WESTHEIM

Luthers Strahlkraft, gut versteckt

Die Dreieinigkeitskirche in Westheim ist ein Schmuckstück: Prächtige Fenster im Nazarener Stil und viele Fresken ziehen die Blicke auf sich. Bei der momentan laufenden Sanierung zeigen sich auch Kirchenmaler begeistert.
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Inzwischen wurde das Fenster ausgebessert, das gesamte Gewand ist wieder rot. Foto: Foto: Angelika Krauß
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Luther ist immer präsent für die Westheimer. Ein Reformationsjubiläum braucht es dafür nicht. Im blauen Mantel, die rote Bibel in der Hand, mit strengem Blick – so steht er da im Fenster. Seit mehr als 100 Jahren.

Die Dreieinigkeitskirche steht etwas abseits der Hauptstraße der 120-Einwohner-Gemeinde Westheim, am Rande des Landkreises Kitzingen und zugleich am äußersten Zipfel des evangelischen Dekanats Würzburg. Dabei hätte das außergewöhnliche Gotteshaus es verdient, im Mittelpunkt zu stehen. Die Dreieinigkeitskirche ist ein Kleinod, das seinesgleichen sucht.

Bis hoch hinauf zum Turm umrankt ein Gerüst die Kirche. Ein Klopfen ist zu hören. Wer wissen will, woher es kommt, muss genau hinschauen. Hinter einem grünen Netz, fast unsichtbar, arbeitet Alfons Deen. Rechts vom Portal kniet der Restaurator auf einer Tafel und klopft mit Hammer und Meißel gegen die Steine. „Morgen“, ruft Angelika Krauß kurz, bevor sie die Kirche betritt. Man kennt sich. Sie ist Mitglied im Kirchenvorstand und seit Dienstag nach Ostern, als die Arbeiten an der Kirche begannen, regelmäßig vor Ort und bei den Baubesprechungen mit Architekt Martin Zeltner und den Handwerkern dabei, genauso wie der Vertrauensmann des Kirchenvorstandes, Hermspeter Kosch. Mit jeder Besprechung scheint die Begeisterung der beiden für das Gotteshaus zu steigen.

Einst gab es eine Kirchenburg

Ursprünglich gab es in Westheim eine Kirchenburg. Anstelle des baufälligen Werkes wurde ab August 1893 ein Gotteshaus im neugotischen Stil errichtet. Geweiht wurde die Dreieinigkeitskirche im Dezember 1894. Die Kirchengemeinde konnte die Baukosten nicht alleine schultern, die Bürger brachten ein Darlehen in Höhe von 42 000 Goldmark auf, so steht es in Aufzeichnungen, die Hermspeter Kosch über die Kirche zusammengetragen hat. Dank großzügiger Spenden und Stiftungen wurde das Gotteshaus mit dem ausgestattet, was heute noch sichtbar ist: Die Steinmeyer-Orgel, die eine Wittfrau gestiftet hat. Dekorative Fresken an den Wänden und an der Decke, Altäre der Schreinergotik und vor allem Glasfenster im Nazarener Stil. Diese Fenster sind es, die dem Besucher sofort ins Auge fallen, wenn er die Kirche betritt. Farbenprächtig, bis hoch fast unters Dach reichen sie. Hat ein Spender die gesamten Kosten für ein Fenster übernommen, ist sein Name unten im Fenster integriert. „Gestiftet von Bankier Michael Müller und Gemahlung Kath. Müller in Würzburg 1894“ steht am Fuß des Luther-Fensters, das sich in der Sakristei befindet und somit von einem Fremden nicht unbedingt gleich entdeckt wird. Doch Namenszüge gibt es auch an den anderen Fenstern., „Gestiftet von Familie Kilian Müller hier 1894“ ist unter dem Schwedenkönig Gustav Adolf im Eingangsbereich der Kirche zu lesen. Und so ist die Jahreszahl der Kirchenweihe allgegenwärtig im Gotteshaus.

