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PRICHSENSTADT-JÄRKENDORF

Martinas Multi-Farm

Was war das denn? Ein rotbrauner Blitz ist hinterm Holzstoß verschwunden. Ein Reh? „Fast“, sagt Martina Schnörer und lacht. „Das ist ein Muntjak. Ein chinesischer Zwerghirsch, auch Bellhirsch genannt – wegen der Laute, die er von sich gibt.“ Ein bellender Hirsch – das gehört auf der Järkendorfer Farm nicht zum Außergewöhnlichsten. Hier ist jede Menge Platz für seltene Tiere.
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Augenblick mal... Diana Fuchs Foto: Foto:
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Was war das denn? Ein rotbrauner Blitz ist hinterm Holzstoß verschwunden. Ein Reh? „Fast“, sagt Martina Schnörer und lacht. „Das ist ein Muntjak. Ein chinesischer Zwerghirsch, auch Bellhirsch genannt – wegen der Laute, die er von sich gibt.“ Ein bellender Hirsch – das gehört auf der Järkendorfer Farm nicht zum Außergewöhnlichsten. Hier ist jede Menge Platz für seltene Tiere.

Es fiept und muht, piepst und knurrt, schmatzt und ratzt, faucht und kräht aus allen Richtungen. Besucher haben das Gefühl, dass ihre fünf Sinne gar nicht reichen, um all das Leben ringsum zu erfassen.

Martina Schnörer und ihr Mann Werner sind vor fast 25 Jahren in den Prichsenstädter Ortsteil Järkendorf gezogen. Der Grund war ein weitläufiges Anwesen mit Scheune, großem Hof und noch größerem Außengelände. Die einstige Landwirtschaftsschülerin aus Wiebelsberg und der gelernte Metzger aus Albertshofen kauften das Areal, weil es genügend Stallungen, Freigehege und Wiesen für viele tierische Mitbewohner bot.

„Jedes Tier ist auf seine Weise grandios.“
Martina Schnörer

Ohne Tiere zu leben, das kann sich Martina Schnörer nicht vorstellen. Wie ihr Vater, der unter anderem seltene Geflügelrassen züchtet, war sie von jeher fasziniert von allem, was Flügel hat. Und was vier Beine hat. Oder eine Schwimmblase. Oder Schlappohren... „Jedes Tier ist auf seine eigene Weise grandios“, findet die 50-Jährige.

Zuerst holte sie besondere Hühner, Ziegen und Ponys zu sich: Anglo-Nubian-Ziegen mit Hängeohren zum Beispiel, winzige Mini-Ponys und possierliche Zwerghühner, schwanzlose Kaul- und farbenfrohe Chabo-Hühner, streichelzarte Seidenhühner und prachtvolle „Altenglische Kämpfer“. Oder auch mal Hühnergänse mit grünen Schnäbeln. „Ich hab' ein Faible für das Besondere.“

Dieses Faible leben die Schnörers aus. Immer wieder bauen sie das weitläufige Außengelände um, damit neue Arten einen geeigneten Lebensraum finden. Aktuell tummeln sich 55 Tiere auf der Farm – die Goldfische im Teich und die Küken nicht mitgerechnet. Neben allerhand Rassegeflügel, Papageien und Wachteln hüpfen zwei putzige Zwergkängurus umher – oder eigentlich drei, denn Mama „Skippy“ hat ein Baby im Beutel. Die Parma-Kängurus sind kaum größer als der Deutsche Riese – ein Bär von einem Hasen, der lustigerweise auf den Namen „Mutti“ hört.

Während die beiden Muntjaks einander jagen, macht „Astro“, die 20 Kilo schwere afrikanische Spornschildkröte mit dem Ehrfurcht gebietenden Höckerpanzer, gemächlich Picknick unterm großen Nussbaum. Seine kleinen Kollegen, die Pantherschildkröten Hermann und Hermine, halten gerade ein Schläfchen im Schatten. Hellwach sind dagegen die französischen Bulldoggen, Windhund Chayenne und Wolfshund Dolores. Aus einem Fenster im Scheunenboden blicken majestätisch drei Maincoon-Katzen hinunter auf das bunte Treiben.

