OCHSENFURT

Platz für den gelben Retter

Er ist schnell. Er rettet Leben. Und er strahlt eine ganz besondere Anziehungskraft aus: Wenn Christoph 18 landet, bringt er nicht nur Arzt und Rettungsassistent zu einem Notfall, häufig zieht er auch Schaulustige an. Doch wer zu nah ran geht, für den kann es gefährlich werden.
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Der Pilot entscheidet, wo der Hubschrauber landet: Christian Stangl, der seit 2011 die Luftrettungsstation des ADAC in Ochsenfurt leitet, schaut mit seinem Team schon beim Anflug nach geeigneten Plätzen. Foto: FotoS: Daniela Röllinger
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Er ist schnell. Er rettet Leben. Und er strahlt eine ganz besondere Anziehungskraft aus: Wenn Christoph 18 landet, bringt er nicht nur Arzt und Rettungsassistent zu einem Notfall, häufig zieht er auch Schaulustige an. Doch wer zu nah ran geht, für den kann es gefährlich werden.

Drei gelbe Zahlen stehen umringt von zwölf gelben Sternen auf blauem Grund: Die 112 prangt auf dem Heckflügel des ADAC-Rettungshubschraubers, der an der Main-Klinik Ochsenfurt stationiert ist. Eine Zahl, die jedes Kind kennen sollte. 112 ist der europaweit gültige Notruf. Auf ihn macht der Tag der europaweiten Notrufnummer aufmerksam – passend zum Datum am 11. 2., dem heutigen Mittwoch.

Christian Stangl braucht keinen Tag, der ihn an die Bedeutung der Nummer erinnert. „Für uns ist jeder Tag ein Tag des Notrufs", sagt der Leiter der Luftrettungsstation. Er ist einer von drei Piloten in Ochsenfurt. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang bringen sie den Notarzt und den Rettungsassistenten zu den Einsatzstellen. Christoph 18 fliegt in einem Radius von 70 Kilometern rund um die Station und deckt dabei auch den Landkreis Kitzingen mit ab.

Die Piloten müssen bei ihren Einsätzen mit den unterschiedlichsten Landeplätzen zurecht kommen. Das kann ein Sportplatz sein, eine Wiese, ein unbebautes Grundstück, ein Acker neben einer Ortseinfallsstraße oder auch mal die Fahrbahn einer Straße – zum Beispiel bei Unfällen auf der Autobahn. „Es gibt mehr Landemöglichkeiten als man gemeinhin denkt“, sagt Christian Stangl.

Das dreiköpfige Team im Hubschrauber schaut schon beim Anflug nach einem geeigneten Platz. „Wir haben alle unsere Augen auf die sichere Landung gerichtet.“ Manchmal geben Feuerwehrleute oder Helfer vor Ort vom Boden aus Zeichen und weisen so auf den Einsatzort hin. Sind die Hinweise klar und deutlich, dienen sie als Hilfe, doch gerade das Winken von Laien ist für den Piloten eher schwierig einzuschätzen. „Manche winken uns auch nur einfach so, wenn sie uns sehen“, sagt Stangl. Wo der Hubschrauber letztendlich landet, entscheidet alleine der Pilot, „denn der muss es auch verantworten“.

Für das Landen braucht der Pilot keinerlei Unterstützung – und auf gar keinen Fall dürfen Tücher zur Markierung eines möglichen Landeplatzes ausgelegt werden. Diese werden durch den Rotor-Abwind aufgewirbelt und machen eine sichere Landung unmöglich. Wegen dieses Effektes sind auch Schnee und Sand als Untergrund nur eingeschränkt geeignet. „So etwas kann ein Laie aber gar nicht einschätzen“, weiß Stangl. Nur erfahrene Einweiser, die die Gefahren und die Sicherheitsregeln kennen, sind hier wirklich eine Hilfe. Sie wissen beispielsweise, dass sie sich bei laufendem Rotor dem Hubschrauber nur von vorne nähern dürfen und dabei immer Blickkontakt zum Piloten halten müssen, der stets vorne rechts sitzt.

Die Landung verläuft in der Regel problemlos. „Da sind wir meist allein“, so Stangl. In der Zeit danach aber lockt der gelbe Vogel Neugierige an, nicht nur „Zwerge“, wie der Pilot die Kinder humorvoll nennt, sondern auch Erwachsene. Die „Zwerge“ sind zwar neugierig, gehen meist aber nur mit Erlaubnis des Piloten näher an die Maschine ran – und auch nur, wenn der Rotor sich nicht dreht. Doch es gibt auch Leute, die sich nicht an diese Regel halten, und dann kann es gefährlich werden.

Christian Stangl zählt die wichtigsten Punkte auf: Während der Landung und des Starts muss ein Sicherheitsabstand von mindestens 50 Metern eingehalten werden. Dabei darf sich niemand hinter dem Hubschrauber befinden. Fahrzeuge müssen während des Starts und der Landung stehen bleiben und ansonsten einen Abstand von 20 Metern einhalten. Näher vorbeifahren dürfen sie nur auf ausdrückliche Aufforderung der Rettungskräfte.

„Wenn sich ein Hubschrauber dreht, darf man sich ihm auf keinen Fall nähern, auch nicht mit dem Auto darunter durchfahren“, verweist der Pilot auf eine besonders gefährliche Situation. Steht ein Hubschrauber auf abfallendem Gelände, ist es wichtig, nur von der Talseite hinzugehen, an der die Rotorblätter weiter vom Boden entfernt sind.

Bei laufendem Rotor dürfen nur die Einsatzkräfte zum Hubschrauber – oder Zivilpersonen, die ausdrücklich dazu aufgefordert wurden. Dann gilt: Kopf einziehen, Brille festhalten, Arme nicht heben. So wie es auch Arzt und Rettungsassistent machen, wenn sie sofort nach der Landung aus der Maschine springen, um der verletzten Person schnellstmöglich helfen zu können. Denn das allein ist es, worum es dem Team von Christoph 18 geht.

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