haben wir gemerkt: Wer etwas rausholt, muss auch wieder etwas reinstecken.“ Betriebswirtschaftlich ist der Gemeindewald seither kein entscheidender Posten für die Kommune. Schenkel spricht von einem Nullsummenspiel. Andere Faktoren sind ihm und dem Gemeinderat wichtiger: der Erholungsfaktor, die Ökologie, die Nachhaltigkeit.

Vor rund sieben Jahren ist ein Weg durch das Sulzfelder Waldgebiet angelegt worden. Für Spaziergänger ein schönes Fleckchen Erde. Aber auch die Förster und Waldarbeiter profitieren. Das Brennholz kann seither aus dem Gebiet transportiert werden, ohne große Schäden zu hinterlassen. „Dafür sorgen auch rund 50 vorbildlich angelegte Rückegassen“, betont Volkamer. „So etwas gibt es nur in Sulzfeld.“

In den 80er Jahren hatte die Gemeinde einen eigenen Waldarbeiter eingestellt. Werner Spehnkuch hat die Rückegassen nach und nach angelegt. Später hat Hans Schmitt den Sulzfelder Wald bis ins hohe Alter gepflegt. „Das Engagement dieser Menschen hat uns sehr geholfen“, sagt Schenkel.

Idealer Lebensraum

Letztlich profitiert auch die Artenvielfalt von der vorausschauenden Waldbewirtschaftung. 85 der 120 Hektar Wald sind Bestandteil des Vertragsnaturschutzprogramms. Immer wieder entdeckt man beim Gang durch den Wald Totholz, das ganz bewusst liegen oder stehen gelassen wird. „Für Insekten der ideale Lebensraum“, freut sich Volkamer. Auch Vögel wie der Halsbandschnäpper, die spät aus ihrem Winterquartier zurückkehren, haben im Sulzfelder Wald eine Chance, noch eine geeignete Höhle zu finden. Etliche Fledermausarten fühlen sich in dem vielstufigen Wald wohl und der Hirschkäfer findet ideale Brutbedingungen vor. Zusammen mit den Kindergartenkindern hat Volkamer am Waldrand zwei „Holzköhler“ angelegt – große Haufen Holz, die vermodern können. Unter diesem Haufen können sich die Larven der Hirschkäfer ungestört entwickeln.

„In Sulzfeld haben wir es seit Jahren mit einer vorbildlichen Waldbewirtschaftung zu tun“, fasst Klaus Beer die Anstrengungen zusammen. Die Gemeinde sei anderen Kommunen deshalb einen Schritt voraus und wurde von Seiten des Amtes für den Staatsehrenpreis vorgeschlagen. Der ist mit 1000 Euro Preisgeld dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. In diesem Jahr am 19. November in München.