KITZINGEN

Jagd: Mehr als nur Trophäen

Stundenlang auf Lauer liegen. Was reizt Menschen an der Jagd?
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Jäger Klaus Damme erzählt gerne von der Jagd. Es ist Abenteuer und Erholung. Foto: Foto: Robert Wagner

Klaus Damme sitzt unter mehr als einem Dutzend Trophäen, eine Wildschweinschwarte hängt an der Wand neben ihm. „Die ganzen Knochen kann man entsorgen, wenn ich mal sterbe“, sagt der Vorsitzende der Kreisgruppe Kitzingen im Bayerischen Landesjagdverband (BJV). „Für mich verbinden sich Erinnerungen damit, Geschichten und Erlebnisse.“ Doch für jeden anderen? Seien es eben nur Knochen.

Regelmäßig ist Klaus Damme in dem Revier bei Atzhausen, das er sich mit einem Freund teilt. Viele Stunden verbringt er draußen. Wie viele genau? Damme überlegt. Schon allein um die vorgeschriebene Anzahl Rehe zu schießen, kommt einiges zusammen. Drei, vier Stunden pro Ansitz – bis zu zehn Ansitze für nur einen Abschuss. „Sagen wir's mal so: Viele andere Hobbys brauchst'e da nicht mehr machen.“

Warum geht er dann überhaupt auf die Jagd? „Das ist eine Leidenschaft, für viele vielleicht sogar eine Sucht“, sagt der Vorsitzende der Kreisgruppe. Jede Jagd sei eine Überraschung. „Es gibt keine Wiederholungen.“ Man ist draußen in der Natur und kann selbst gestalten. „Vielleicht sind es auch ein bisschen die Gene – wir waren ja früher alle Jäger.“

Geld sei hingegen ganz sicher kein Grund. Klaus Damme lacht. „Ich kenne keinen einzigen Jäger, der am Ende auch nur auf plus/minus null kommt.“ Die Jagdpacht, das ganze Equipment, die Fahrten, Versicherungen. „Der Stundenlohn wäre extrem schlecht.“

Noch dazu, da die Jagd ja nur einen Teil der Arbeit und des Aufwandes ausmacht. „Es gibt jede Menge Aufgaben, um die wir uns kümmern“, betont Damme. Es gehe darum, ein Revier zu gestalten. Deshalb baue man Futterstationen – beispielsweise zuletzt für die selten gewordenen Rebhühner. Auf rund ein Zehntel sei deren Zahl zurückgegangen. Zumindest, wenn man die Streckenlisten als Maßstab nimmt. Viele Jäger würden extra Flächen pachten, um Deckungs- und Äsungsflächen für das Wild zu schaffen, erklärt Damme.

In den letzten Jahren habe man außerdem, unterstützt durch das Landratsamt, rund 2000 blaue Wildbahnreflektoren angeschafft und angebracht, um Wildunfälle zu verhindern. Man unterstütze das Veterinäramt bei der Krankheits- und Seuchenvorsorge, nehme regelmäßig Proben. „Wir sind die ersten, die sehen, wenn etwas mit den Tieren nicht stimmt.“

Doch die Bemühungen des Jagdverbandes enden nicht am Waldrand. „Wir kümmern uns auch um das jagdliche Brauchtum“, sagt Klaus Damme. Beispielsweise durch die Jagdhornbläser oder Ausbildung von Jagdhunden.

Auch deshalb sei man in der ländlichen Bevölkerung noch sehr gut verankert, meint der Vorsitzende der Kreisgruppe des BJV. „Die mögen uns schon.“ Bei den Städtern sei das eine andere Geschichte. Viele wüssten gar nicht, was Jäger alles machen. Für die stehe das Schießen im Mittelpunkt. „Vielleicht ist es auch unsere Aufgabe, dass verständlicher zu machen.“ Andererseits: „Wenn jemand Vegetarier ist, dann hat er wohl kein Verständnis für uns. Das muss man dann auch akzeptieren.“

Damme ist froh, dass es im Moment noch genug Nachwuchs gibt. Es gebe genügend jüngere Menschen, die sich für die Jagd interessieren. Auch immer mehr Frauen seien dabei. Auf etwa 15 Prozent schätzt er ihren Anteil mittlerweile. Doch ein Problem bleibt: Die Lebensplanung der Menschen sei heute eine andere. Wer wüsste heute schon, wo er in ein paar Jahren arbeite und lebe? Das mache es schwierig, die Verantwortung für ein Revier zu übernehmen. Immerhin geht es da um einen Zeitraum von fast zehn Jahren.

Die Jagd befindet sich im Wandel, ist sich Damme sicher. „Früher waren Jäger meist alte Männer, die allein durch die Natur stapften.“ Heute müssten ganz andere Jagdmethoden angewendet werden. Alles sei kooperativer geworden. „Früher konnte man am Waldrand sitzen, und auf das Wild warten. Heute musst du alle Register ziehen, um zum Erfolg zu kommen.“ Aber gerade das mache die Jagd ja so spannend.

Hintergrund

Die Jagdsaison geht vom 1. April bis zum 31. März.

Das Jagdrecht gehört in jedem Fall dem Flächenbesitzer. Selbst Ausüben darf er es aber erst ab einer Fläche von rund 82 Hektar.

In den meisten Fällen schließen sich die Landbesitzer in einer Jagdgenossenschaft zusammen, die das Jagdrecht verpachtet (meist für neun Jahre).

Meist wird diese vertreten durch die jeweilige Gemeinde. Im Landkreis Kitzingen gibt es in etwa 150 Reviere, 120 davon sind Gemeinschaftsjagdreviere (Mindestens 250 Hektar).

Die Abschusszahlen werden von den unteren Jagdbehörden überprüft. Beim Schwarzwild richtet man sich nach den Schäden im Vorjahr. Beim Rehwild wird hingegen ein dreijähriger Abschussplan durch die untere Jagdbehörde erstellt.

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