REPPERNDORF

Kurze Wege, frische Früchte

An Erdbeeren kann man sich nicht satt essen. Davon ist Dietrich Hermann überzeugt. Und er muss es wissen. Seit 14 Tagen fährt er auf seinem Hof in Repperndorf die Ernte der süßen Früchte ein. Bis Ende Juni geht das noch so weiter – und es vergeht kein einziger Tag, an dem er keine Erdbeere vernascht.
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Das kleinste Feld: In Repperndorf und Umgebung bauen die Hermanns auf insgesamt zwei Hektar Fläche Erdbeeren an.
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Man kann es ihm nicht verübeln. In dem kleinen Verkaufsraum auf dem Hof riecht es verführerisch nach den frischen Beeren. Zum Geruch kommt die Optik: Prall und rot lachen die Früchte den Besucher an. Dass sie heuer wieder ein Stück teurer verkauft werden müssen, lässt sich in dem Ambiente fast vergessen. „Aber auch wir müssen den Mindestlohn irgendwie auffangen“, erklärt Hermanns Frau Sabine den Preisanstieg.

„Die Leute werden dafür mit bestem Geschmack entschädigt“, kommentiert Seniorchefin Marie Hermann, die gerade ein Schälchen Erdbeeren an ein junges Mädchen verkauft. Sie hat ihren eigenen Geldbeutel dabei und fischt stolz 2,50 Euro an Münzgeld heraus.

Die Hermanns bauen seit über 20 Jahren Erdbeeren an. Aktuell auf zwei Hektar. Der Verkauf erfolgt ausschließlich ab Hof. Frischer geht's nicht. „Erdbeeren schmecken am Tag ihrer Ernte einfach am besten“, bringt es Dietrich Hermann auf den Punkt. Zwischen 6 und 9 Uhr sind die ungarischen Erntehelfer deshalb aktiv, dann öffnet der Verkauf. „Früher war die Ernte gleichzeitig mein erstes Frühstück“, erzählt Marie Hermann. Heute ist die Seniorchefin eher selten auf dem Feld dabei.

Gegenüber dem Einzelhandel profitiert der Kunde beim Erdbeerkauf in der Region von den kurzen Transportwegen. Die Beeren bleiben länger am Strauch, können besser ausreifen und gewinnen somit an Geschmack. 360 Substanzen machen diesen aus, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Zum Vergleich: Bei Kirschen sind gerade mal zwei bis drei Substanzen für das Aroma verantwortlich.

Keine Beeren vom Vortrag

Der Hermann-Hof hat in den vergangenen Jahren viel Stammkundschaft gewonnen – selbst aus Würzburg. Zudem lockt das große Schild an der B8 viele Autofahrer zu einem Spontan-Abstecher nach Repperndorf. „Ich hatte heuer sogar schon Kunden aus Finnland“, erzählt Sabine Hermann lachend. Was bis zum Abend nicht verkauft ist, wird weiterverarbeitet. „Zu Erdbeerbremser“, verrät Marie Hermann mit einem vielversprechenden Zwinkern. Einst aus der Not geboren, weil man nichts mit den kleinen Beeren anzufangen wusste, ist das Getränk mittlerweile schon Kult im Repperndorfer Frühsommer. „Es gärt, blubbert, ist rosa und süffig“, beschreibt Hermann. „Sehr süffig“, kommt prompt der Kommentar der Mutter. Nach einem ebenso alten Geheimrezept der Eltern entsteht später im Jahr auch der Erdbeerwein. Es macht sich eben bemerkbar, dass die Hermanns auch Winzer sind.

Vergebliches Warten auf Regen

Erdbeerpflanzen werden meist im August gesät. Nach einer kleinen Ernte im ersten Jahr folgen dann in der Regel zwei reiche Ernten. Gerade während der Blütezeit im Frühjahr brauchen die Pflanzen viel Wasser. „Darauf haben wir heuer aber leider vergeblich gewartet“, bedauert Hermann. Seit Ostern hat es kaum geregnet – und wenn, dann nur in so kleinen Mengen, dass diese gerade mal den Staub gelöscht hätten. Also wurde mit Tröpfchenbewässerung nachgeholfen. Zumindest hat das trockene Wetter die Gefahr von Pilzbefall gering gehalten. Und auch mit Insekten habe man heuer nicht vermehrt zu kämpfen.

„Erdbeeren sind sehr empfindlich“, erklärt der Landwirt weiter. Die Ernte erfolgt deshalb Stück für Stück „von Hand in die Schale“. Die Erntehelfer suchen sich die Beeren, die komplett rot gefärbt sind. „Am besten schmecken die, die auch oben am Blatt schon rötlich schimmern“, lautet Sabine Hermanns Tipp. Spitze Fingernägel sind bei der Ernte von Vorteil, denn damit lassen sich die Früchte oberhalb des Kelchblattes ganz leicht abknipsen. Dank der sofortigen Lagerung in flachen Verkaufsschälchen werden Druckstellen vermieden. Damit die Beeren schon während ihrer Reife bequem liegen, sind die Beete allesamt mit Stroh versehen. „Und vor Schmutz werden sie so auch gleich bewahrt“, verrät die erfahrene Erdbeer-Bäuerin Marie Hermann. Und dann wird sie auch schon wieder vom Läuten einer alten Glocke unterbrochen: Der nächste Kunde mit Erdbeer-Gelüsten ist da.

Rund um die Erdbeere

Erntezeit: Seit 14 Tagen läuft die Erdbeer-Ernte auf dem Hermann-Hof in Repperndorf. Durch den Anbau verschiedener Sorten ist eine konstante Produktion bis Ende Juni gewährleistet.

Beliebtheit: Erdbeeren gehören zu den meist verzehrten Beerenfrüchten. Etwa 150 000 Tonnen werden jedes Jahr in Deutschland geerntet – und im Schnitt rund 3,5 Kilogramm von jedem Bürger pro Jahr vernascht.

Lagerung: Am besten schmecken die Beeren, wenn sie noch am Tag des Kaufes verzehrt werden. Ein bis maximal zwei Tage können sie ungewaschen mit Stiel und den grünen Kelchblättern im Gemüsefach des Kühlschranks gelagert werden.

Vielseitigkeit: Während Dietrich Hermann die Erdbeeren am liebsten pur und direkt vom Feld isst, liebt seine Mutter Marie Hermann Erdbeermarmelade. Sie friert die frischen Früchte ein und kann sich dann das ganze Jahr über daran bedienen. Hermanns Frau Sabine schwört hingegen auf Erdbeereis – mit Sahne und echter Bourbon-Vanille. Oder aber auf einen Cocktail aus Erdbeerwein.

 
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