Die Fenster waren Auslöser dafür, dass es überhaupt zur Sanierung kam. Die Schwitzwasserschutzbleche waren verrostet. Teile waren weggefallen, Wasser konnte eindringen und begann, die Sandsteingewände zu zerfressen. Die Schäden wurden besichtigt, weitere entdeckt. „Und so ist eine Außensanierung daraus geworden,“ erzählt Hermspeter Kosch. Die ersten Planungen begannen vor zwei Jahren, im April dieses Jahres gingen die Arbeiten los.

Weil der untere Teil jedes Fensters ausgebaut werden muss, steht auch im Innenraum der Kirche ein Gerüst – allerdings nur auf einer Seite, die Bänke der anderen Seite werden genutzt. Auf der Südseite wurden die Fenster bereits ausgebaut, neu verfugt und wieder eingebaut. Danach wanderte das Gerüst auf die andere Seite. Wo bunte Scheiben fehlen, werden sie ersetzt. Die Ornamente an der Mauer rund um die Fenster werden von einem Kirchenmaler ausgebessert. Als Letztes kommt der Altarraum an die Reihe. Im September soll die Sanierung fertig sein.

„Hier ist unser Rätsel“, sagt Angelika Krauß und deutet auf das Fenster rechts vom Altar. „Suchen Sie mal.“ Gott, Christus, die Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Nichts sticht ins Auge. „Das Buch“, sagt Krauß. Und tatsächlich: Neben dem großen Alpha prangt dort nicht wie üblich ein großes Omega, sondern ein Buchstabe, der wie ein kleines W aussieht. Ein kleines Omega vielleicht? „Keiner weiß, warum der Buchstabe so ist und was er bedeuten soll“, sagt Angelika Krauß.

Dann geht es zum nächsten Suchbild: das zentrale Deckenfresko. Es zeigt den zwölfjährigen Jesus im Tempel. „Finden Sie den Namen des Malers?“ Am unteren Bildrand sucht man vergeblich. „Eulogius Böhler“ steht fürs Auge winzig klein auf einer Bank in der Mitte des Bildes. Von dem Heidingsfelder Maler stammen auch die beiden Altarbilder. Das Altarbild der vorherigen Kirche ist erhalten und hängt auf der Südseite des Langhauses.

„Ein Flyer über die Kirche wäre schön. Damit man die Schönheiten, die hier wie Perlen herumliegen, auch zeigen kann.“
Angelika Krauß, Mitglied im Kirchenvorstand

Auch die Sanierung kostet natürlich wieder Geld. Etwa 220 000 Euro werden nach Kostenschätzung der evangelischen Kirchengemeinde anfallen, hieß es vor einiger Zeit im Gemeinderat. Die politische Gemeinde gibt einen Zuschuss in Höhe von fünf Prozent, das sind knapp 11 000 Euro. Den größten Teil übernimmt die Landeskirche, (laut Kosch 90 000 Euro), Zuschüsse kommen von der Sparkassenstiftung, von der bayerischen Landesstiftung und vom bayerischen Denkmalschutz. Und auch Bürger spenden wieder.

Nach dem Gang durch die Kirche stehen Angelika Krauß und Herms-peter Kosch im Schatten eines Baumes im großen, parkähnlichen Kirchengarten. „Man lernt sehr viel über die Kirche“, sagt Krauß über die laufenden Arbeiten. „Man geht jetzt ganz anders um die Kirche herum.“ Dass die Westheimer Kirche etwas Besonderes ist, haben beide in den letzten Monaten häufig gehört. „Die Kirchenmaler waren begeistert“, erzählt Kosch, auch diejenigen, die den Auftrag letztendlich nicht bekommen haben. „Ich hab' noch keinen gehört, der nicht gesagt hat, das ist eine sehr schöne Kirche“, sagt Angelika Krauß. Nach der Sanierung würde sie gerne einen Flyer herausgeben, in dem Geschichte und Besonderheiten des Gotteshauses erläutert werden. „Damit man die Schönheiten, die hier wie Perlen herumliegen, auch zeigen kann.“ Und die außergewöhnliche Kirche vielleicht doch ein bisschen mehr im Mittelpunkt steht.

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