KITZINGEN

Neues Heim für 59 Senioren

Das sieht man auch nicht alle Tage: Ein Seniorenheim zieht um. Und das alles innerhalb eines Tages. Bis zum Abend waren alle 59 Zimmer im Mühlenpark in der Siedlung bezogen. Die Bewohner und das Personal haben einen aufregenden Tag hinter sich. Jetzt steht die Eingewöhnung auf dem Programm.
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Umzug: 60 Betten und 60 Bewohner sind am Montag vom Frida-von-Soden-Heim in der Innenstadt in das Seniorenheim am Mühlenpark in der Siedlung umgezogen. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Das sieht man auch nicht alle Tage: Ein Seniorenheim zieht um. Und das alles innerhalb eines Tages. Bis zum Abend waren alle 59 Zimmer im Mühlenpark in der Siedlung bezogen. Die Bewohner und das Personal haben einen aufregenden Tag hinter sich. Jetzt steht die Eingewöhnung auf dem Programm.

Das Frida-von-Soden-Heim in der Kanzler-Stürzel-Straße war längst in die Jahre gekommen. Mehrere Stockwerke, wenig Lichteinfall, viele Doppelzimmer. „Das alte Haus genügte nicht mehr den Ansprüchen an ein modernes Pflegeheim“, sagt der Geschäftsführer der Diakonie, Jochen Keßler-Rosa. Bestes Beispiel: Zehn Bewohner mussten sich drei Toiletten und Duschen teilen. Die geschätzten Investitionen von drei bis vier Millionen Euro für eine Sanierung wollte die Diakonie lieber in ein zukunftsweisenderes Projekt stecken: Den Neubau eines SELA-Heimes. SELA steht für Selbstbestimmtes Leben im Alter.

Bereits im Mai 2014 starteten die Bauarbeiten für den Neubau in der Siedlung. Mehr Platz, mehr Licht, keine Stufen, ein Atrium mit Hochbeet und Barfußpfad: Mit dem alten Heim in der Nähe des Schulzentrums hat der Neubau kaum Ähnlichkeiten. Das Wort Gleichberechtigung fällt im Gespräch mit Keßler-Rosa oft.

Vier „Häuser“ sind im neuen Seniorenzentrum entstanden. Kirchplatz, Marktplatz, Postplatz und Rathausplatz heißen die „Straßen“ die dahin führen. „Es soll ein nachbarschaftlicher Wohncharakter entstehen“, hofft Keßler-Rosa. Hilde Laschinsky ist ganz optimistisch.

Die Seniorin ist fast jeden Tag bei ihrem Mann Fritz, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Die Rollstuhlfahrer waren die ersten, die am Montag ihr neues Domizil beziehen konnten. „Alles neu, alles schön hell“, freut sich Hilde Laschinsky und ist sicher: Ihr Mann wird sich in dem Ambiente wohlfühlen.

Fritz Laschinsky wohnt „Am Marktplatz“. Wie die anderen Bewohner auch hat er eine neue Adresse, einen neuen Pfarreisprengel. Die Hausärzte und Apotheken mussten informiert werden, die Pflege- und Krankenkassen. Einrichtungsleiter Rene Kinstle und sein Team mussten nicht nur an diese Formalitäten denken. Besonders der Umzug der Technik gestaltete sich als Herausforderung. „Alle relevanten Daten müssen schnell vorhanden sein, falls ein Notfall eintritt“, erklärt Keßler-Rosa. Den ganzen Tag arbeiteten die Mitarbeiter daran, PCs und Drucker anzuschließen, die Daten zu überprüfen.

Ein Möbelwagen und zwei angemietete Sprinter waren den ganzen Tag zwischen dem alten und neuen Heim unterwegs. Die Pflegebetten und ein Teil der Ausrüstung mussten im Möbelwagen transportiert werden, die Bewohner kamen zu dritt oder viert im Sprinter in die Siedlung. Dort wurden sie sofort von ihren Betreuern in Empfang genommen. „Jede Veränderung ist für unsere Heimbewohner aufregend und schwierig“, sagt Keßler-Rosa. In diesen Tagen erleben die Senioren eine ganze Menge Veränderungen. Sie brauchen besonders viel Fürsorge und Betreuung. Vor allem die Bewohner mit einer demenziellen (Teil) Erkrankung.

Gerade für sie soll das neue Haus Vorteile bieten. Genug Bewegungsspielraum und viel Lichteinfall dank bodentiefer Fenster sollen den Fluchtdrang, der manche demente Person überkommt, eindämmen.

Von der Pflegestufe 3 bis zur Pflegestufe 0 reicht die Palette der Bewohner. Die Preise sind laut Keßler-Rosa im Vergleich zur alten Einrichtung um maximal 300 Euro pro Monat gestiegen. In der Siedlung gibt es nur noch acht Doppelzimmer, dazu 43 Einzelzimmer.

In den großen und hellen Aufenthaltsbereichen versammelten sich schon am Montagnachmittag die Bewohner und Teile des Personals. Sie machten Musik, sangen gemeinsam. Ein Gefühl von Sicherheit und Heimeligkeit sollte sich möglichst schnell einstellen. Währenddessen schleppten Betreuer Umzugskisten und schoben leere Betten durch die Flure, in der Küche wurden Gläser und Besteck eingeräumt.

Das alte Haus in der Nähe des Schulzentrums ist leerer, aber noch nicht verwaist. In diesem Monat werden dort noch rund 15 Senioren leben, ehe auch sie in andere Seniorenheime umziehen. Das Büro der KASA (Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit) wird ebenfalls im August in das Haus Mainblick umziehen.

Was mit dem Gebäudekomplex in guter Lage passiert, will Geschäftsführer Keßler-Rosa zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten. „Es gibt eine Menge Anfragen aller Art“, sagt er. „Wir werden uns bald zusammensetzen und entscheiden.“

Während es im Frida-von-Soden-Haus ruhig wird, ist im Seniorenheim im Mühlenpark das Leben eingezogen. Neben dem Pflegeheim entsteht derzeit noch ein Anbau, der 18 barrierefreie (Eigentums-)Wohnungen für Senioren und einen Gemeinschaftsbereich anbieten wird. Mit seiner Fertigstellung ist das Projekt am Mühlenpark abgeschlossen. Dann kehrt richtig Ruhe ein. Die Bewohner haben das verdient. Veränderungen haben sie in den letzten Tagen genug erlebt.

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