„Essi!“ Martina Schnörer steht am Gatter zu einem Freigehege und ruft: „Essi! Esmeralda!“ Eine schwarzbraune Kuh trabt herbei, im Gefolge ihr Kälbchen „Lieselotte“, den Bullen „Gustl“ und zwei weitere Artgenossen mit verschiedenen Fellfarben; alle kleiner als gewöhnliche Milchkühe, dafür aber mit einem stattlichen Buckel ausgestattet. „Das sind Zebu-Rinder“, erklärt die Besitzerin, während sie ihrer Esmeralda mit beiden Händen den Rücken krault.

„Esmeralda ist etwas ganz Besonderes. An ihr häng' ich sehr.“ Als Essi noch ein Kalb war, wuchs sie nicht richtig. Mit einem Jahr war sie noch immer nicht größer als ein Bernhardiner, weshalb ihr Besitzer erwog, sie zu Hundefutter verarbeiten zu lassen. Doch Martina Schnörer wollte es anders. Sie nahm das junge Zebu-Rind mit auf ihre kleine Farm. Esmeralda entwickelte sich zu einer prächtigen Kuh, die schon mehreren gesunden Kälbern das Leben geschenkt hat.

„Goldig, oder?“

Doch nicht immer herrscht auf der Ranch eitel Sonnenschein. Wenn man so viele Tiere hat, wird man irgendwann automatisch mit Problemen konfrontiert, auch mit Leid und Tod. „Wir gehen damit sehr natürlich um“, stellt die Mutter von zwei Söhnen fest. „Jedes Lebewesen hat nur eine begrenzte Lebenszeit.“ Bevor ein Tier zu sehr leiden muss, wird es erlöst. Trotzdem: „Wenn Esmeralda sterben würde, wäre das schrecklich“, sagt Martina Schnörer.

Besonders gern sucht sich die 50-Jährige einen Platz an der Känguru-Wiese und beobachtet die australischen Mini-Hüpfer. Das erste Tier hat sie 2010 gekauft, „weil ich es einfach herrlich finde, den Kängurus zuzuschauen“. Tatsächlich haben die „Skippys“ nicht nur eine faszinierende Art sich fortzubewegen, sondern auch spezielle Essgewohnheiten. „Goldig, wie sie mit den Vorderpfoten die Grashalme zerlegen, oder?“, fragt Martina Schnörer und zeigt auf eines der Beuteltiere, das sich gerade ein grünes Dinner genehmigt. „Ich passe auf, dass ihre Nahrung nicht zu eiweißhaltig ist. Sie bekommen viel Gemüse, Äpfel und Karotten.“

„Ich will doch hier nicht weg!“

Neben dem Essensangebot müssen auch alle anderen Lebensbedingungen stimmen. „Kängurus mögen kein Halligalli. Deshalb haben wir ihr Gehege mit hohen Brettern vor den Nachbarn abgeschirmt.“

Ruhe mögen aber nicht nur die Tiere, sondern auch die Schnörers selbst. „Es gibt für mich nichts Entspannenderes, als barfuß umherzustreifen und meine Tiere zu beobachten“, erzählt Martina Schnörer. Und die viele Arbeit? „Ich mach' das alles gern, vom Füttern bis zum Ausmisten.“ Und die Kosten – vom Tier selbst über das Futter bis zum Tierarzt? „Das zahle ich alles gern. Die Tiere sind mein Ein und Alles.“

Und wenn sie mal in Urlaub fahren möchte? Martina Schnörer bricht in Gelächter aus. „Ich will doch nicht weg hier! Nicht mal einen Tag.“

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